Kleine Welten
1698 begann August Hermann Francke, eine Naturaliensammlung für den Schulunterricht in seinem Waisenhaus anzulegen. Die Sammlung hatte den hohen Anspruch, ein Spiegel der Welt sein.Seine "Wunderkammer" lädt zum Schauen und Staunen ein: der Hallenser Theologe und Pädagoge August Hermann Francke (1663 bis 1727).
Zu schulischen Zwecken
Aufwändig restauriert, ist die übrig gebliebene Konstruktion nun wieder Herzstück der Kunst- und Naturalienkammer in den Franckeschen Stiftungen zu Halle. An historischem Platz, in der Mansarde des Hauptgebäudes, präsentiert sich dem Besucher der wahrscheinlich älteste Museumsraum des Landes. August Hermann Francke, pietistischer Pfarrer und Gründer der Stiftungen, hatte die Kammer um 1698 einst zu schulischen Zwecken eingerichtet. Als Anschauungsobjekte sammelte der Kirchenmann und Erzieher Muscheln, Steine, präparierte Tiere, getrocknete Pflanzen, Schmuck, Haushaltsgegenstände fremder Kulturen, Bücher, Münzen und eben - diverse Modelle.
Beachtliche Größe
Ein Straußenei, mehrere Walpenisse und der Zahn eines Flusspferdes machten den Anfang: Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. entsprach damit einer Bitte Franckes, Objekte aus der fürstlichen Raritätensammlung für die Naturalienkammer des Halleschen Waysenhaußes zur Verfügung zu stellen.
Das mächtige Weltensystem im Zentrum der Kunst- und Naturalienkammer in Halle ist eine Konstruktion Christoph Semlers.
Neugier und Wissensdurst
Für einen Mann der Kirche - besonders im Hinblick auf die strenge Glaubenshaltung der Pietisten, die von intensiver Frömmigkeit sowie dem Verzicht auf Luxus und weltliche Vergnügen geprägt ist - scheint der Aufbau einer solchen Wunderkammer ungewöhnlich, legten sich im Barock doch vor allem Adel und vermögendes Bürgertum repräsentative Sammlungen zu...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Sammler | ![]() |
Infobox
Ordnung ins Chaos
In den ersten Jahren war die Sammlung ungeordnet über das ganze Haus verteilt. Nach dem Umzug in den ehemaligen Schlafsaal der Knaben 1734 wurde der Altenburger Maler und Kupferstecher Gottfried August Gründler damit beauftragt, Ordnung ins Chaos zu bringen.
Keine leichte Aufgabe: Dem bunten Sammelsurium wohnte keinerlei Systematik inne. Unter Gründlers Federführung präsentierte sich die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen zum ersten Mal als geschlossenes Ensemble. Er katalogisierte die zuvor weitgehend unsystematisch zusammengetragene Sammlung und arrangierte sie anschließend in dem renovierten und umgebauten Saal - strikt unterschieden in Objekte natürlicher Herkunft und in vom Menschen geschaffene Dinge.
16 neu gebaute Sammlungsschränke dienten ihm dafür, die mittels Ausstattung und individueller Bemalung auf den jeweiligen Inhalt abgestimmt waren. Obwohl Gründler seine Arbeit noch nicht vollendet hatte, wurde der Vertrag 1741 aufgelöst. Der Grund liegt im Dunkel - vielleicht lag es an der prächtigen und kostenintensiven Ausgestaltung der Schränke, die dem nüchternen Ambiente der pietistischen Anstalt widersprach.
In den ersten Jahren war die Sammlung ungeordnet über das ganze Haus verteilt. Nach dem Umzug in den ehemaligen Schlafsaal der Knaben 1734 wurde der Altenburger Maler und Kupferstecher Gottfried August Gründler damit beauftragt, Ordnung ins Chaos zu bringen.
Keine leichte Aufgabe: Dem bunten Sammelsurium wohnte keinerlei Systematik inne. Unter Gründlers Federführung präsentierte sich die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen zum ersten Mal als geschlossenes Ensemble. Er katalogisierte die zuvor weitgehend unsystematisch zusammengetragene Sammlung und arrangierte sie anschließend in dem renovierten und umgebauten Saal - strikt unterschieden in Objekte natürlicher Herkunft und in vom Menschen geschaffene Dinge.
16 neu gebaute Sammlungsschränke dienten ihm dafür, die mittels Ausstattung und individueller Bemalung auf den jeweiligen Inhalt abgestimmt waren. Obwohl Gründler seine Arbeit noch nicht vollendet hatte, wurde der Vertrag 1741 aufgelöst. Der Grund liegt im Dunkel - vielleicht lag es an der prächtigen und kostenintensiven Ausgestaltung der Schränke, die dem nüchternen Ambiente der pietistischen Anstalt widersprach.



