Lustobjekt High Heels : lautes Klappern und Küsse auf den Schuh... (Bild: Florian Vincent)
Schuh-Erotik
Alles begann ganz harmlos: An den Seiten aufgebogene und von Riemchen gehaltene Lederstücke trug wohl schon der Mensch der Eiszeit unter seinen Füßen. Früheste Funde datieren aus dem achten Jahrtausend v. Chr.; die einfachen und funktionalen Exemplare gehörten den Ureinwohnern Nordamerikas. Derart schlichte Anfänge könnten zu einem Trugschluss verleiten: Schuhe seien bloß nützliches Utensil, dazu gefertigt, die Füße der Menschen vor Stein und Dorn, vor Kälte und Schlamm zu bewahren.Symbol für Rang und Stand
Doch weit gefehlt! Schuhe haben ganz andere Zwecke. Symbole sind sie für Rang und Stand, das mag banal klingen weil: Welche Mode ist das denn nicht? Auf der berühmten Schminkpalette des Pharao Narmer, um 3000 v. Chr., trägt ein Sklave dem Herrscher die Sandalen hinterher, als Zeichen der Macht.
Feuerwerk sexueller Erregung
Wichtigeres aber kommt hinzu: Der Schuh ist, wie der Fuß den er umkleidet, erotisches Symbol von hoher Brisanz. Immerhin sind wir Menschen die einzige Spezies mit aufrechtem Gang, was für Sinne, Kopulationsverhalten (und Intellekt) tendenziell höchst folgenreich sein musste. Im Fuß steckt quasi ein Spiegelbild jener Nervenzellen, die im Gehirn für das Feuerwerk sexueller Erregung sorgen. Auf den Fuß Bezogenes liegt bildlich fast immer dicht an Körperstellen, welche zu enthüllen schwieriger wäre. Solcherart Stellvertreter-Funktion provozierte über Jahrtausende beträchtliche Phantasien.
Lautes Klacken
Die Schuhmode, wir ahnen es, ist genau davon diktiert. Durch lautes Klacken - mittels entsprechender Sohlen - Aufmerksamkeit auf den Fuß und also auf Höheres zu lenken, jene Methode war bereits den Frauen der Antike bekannt. Kein Wunder, schnell wurde der Schuh lasziver Damen männlicherseits begehrt. Alte Autoren berichten vom Senator Lucius Vitellus, der, einen Schuh seiner Geliebten unter der Toga, selbigen hingebungsvoll zu küssen pflegte.
Der erste Schuh-Fetischist
Ohne Zweifel, wir haben hier den allerersten dokumentierten Schuh-Fetischisten! Ovid brachte das in seiner Liebeskunst (der ars amandi) in salonfähig-literarische Form; die Römerinnen legten sich fortan immer knappere, nett anzuschauende Fußbekleidung zu. Wo hätte dies nur hingeführt, wenn nicht das Mittelalter gekommen wäre?
Je länger, desto eleganter: Teufelskrallen sah die Kirche einstmals in den Spitzen der Poulaines. (Bild: Museum of Londons Shoes and Pattens)
Weil die Umkehrung einer Tendenz durchaus ähnliche Absichten ausdrücken kann, beobachten wir nun ein merkwürdiges Phänomen: Die Schuhe wuchsen, zuerst in die Länge, später in die Breite, schließlich in die Höhe. Gewiss, wir sprechen dabei vor allem von Herrenschuhen. Aber der Reihe nach: Ende des 11. Jahrhunderts wurde ein Schuhtyp beliebt, für den sich der Name Poulaines eingebürgert hat. Dessen extrem lange Spitzen galten über dreihundert Jahre als Zeichen hohen Stands: Um die zwanzig Zentimeter waren etwa für reiche Landbesitzer akzeptabel.
Suggestives Wippen
Vulgäre junge Männer nahmen das Symbol rüde beim Wort, tönten ihre Spitzen fleischfarben und stopften das Ganze mit Wolle aus. Man stelle sich vor: Rotten solcher Poulaines-Träger stehen an den Straßenecken herum - und reagieren auf passierende Damen mit suggestivem Wippen, was dank sinnvoll angebrachter Schnüre möglich ist. Winzige Glöckchen stützen die Szene akustisch - "finsteres Mittelalter" eben...
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Autofahren sollte man mit ihnen niemals. Einkaufen gehen empfiehlt sich mit Zwölf-Zentimeter-Absätzen ebenso wenig. Risse, Spalten, Gitterroste (!) und sandige Wege können zur Falle werden. Rolltreppen sind mittlerweile unbedenklich, weil die Konstrukteure sich auf die Damenmode eingestellt haben. Schiefe Ebenen bereiten nur dann Probleme, sobald sie von oben nach unten begangen werden sollen. Dennoch: "High Heels gehören nicht in die Berge", rät etwa ein Experte im Internet. Er gibt High-Heels- Trägerinnen nützliche Tipps wie: "Falls Sie ein Gitterrost überqueren müssen, dann lehnen Sie sich zurück, beugen Sie die Knie, erheben sich auf die Zehenspitzen..." Spannend, auch für Männer!



