Von Noten und Nöten
In welchem Verhältnis stehen bei einem Künstlerpaar Gemeinsamkeit und Konkurrenz? Robert und Clara Schumann sind die Protagonisten einer Ehe, in der sich das romantische Ideal an der Wirklichkeit abrieb.Der Mann löste sich auf. Er tobte, schimpfte und spuckte. Musik hörte er keine mehr, dafür Stimmen. Am 29. Juli 1856, um vier Uhr nachmittags, starb Robert Schumann nach zweijährigem Siechtum in der Nervenheilanstalt Bonn-Endenich. Eingeliefert worden war der Lebensmüde, nachdem man ihn mitten im Karneval aus den Fluten des Rheins gefischt hatte. Ein rätselhaftes Nervenleiden, von dem man heute munkelt, es sei Folge der Syphilis gewesen, raubte dem Jahrhundertkomponisten jede Daseinsfreude.
Die venerische Geißel, mag man denken, passt nicht recht zu einem empfindsamen Geist. "Melancholie mit Wahn" diagnostizierte der Arzt Dr. Franz Richarz, der die Stadien der Schumannschen Agonie akribisch in seinem Tagebuch festhielt. Seine Frau Clara sah Robert Schumann nur noch ein einziges Mal, kurz vor seinem Tod. Die Ärzte hatten bis dahin jeden Besuch untersagt. "Wie hat sich seine arme Frau wohl plagen müssen", notiert ein Pfleger.
Die Frau in Blau
Heute ist Clara Schumann seltsam blass neben ihrem Robert, der mit seiner weltabgewandten Art die Kümmernisse des Zeitalters der Blauen Blume so abziehbildtauglich vereinte wie kaum ein anderer Künstler. Gesicht und Namen seiner neun Jahre jüngeren und zu Lebzeiten deutlich bekannteren Frau hingegen kennen viele nur noch vom wässrigen Blau des Hundertmarkscheins.
Dabei war es Clara Schumann, die das Klavierspiel entscheidend modernisierte. Sie machte Schluss mit dem Starkult und der Selbstdarstellung des frühen 19. Jahrhunderts, konzentrierte sich wieder auf musikalische Inhalte und verstand sich als Dienerin der Komposition. In sechzehn Ehejahren schenkte sie ihrem Mann Robert acht Kinder und wenn sie öffentlich auftreten wollte, musste sie mit dem Zorn ihres Gatten rechnen.
Licht und Schatten
Hätte jemand die Geschichte der Schumanns niederschreiben wollen, dann wäre wohl der Briefroman die geeignete Form gewesen. Existiert der Grundriss zu einem solchen Roman doch bereits: in Gestalt unzähliger Briefe, die beide Partner von 1832 bis zu Schumanns Tod 1856 gewechselt haben. Sie helfen, das Verhältnis von Robert und Clara Schumann zu erhellen, das seit jeher Spekulationen unterworfen ist. Die Forschung zeichnet ein Bild, dessen Farbgebung vom lichten Ideal immerwährender Liebe bis hin zu den düsteren Schattierungen ehelicher Unterdrückung reicht.
Clara Wieck im Alter von 15 Jahren: Die junge Pianistin schwärmt für den älteren Robert Schumann.
Dem Tod kein Gedanke
Im Herbst 1840 ziehen Clara und Robert in eine großzügig geschnittene Leipziger Wohnung. Zwei Flügel stehen dort: Schumanns gemieteter von der Firma Klemm sowie ein neuer, den er kurz zuvor seiner Braut geschenkt hat. Allerdings darf Schumann nicht darauf spielen. Verwundert notiert er im gemeinsamen Ehetagebuch, in dem beide wechselnd Eintragungen hinterlassen: "Du scheinst Angst zu haben, dass ich dir ihn verderbe, aber er ist ordentlich bei mir aufgehoben. Ich werde ihn gleichsam nur anhauchen mit den Fingern."
Trotz kleiner Meinungsverschiedenheiten ist die Künstlerehe durchdrungen vom Geist der Romantik: Lange Spaziergänge im schwindenden Tageslicht, immer wieder das Versprechen ewiger Treue. Mit Empörung hatte Clara Wieck noch auf die Forderung ihres Vaters nach einem Ehevertrag reagiert: "Wie schrecklich, wir sind noch nicht vereint und sollen schon an den Tod denken!"
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Robert Schumann
Am 8. Juni 1810 wird der Komponist als jüngstes von fünf Kindern eines Buchhändlers in Zwickau geboren. Er interessiert sich früh für Musik und Theater. Nach einem Prädikatsabitur geht er zum Jurastudium nach Leipzig, dann nach Heidelberg. Nach einer Italienreise entscheidet sich Schumann endgültig für den Musikerberuf.
Er kehrt nach Leipzig zurück und nimmt dort Unterricht bei Friedrich Wieck, dem Vater seiner späteren Frau Clara. Seit einer Fingerlähmung konzentriert er sich auf Komposition, Opus 1 entsteht noch 1829. Am 3. April 1834 erscheint das erste Heft der Neuen Zeitschrift für Musik, deren Herausgeber und wichtigster Autor Schumann bis 1845 bleibt. 1840 heiratet er die gefeierte Jungpianistin Clara Wieck. 1841 wird ihr erstes Kind geboren und Roberts Sinfonie No.1 fertig.
1844 ziehen die Schumanns nach Dresden, 1847 und 1848 schreibt er Partitur und Libretto seiner einzigen Oper Genoveva. 1850 zieht die Familie nach Düsseldorf. Dort soll Robert als Städtischer Musikdirektor dirigieren. Nachdem er schon zwei Wochen lang über Wahrnehmungsstörungen klagte, springt Schumann am 27. Februar 1854 von einer Brücke, weist sich daraufhin selbst in eine Heilanstalt ein. Erst am 27. Juli 1856 besucht Clara ihn dort, zwei Tage später stirbt er, allein.
Am 8. Juni 1810 wird der Komponist als jüngstes von fünf Kindern eines Buchhändlers in Zwickau geboren. Er interessiert sich früh für Musik und Theater. Nach einem Prädikatsabitur geht er zum Jurastudium nach Leipzig, dann nach Heidelberg. Nach einer Italienreise entscheidet sich Schumann endgültig für den Musikerberuf.
Er kehrt nach Leipzig zurück und nimmt dort Unterricht bei Friedrich Wieck, dem Vater seiner späteren Frau Clara. Seit einer Fingerlähmung konzentriert er sich auf Komposition, Opus 1 entsteht noch 1829. Am 3. April 1834 erscheint das erste Heft der Neuen Zeitschrift für Musik, deren Herausgeber und wichtigster Autor Schumann bis 1845 bleibt. 1840 heiratet er die gefeierte Jungpianistin Clara Wieck. 1841 wird ihr erstes Kind geboren und Roberts Sinfonie No.1 fertig.
1844 ziehen die Schumanns nach Dresden, 1847 und 1848 schreibt er Partitur und Libretto seiner einzigen Oper Genoveva. 1850 zieht die Familie nach Düsseldorf. Dort soll Robert als Städtischer Musikdirektor dirigieren. Nachdem er schon zwei Wochen lang über Wahrnehmungsstörungen klagte, springt Schumann am 27. Februar 1854 von einer Brücke, weist sich daraufhin selbst in eine Heilanstalt ein. Erst am 27. Juli 1856 besucht Clara ihn dort, zwei Tage später stirbt er, allein.
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Der Prozess
Warum verbietet ein Vater seiner Tochter die Ehe? Weil er ihr Glück verhindern will? Weil er sie vor Unglück schützen will?
Die minderjährige Clara Wieck himmelt den charismatischen, aber finanzschwachen Robert Schumann an, der soeben seine Berufperspektiven als Pianist verloren hat. Ihr Vater, auch Roberts Musiklehrer, weiß um dessen Mangel an Fleiß. Er fürchtet, dass Claras vielversprechende und bereits florierende Karriere in einer solchen Ehe im Sand verläuft, und verbietet den Kontakt.
Die Tochter ist des Vaters Hoffnung, weil ihre Brüder bei weitem weniger begabt sind. Der Vater diktiert ihr Bedingungen, die sie als unerfüllbar ablehnt: Sie soll Teile ihrer bisherigen Einnahmen ihren Brüdern überlassen, Robert soll achttausend Taler bereitstellen, zu ihrer Disposition nach einer eventuellen Trennung, zu ihren Gunsten verzinst. Sie sollen in eine Metropole ziehen, damit Claras Karriere nicht abebbt.
Robert überzeugt Clara von einem Prozess, der die Ehe erzwingen soll. Das Gericht gibt dem Paar Recht, Wieck muss 18 Tage ins Gefängnis. Sie ziehen nicht in eine Metropole, Claras Karriere ebbt ab, Robert erlaubt ihr Konzerte nur noch, um die Familienschatulle zu füllen. Wieck ist es, der trotz der Vorgeschichte Kontakt zu dem Paar aufnimmt - Robert zeigt ihm die kalte Schulter.
Warum verbietet ein Vater seiner Tochter die Ehe? Weil er ihr Glück verhindern will? Weil er sie vor Unglück schützen will?
Die minderjährige Clara Wieck himmelt den charismatischen, aber finanzschwachen Robert Schumann an, der soeben seine Berufperspektiven als Pianist verloren hat. Ihr Vater, auch Roberts Musiklehrer, weiß um dessen Mangel an Fleiß. Er fürchtet, dass Claras vielversprechende und bereits florierende Karriere in einer solchen Ehe im Sand verläuft, und verbietet den Kontakt.
Die Tochter ist des Vaters Hoffnung, weil ihre Brüder bei weitem weniger begabt sind. Der Vater diktiert ihr Bedingungen, die sie als unerfüllbar ablehnt: Sie soll Teile ihrer bisherigen Einnahmen ihren Brüdern überlassen, Robert soll achttausend Taler bereitstellen, zu ihrer Disposition nach einer eventuellen Trennung, zu ihren Gunsten verzinst. Sie sollen in eine Metropole ziehen, damit Claras Karriere nicht abebbt.
Robert überzeugt Clara von einem Prozess, der die Ehe erzwingen soll. Das Gericht gibt dem Paar Recht, Wieck muss 18 Tage ins Gefängnis. Sie ziehen nicht in eine Metropole, Claras Karriere ebbt ab, Robert erlaubt ihr Konzerte nur noch, um die Familienschatulle zu füllen. Wieck ist es, der trotz der Vorgeschichte Kontakt zu dem Paar aufnimmt - Robert zeigt ihm die kalte Schulter.



