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Treff mit O.F.
Seine spitze Zunge hatte ihn berühmt gemacht - und die Karriere gekostet: O.F.Weidling war einer der großen Conférenciers der DDR. Sein Talent entdeckte der 1924 im thüringischen Piesau geborene Wortkünstler während der sechsjährigen sowjetischen Kriegsgefangenschaft. Ab 1955 trat Weidling auf zahlreichen ostdeutschen Bühnen, in Varietes und immer öfter auch im Rundfunk auf. Er moderierte den Kessel Buntes und etablierte mit seiner Sendung Treff mit O.F. das Format der Talkshow im DDR-Fernsehen.

"Ein Schauspieler muss gut lügen können, ein Conférencier muss gut die Wahrheit sagen können." Auf dieser Devise Weidlings gründete sich die große Popularität des redegewandten Witzereißers. Legendär sind die unvollendeten Sätze, bei denen drei Pünktchen des Weiterdenkens förmlich in der Luft schwebten. Der Nationalpreisträger und Vorsitzende der Sektion Wortkunst im Komitee für Unterhaltungskunst durfte sich einiges erlauben, schlug mit seinen bissigen Kommentaren zu den Hürden des DDR-Alltags oft auch mal über die Stränge. Am Ende sollte Weidlings Selbstbewusstsein ihm jedoch zum Verhängnis werden.

Zur Eröffnung des neuen Friedrichstadtpalastes am 27. April 1984 ließ sich Moderator Weidling ironisch vor versammelter DDR-Politprominenz über Ausreisewelle, Versorgungsengpässe und Milliardenkredite des Klassenfeindes aus. Die Mächtigen waren "not amused" - als die Gala zwei Tage später im Fernsehen wiederholt wurde, fehlten sämtliche Szenen mit O.F.Weidling. Ein offizielles Auftrittsverbot gab es zwar nie, dennoch war er fortan Persona non grata; aus dem DDR-Fernsehen wurde Weidling verbannt, seine Tourneen wurden gestrichen. Der damals gesundheitlich bereits schwer angeschlagene starb kein Jahr nach dem "Skandal" am 6. Januar 1985 in Dresden.