Hoffnung für Uta?
Schätze gibt es aber auch in Gotteshäusern. So öffnete im Jahr 2006 die Schatzkammer des Doms zu Naumburg ihre Pforten.Markgraf Ekkehard II. nebst Gemahlin Uta - die bekanntesten der insgesamt zwölf Stifterfiguren des Naumburger Doms.
Die Landesausstellung Der Naumburger Meister - Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen lockte 2011 innerhalb von vier Monaten rund 195.000 Besucher in den Naumburger Dom. Und auch sonst gilt das Gotteshaus mit seinen zahlreichen Kostbarkeiten als Besuchermagnet.
Unbekannter Meister
Im Unterschied zu manch anderem Domschatz besticht der Naumburger Schatz nicht durch Gold- und Silberexponate; zu vieles ging im Dreißigjährigen Krieg verloren. Dafür blieb kunsthistorisch Wertvolleres erhalten: etwa die Naumburger Pietà-Skulptur der Maria mit dem Leichnam des gekreuzigten Christus. Der Meister, der sie im beginnenden 14. Jahrhundert schuf, ist unbekannt - wie der Schöpfer der Uta. Das ist dem Zeitgeist geschuldet: Der Künstler trat hinter das Motiv, die Persönlichkeit hinter den Zweck.
Was hat der Naumburger Dom - neben Uta und der Kreuzigungsgruppe, die zu den bedeutendsten Plastiken der Gotik zählen - sonst an Schätzen zu bieten? Eine Kostbarkeit ist allein schon die "Truhe", in der viele bislang verborgene Exponate präsentiert werden: die Domschatzkammer.
Erst 2006 wurde das romanische Gewölbe wieder für Besucher geöffnet. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Kellergänge als Luftschutzbunker, zwischendurch zog die Schulbibliothek des Dom-Gymnasiums ein. Heute erstrahlt das Gewölbe in neuem Glanz und beherbergt Grabfunde, Skulpturen, Handschriften, Urkunden und mehr.
Cranachs Altarflügel
Absoluter Höhepunkt unter den Preziosen des Domschatzgewölbes dürften die beiden doppelseitig von Lucas Cranach dem Älteren um 1518 bemalten Altarflügel sein. Sie gehörten vormals zum Hauptaltar des Westchors und zeigen unter anderem den Apostel Jakobus mit Maria Magdalena. Noch immer leuchtende Farben auf goldenem Hintergrund beweisen den guten Zustand des Exponats.
Vom Denken und von den Sitten der Entstehungszeit zeugt ein weiteres herausragendes Stück der Domschatzsammlung: die Johannesschüssel - Abbild des Tellers, auf dem einst der Kopf Johannes des Täufers lag.
Solche "Schüsseln" waren im Mittelalter weit verbreitet, Gläubige trugen sie in Prozessionen. Der Kopf auf der Naumburger Johannesschüssel entstand um 1210 aus Lindenholz und wurde im 16. Jahrhundert mit der Schale zur heutigen Johannesschüssel vereint. Er besitzt ein Geheimfach, welches bis ins 17. Jahrhundert Reliquien enthielt.
Utas Konkurrenz?
Wie manch andere Kostbarkeit lagerten Cranach-Flügel und Johannesschüssel jahrelang im Depot. Seit 2006 können Besucher die mehr als 30 erlesenen Kostbarkeiten im Domschatzgewölbe bestaunen. Bis dahin hatte in erster Linie Uta die Besucher angelockt. Nun machten die Domschätze der Holden Konkurrenz, was sich fast schon als Glücksfall erwiesen hätte: Zusätzliche Einnahmen sollten Uta vorm Zahn der Zeit bewahren. Daraus geworden ist bis heute nichts.
Hoffnung verspricht nun Naumburgs Bestreben, UNESCO-Weltkulturerbe zu werden. Einen Antrag will die Stadt bis spätestens 2015 einreichen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Vorhaben erfolgreich endet - Uta und Ekkehard, die per Skulptur verewigten Domstifter, hätten bestimmt nichts dagegen.
Martin Götze (aktualisiert 08.05.2012)
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Der "schnellste Maler"
Der Renaissancemaler Lucas Cranach der Ältere kam 1472 als Lucas Maler in Kronach (Oberfranken) zur Welt. Erste künstlerische Erfahrungen sammelte Cranach im Umfeld seines Vaters und später auf Wanderungen. 1505 stellte ihn Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen als Hofmaler an. In Cranachs frisch eingerichteter Werkstatt entstanden vor allem Gemälde für Kirchen und Schlösser.
1520 fand der Maler in Wittenberg eine neue Heimat. Dort lernte er Philipp Melanchthon und Martin Luther kennen. Aus der Freundschaft zum Reformator Luther machte Cranach nie ein Geheimnis - er illustrierte sogar die Lutherbibel von 1522. 1537 bis 1544 fungierte Cranach als Bürgermeister von Wittenberg, bevor er 1549 nach Weimar zog. Dort starb der Künstler am 16. Oktober 1553.
Cranach galt schon zu Lebzeiten als sehr fleißig - so sind in seiner mit Gesellen und Gehilfen betriebenen Werkstatt etwa fünftausend Gemälde entstanden, wovon bis heute rund eintausend erhalten sind. Cranachs Grabstein auf dem Weimarer Jakobsfriedhof enthält die Inschrift "der schnellste Maler".
Der Renaissancemaler Lucas Cranach der Ältere kam 1472 als Lucas Maler in Kronach (Oberfranken) zur Welt. Erste künstlerische Erfahrungen sammelte Cranach im Umfeld seines Vaters und später auf Wanderungen. 1505 stellte ihn Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen als Hofmaler an. In Cranachs frisch eingerichteter Werkstatt entstanden vor allem Gemälde für Kirchen und Schlösser.
1520 fand der Maler in Wittenberg eine neue Heimat. Dort lernte er Philipp Melanchthon und Martin Luther kennen. Aus der Freundschaft zum Reformator Luther machte Cranach nie ein Geheimnis - er illustrierte sogar die Lutherbibel von 1522. 1537 bis 1544 fungierte Cranach als Bürgermeister von Wittenberg, bevor er 1549 nach Weimar zog. Dort starb der Künstler am 16. Oktober 1553.
Cranach galt schon zu Lebzeiten als sehr fleißig - so sind in seiner mit Gesellen und Gehilfen betriebenen Werkstatt etwa fünftausend Gemälde entstanden, wovon bis heute rund eintausend erhalten sind. Cranachs Grabstein auf dem Weimarer Jakobsfriedhof enthält die Inschrift "der schnellste Maler".




