Recycling Deluxe
Hollywood geht eigene Wege, um seine Vormachtstellung in der internationalen Filmbranche aufrecht zu erhalten. In Zeiten der Kostenexplosion und Finanzkrise setzen die Filmemacher auf Altbewährtes im neuen Gewand.Auch dieses Erfurter Multiplex-Kino bewirbt ein Remake: der alte Tanzklassiker Footloose in der Neuauflage von 2011.
Hinzu kommen diverse Verfilmungen etablierter Stoffe, so zum Beispiel von Comics (X-Men) oder Fernsehserien (Sex and the City: Der Film 1 &2, Das A-Team). Ein Blick ins Kinoprogramm genügt, um den Trend zur Wiederaufbereitung abzulesen. Sind Hollywood die Ideen ausgegangen?
Neue Technik, alte Inhalte
Experimentierfreudig gehen die Filmemacher eigentlich nur mit der Technik um: Immer spektakulärere Verfahren kommen zum Einsatz. Jüngster Meilenstein war das "Performance Capture": In Filmen wie Avatar (2009) oder dem Prequel Planet der Affen: Prevolution (2011) lösen sich mit Hilfe dieses Verfahrens die Grenzen zwischen Animation und realem Schauspiel auf.
Das Drehen in 3D gehört jetzt schon zu den Hollywood-Standards für Actionfilme und verändert die Sehgewohnheiten des Publikums. Im Moment lenken diese in der Tat spannenden technischen Neuerungen noch gut von inhaltlicher Ideenarmut ab. Schon jetzt ist aber ein Problem absehbar: Früher oder später wird der Fundus der alten Erfolgsstoffe aufgebraucht sein.
Dass kaum ein Filmemacher inhaltlich noch etwas wagt, hängt mit den Produktionsmechanismen zusammen: Die teuer und aufwendig gemachten Hollywood-Filme stellen an sich schon ein Wagnis dar, nämlich ein finanzielles. Produzenten stehen unter gewaltigem Druck und müssen zu allererst - noch vor jeglicher künstlerischer Motivation - explodierende Produktions- und Werbekosten wieder einspielen.
Der Film als Großinvestition
450 Millionen US-Dollar kostete der "Mega-Blockbuster" Avatar, davon flossen 150 Millionen in die Werbung. Die Budgets von Fluch der Karibik 3, Spider Man 3, Harry Potter und der Halbblutprinz belaufen sich auf stattliche rund 300 Millionen. Die durchschnittlichen Ausgaben für Marketing und Werbung haben sich seit 1985 auf über dreißig Millionen Dollar pro Film versechsfacht. Sie machen häufig rund die Hälfte des Gesamtbudgets aus.
Dass insbesondere die Marketingkosten exorbitant in die Höhe schießen, hat mit einer festen Überzeugung der Filmemacher zu tun: Das Publikum geht in den Film, der am offensivsten beworben wird. Marketingleiter vergleichen ihre Kampagnen mit "militärischen Invasionen"; und wenn ein Film floppt, hat das für die Produktionsfirmen in erster Linie mit einer schlechten Werbestrategie zu tun.
Der Filmmarkt hat sich seit den 1980er Jahren zunehmend kommerzialisiert. In Hollywood bestimmen große Medien-Konglomerate die Filmverleih-Branche. Medienkonzerne wie die von Rupert Murdoch gegründete News Corporation, die 20th Century Fox-Filme vertreibt, sind die eigentlichen Machthaber im Filmgeschäft.
Die Macht der Großen
Ohne künstlerisches Interesse an den Filmen verkaufen die Verleiher Großproduktionen an die Kinos und werden zu mindestens dreißig Prozent an den Einnahmen der Produzenten beteiligt. Das 1942 günstig produzierte Casablanca, ein internationaler Riesenerfolg, würde es heute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mal mehr über die Grenze der USA schaffen. Kleine gewagtere Filmprojekte mit niedrigem Werbeetat sind für den Verleih nicht interessant.
Noch nicht am Publikum getestete Stoffe stellen für Produktion und Vertrieb ein zusätzliches Risiko dar. Die wirtschaftlich unsichere Zeit tut ihr Übriges; das Filmbusiness geht lieber den vermeintlich sicheren Weg des Ideenrecyclings. Insofern funktioniert Hollywood-Kino heute wie das Fernsehen, wo es neue Formatideen schwer haben; doch einmal auf dem Markt durchgesetzt, werden sie bis zur Übersättigung kopiert.
Ein neues New Hollywood?
Wie lange wird der Mix aus alten Stoffen und neuer Technik noch überzeugen können? Und wann werden sich Filmemacher wieder auf ihre Geschichten konzentrieren müssen? Wie die Zukunft der Traumfabrik aussehen wird, lässt sich schwer abschätzen.
Vielleicht wird Hollywood bald an den Punkt kommen, wo es sich neu erfinden muss, mit neuen Ideen und mehr Mut für unverbrauchte Inhalte. So wie damals, 1969, in der Geburtsstunde des New- Hollywood-Kinos, als der Fahrtwind des Easy Rider das von den ewig gleichen Kamellen gelangweilte Publikum mitriss.
Sandra Thiele (27.09.2011)
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Vom Anonymus zum Star
Im Hollywood der 1920er Jahre entstand das, was heute noch Filmwelt und Boulevardpresse prägt: der Starkult. Zu Beginn der Stummfilmzeit war das noch undenkbar: Die Filmemacher hielten die Namen ihrer Schauspieler streng geheim. Um die Gagen nicht in die Höhe zu treiben, erschienen keine Darstellernamen im Abspann.
Die erste Stummfilmschauspielerin, die aus dieser auferlegten Anonymität ausbrach und zum Star der Hollywood-Geschichte wurde, war Florence Lawrence. Das Publikum ging nun gezielt in Filme, um bestimmte Schauspieler zu sehen.
Mit "America's Sweetheart" Mary Pickford und dem kernigen Westernstar John Wayne entstand eine neue Form des Personenkults. Die USA schuf sich eine "Aristokratie" aus Filmstars, die sich ihre Rollen standesgemäß bezahlen ließ.
In dieser Zeit bildete sich ein Starsystem heraus, das Hollywood bis in die 1950er Jahre prägte: Über mehrere Jahre banden Studios Schauspieler in Verträgen an sich. Stars der "ersten Liga" wie Humphrey Bogart oder Marylin Monroe bekamen ihre Rollen direkt auf den Leib geschrieben.
Filmproduzenten drückten den Schauspielern ein Rollenfach-Image auf: die Monroe als dummes Blondchen, Bogart als zynischer Romantiker... Vielen Stars war es unmöglich, sich daraus zu befreien und ihr Potenzial zu entfalten.
Im Hollywood der 1920er Jahre entstand das, was heute noch Filmwelt und Boulevardpresse prägt: der Starkult. Zu Beginn der Stummfilmzeit war das noch undenkbar: Die Filmemacher hielten die Namen ihrer Schauspieler streng geheim. Um die Gagen nicht in die Höhe zu treiben, erschienen keine Darstellernamen im Abspann.
Die erste Stummfilmschauspielerin, die aus dieser auferlegten Anonymität ausbrach und zum Star der Hollywood-Geschichte wurde, war Florence Lawrence. Das Publikum ging nun gezielt in Filme, um bestimmte Schauspieler zu sehen.
Mit "America's Sweetheart" Mary Pickford und dem kernigen Westernstar John Wayne entstand eine neue Form des Personenkults. Die USA schuf sich eine "Aristokratie" aus Filmstars, die sich ihre Rollen standesgemäß bezahlen ließ.
In dieser Zeit bildete sich ein Starsystem heraus, das Hollywood bis in die 1950er Jahre prägte: Über mehrere Jahre banden Studios Schauspieler in Verträgen an sich. Stars der "ersten Liga" wie Humphrey Bogart oder Marylin Monroe bekamen ihre Rollen direkt auf den Leib geschrieben.
Filmproduzenten drückten den Schauspielern ein Rollenfach-Image auf: die Monroe als dummes Blondchen, Bogart als zynischer Romantiker... Vielen Stars war es unmöglich, sich daraus zu befreien und ihr Potenzial zu entfalten.
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Von John Wayne bis Johnny Depp
Das Aufkommen des Fernsehens bedeutete eine Herausforderung für Hollywood. In den 1950er Jahren fand die "Goldene Ära" langsam ihr Ende. Es war Platz für eine Gegenkultur, die in James Dean ihre Leitfigur fand und das Kino neu belebte. Anstatt schillernde Helden zu mimen, verkörperte Dean mit Leib und Seele den kämpferischen Underdog und Rebellen.
Mit den neuen Gesichtern der 1960er - Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty - zeichnete sich das Ende der Leinwandgötter mit ihrer Aura des Irrealen ab. Die neue Generation schlüpfte in lebensechte Rollen und besann sich auf die eigentliche Spielkunst. Jetzt dienten die Schauspieler dem Film und nicht umgekehrt.
In der New-Hollywood-Ära (1967 bis 1979) setzte sich eine neue Generation von Filmemachern durch, die die alten Rezepte der Hollywood-Filme auf den Kopf stellte.
Martin Scorcese (Einer flog übers Kuckucksnest, 1975) und Francis Ford Coppola (Apocalypse Now, 1979) trafen mit ihren pessimistischen Gesellschaftsbildern den Geschmack der Zeit. Stark beeinflusst vom europäischen Autorenkino, insbesondere der Nouvelle Vague, entstanden Filme mit deutlicher Anti-Establishment-Haltung.
Eigenwillige, doch hochtalentierte Schauspieler kamen zum Einsatz. Jenseits heroischer Traumwelten und Glamour brachten sie einen neuen gesellschaftlichen Realismus in ihre Darstellungen ein. Das waren Gene Hackman, Donald Sutherland, Jack Nicholson, Robert De Niro, Dustin Hoffman und Al Pacino, um nur einige zu nennen.
Ab Ende der 1970er ging der Trend mit den ersten Blockbustern Der weiße Hai und Krieg der Sterne wieder weg vom intensiven Charakterspiel. In den 1980ern bildete sich ein neues Körperbewusstsein heraus. Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone waren Fitnessgötter, deren Kapital eindeutig ihr Körper war, nicht etwa die Einfühlungskraft in komplexe Rollen.
Bis heute engagieren Filmproduzenten teure Stars. Und das, obwohl der Zusammenhang zwischen Starbesetzung und Einspielsumme umstritten ist.
Die einzuplanenden Kosten für einen Schauspieler der "A-Klasse" sind hingegen leichter abzuschätzen: 10 bis 110 Millionen Dollar - letztere Summe ist eine Schätzung Tom Hanks' Gage für den DaVinci-Code - lassen sich Filmemacher die Auftritte von Angelina Jolie, Johnny Depp und Co. kosten.
Das Aufkommen des Fernsehens bedeutete eine Herausforderung für Hollywood. In den 1950er Jahren fand die "Goldene Ära" langsam ihr Ende. Es war Platz für eine Gegenkultur, die in James Dean ihre Leitfigur fand und das Kino neu belebte. Anstatt schillernde Helden zu mimen, verkörperte Dean mit Leib und Seele den kämpferischen Underdog und Rebellen.
Mit den neuen Gesichtern der 1960er - Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty - zeichnete sich das Ende der Leinwandgötter mit ihrer Aura des Irrealen ab. Die neue Generation schlüpfte in lebensechte Rollen und besann sich auf die eigentliche Spielkunst. Jetzt dienten die Schauspieler dem Film und nicht umgekehrt.
In der New-Hollywood-Ära (1967 bis 1979) setzte sich eine neue Generation von Filmemachern durch, die die alten Rezepte der Hollywood-Filme auf den Kopf stellte.
Martin Scorcese (Einer flog übers Kuckucksnest, 1975) und Francis Ford Coppola (Apocalypse Now, 1979) trafen mit ihren pessimistischen Gesellschaftsbildern den Geschmack der Zeit. Stark beeinflusst vom europäischen Autorenkino, insbesondere der Nouvelle Vague, entstanden Filme mit deutlicher Anti-Establishment-Haltung.
Eigenwillige, doch hochtalentierte Schauspieler kamen zum Einsatz. Jenseits heroischer Traumwelten und Glamour brachten sie einen neuen gesellschaftlichen Realismus in ihre Darstellungen ein. Das waren Gene Hackman, Donald Sutherland, Jack Nicholson, Robert De Niro, Dustin Hoffman und Al Pacino, um nur einige zu nennen.
Ab Ende der 1970er ging der Trend mit den ersten Blockbustern Der weiße Hai und Krieg der Sterne wieder weg vom intensiven Charakterspiel. In den 1980ern bildete sich ein neues Körperbewusstsein heraus. Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone waren Fitnessgötter, deren Kapital eindeutig ihr Körper war, nicht etwa die Einfühlungskraft in komplexe Rollen.
Bis heute engagieren Filmproduzenten teure Stars. Und das, obwohl der Zusammenhang zwischen Starbesetzung und Einspielsumme umstritten ist.
Die einzuplanenden Kosten für einen Schauspieler der "A-Klasse" sind hingegen leichter abzuschätzen: 10 bis 110 Millionen Dollar - letztere Summe ist eine Schätzung Tom Hanks' Gage für den DaVinci-Code - lassen sich Filmemacher die Auftritte von Angelina Jolie, Johnny Depp und Co. kosten.



