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Schauspieler

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Vom Anonymus zum Star
Im Hollywood der 1920er Jahre entstand das, was heute noch Filmwelt und Boulevardpresse prägt: der Starkult. Zu Beginn der Stummfilmzeit war das noch undenkbar: Die Filmemacher  hielten  die Namen ihrer Schauspieler streng geheim. Um die Gagen nicht in die Höhe zu treiben, erschienen keine Darstellernamen im Abspann.

Die erste Stummfilmschauspielerin, die aus dieser auferlegten Anonymität ausbrach und zum Star der Hollywood-Geschichte wurde, war Florence Lawrence. Das Publikum ging nun gezielt in Filme, um bestimmte Schauspieler zu sehen.

Mit "America's Sweetheart" Mary Pickford und dem kernigen Westernstar John Wayne entstand eine neue Form des Personenkults. Die USA schuf sich eine "Aristokratie" aus Filmstars, die sich ihre Rollen standesgemäß bezahlen ließ.

In dieser Zeit bildete sich ein Starsystem heraus, das Hollywood bis in die 1950er Jahre prägte: Über mehrere Jahre banden Studios Schauspieler in Verträgen an sich. Stars der "ersten Liga" wie Humphrey Bogart oder Marylin Monroe bekamen ihre Rollen direkt auf den Leib geschrieben.

Filmproduzenten drückten den Schauspielern ein Rollenfach-Image auf: die Monroe als dummes Blondchen, Bogart als zynischer Romantiker... Vielen Stars war es unmöglich, sich daraus zu befreien und ihr Potenzial zu entfalten.

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Von John Wayne bis Johnny Depp
Das Aufkommen des Fernsehens bedeutete eine Herausforderung für Hollywood. In den 1950er Jahren fand die "Goldene Ära" langsam ihr Ende. Es war Platz für eine Gegenkultur, die in James Dean ihre Leitfigur fand und das Kino neu belebte. Anstatt schillernde Helden zu mimen, verkörperte Dean mit Leib und Seele den kämpferischen Underdog und Rebellen.

Mit den neuen Gesichtern der 1960er - Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty - zeichnete sich das Ende der Leinwandgötter mit ihrer Aura des Irrealen ab. Die neue Generation schlüpfte in lebensechte Rollen und besann sich auf die eigentliche Spielkunst. Jetzt dienten die Schauspieler dem Film und nicht umgekehrt.

In der New-Hollywood-Ära (1967 bis 1979) setzte sich eine neue Generation von Filmemachern durch, die die alten Rezepte der Hollywood-Filme auf den Kopf stellte.

Martin Scorcese (Einer flog übers Kuckucksnest, 1975) und Francis Ford Coppola (Apocalypse Now, 1979) trafen mit ihren pessimistischen Gesellschaftsbildern den Geschmack der Zeit. Stark beeinflusst vom europäischen Autorenkino, insbesondere der Nouvelle Vague, entstanden Filme mit deutlicher Anti-Establishment-Haltung.

Eigenwillige, doch hochtalentierte Schauspieler kamen zum Einsatz. Jenseits heroischer Traumwelten und Glamour brachten sie einen neuen gesellschaftlichen Realismus in ihre Darstellungen ein. Das waren Gene Hackman, Donald Sutherland, Jack Nicholson, Robert De Niro, Dustin Hoffman und Al Pacino, um nur einige zu nennen.

Ab Ende der 1970er ging der Trend mit den ersten Blockbustern Der weiße Hai und Krieg der Sterne wieder weg vom intensiven Charakterspiel. In den 1980ern bildete sich ein neues Körperbewusstsein heraus. Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone waren Fitnessgötter, deren Kapital eindeutig ihr Körper war, nicht etwa die Einfühlungskraft in komplexe Rollen.

Bis heute engagieren Filmproduzenten teure Stars. Und das, obwohl der Zusammenhang zwischen Starbesetzung und Einspielsumme umstritten ist.

Die einzuplanenden Kosten für einen Schauspieler der "A-Klasse" sind hingegen leichter abzuschätzen: 10 bis 110 Millionen Dollar - letztere Summe ist eine Schätzung Tom Hanks' Gage für den DaVinci-Code - lassen sich Filmemacher die Auftritte von Angelina Jolie, Johnny Depp und Co. kosten.