Gold aus den östlichen Provinzen: Von der Schwarzmeerküste stammt diese Kette aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.
Juwelen für alle?
An irgendeinem Punkt der Evolution war Zeit übrig, jenseits der Zwänge des Nahrungserwerbs. Und irgendein Steinzeitmensch nutzte die Zeit zum Grübeln: Was ist schön? Was ist hässlich? Können Dinge den eigenen Körper anziehender machen? Die Geburtsstunde des Schmucks ist Ursprung dessen, was wir heute ästhetisches Bewusstsein nennen: Der Zahn eines Tieres, ein Stück hartes Holz, ein ebenmäßig geschliffener Stein - all dies sind mehr als einfach bloß zweckmäßige Gegenstände. Anthropologen fanden heraus, dass Menschen schon vor hunderttausend Jahren Muschelschmuck trugen. Schmuck stand für Status, später für Reichtum und Fantasie: Ist es Zufall, dass Muscheln auch die erste Form des Geldes waren?Etwas "undemokratisch"
Eine Geschichte, die nur vom Schmuck handelt, kann es nicht geben. Ausschlaggebend sind ja die Bedingungen, unter denen der Mensch sich mit der Natur auseinandersetzt: Metallschmuck trat an die Stelle von tierischem Material. Warum? Weil mit dem Aufkommen der Bronzegewinnung eben andere Substanzen Wert bekamen. Doch das ist es nicht allein. Der wirtschaftlich bedeutsame Gebrauch von Schmuck setzt differenzierte gesellschaftliche Strukturen voraus: Soziale Oberschichten entwickeln den entsprechenden Bedarf, kreieren Trends und schreiben Wege zur Schönheit vor. Sklaven, Handwerker, Händler sind zur Befriedigung der Nachfrage da. Schmuck ist an sich eine etwas "undemokratische" Angelegenheit.
Zeichen von Dekadenz?
Dennoch gibt es immer wieder Epochen, in denen Schmuck geradezu massenhafte Verbreitung findet: Die späte römische Kaiserzeit gehört dazu. Der Berufsstand der Aurifices (Goldschmiede) produzierte für fast jeden Geldbeutel. Wie anders war das noch ein oder zwei Jahrhunderte zuvor: Damals - unter den strengen Regeln der Republik - galt Schmuck als wertlos und vergänglich, war das Tragen gar per Gesetz beschränkt. Nun aber legten selbst die Armen einfachen Metallschmuck an. Die Gier der Reichen richtete sich derweil auf exotisches Material: Bernstein aus dem Norden, Meerwasserperlen, Gold und Edelsteine aus den östlichen Provinzen. Mancher Zeitgenosse und mancher Historiker sah darin ein Zeichen von Dekadenz. Andere verweisen auf den emanzipatorischen Gesichtspunkt: Schmuck war Vermögensanlage und Teil der Mitgift, konnte somit Frauen eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit sichern...
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Der Stich durchs Ohrläppchen ist nur eine Form des Piercing, allerdings eine, die schon unsere Urgroßmütter praktizierten. Was mit dem Ohrläppchen klappt, geht natürlich auch mit dem Nasenknorpel, Lippen, Schamlippen, Brustwarzen, der Eichel des Penis und anderem mehr. Richtig in Mode ist das Piercing diverser Körperstellen - zumindest im westlichen Kulturkreis - seit Mitte der 1990er Jahre. Vorher war es weitgehend auf die Punk- und BDSM-Szene beschränkt. Vermutlich liegt sein Ausgangspunkt im Kalifornien der 1980er Jahre, verbunden mit der Bewegung der Modern Primitives. Diese am "natürlichen" Leben orientierten Gruppen ahmten von Naturvölkern stammende Verfahren der Körpermodifikation nach: Tätowierungen - und eben das Piercing. Daher sind die Techniken des Piercing einerseits traditionell verwurzelt, werden andererseits aber ständig weiter entwickelt. Medizinisch sind Piercings meist kein Problem, sofern erfahrene Piercer mit sterilen, professionellen Instrumenten am Werk sind. Leider ist das bei stetig wachsender Nachfrage nicht immer der Fall.



