Helga Hahnemann moderiert am 23.09.89 die 100. Sendung von Ein Kessel Buntes. (Bild: Klaus Franke, Bundesarchiv. Lizenz: Creative Commons)
Publikumslieblinge
Sie waren die Stars der DDR-Fernsehunterhaltung. Ihre legendären Auftritte blieben Millionen Deutschen in Erinnerung. Wir schauen auf drei außergewöhnliche Karrieren zurück:Großes Herz und große Klappe
Wer an Ein Kessel Buntes denkt, dem kommt sofort Helga Hahnemann in den Sinn. Fünfmal führte "Henne" durch die beliebteste Samstagabend-Show der DDR - und konnte dabei ihre vielen Talente voll zur Geltung bringen. Die gelernte Schauspielerin, die sich ihre ersten Sporen als Kabarettistin bei der Leipziger Pfeffermühle verdiente, moderierte nicht nur mit ihrem legendär gewordenen trockenen Humor und frecher Berliner Schnauze - "Big Helga" tanzte und steppte, dressierte auch mal Kühe und sang selbst internationale Stars an die Wand.
Die Entertainerin hatte eine starke Bühnenpräsenz - im wahrsten Sinne des Wortes: Fern vom Idealmaß eines grazilen Showstars à la Caterina Valente benötigte die Hahnemann dennoch keine Traumfigur, um die Herzen des Publikums für sich zu gewinnen. Vor allem ihr komödiantisches Talent, welches sie in zahlreichen Sketchen und Fernsehschwänken unter Beweis stellen konnte, war es, das zum unvergänglichen Ruhm der sympathischen Ulknudel beitrug.
Sich ihrer wichtigen Rolle als Garant für gute Laune bewusst, hielt Helga Hahnemann ihre schwere Lungenkrebserkrankung geheim, der sie am 20. November 1991 im Alter von gerade mal 54 Jahren erlag. Nach ihrem Tod wurde der beliebtesten Künstlerin der DDR ein großer Fernsehpreis gewidmet: Seit 1995 erhalten jedes Jahr Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Sport und Medien die Goldene Henne.
Heinz, der Quermann
Zwischen Frühstück und Gänsebraten war ein Muss. Von 1957 bis 1991 gehörte die vierstündige Fernsehsendung für tausende Familien wie ein Ritual zum ersten Weihnachtsfeiertag. In - wie man heute weiß - gespielter Eintracht präsentierten Margot Ebert und Heinz Quermann ein Potpourri aus Musik und Humor. Das pummelige "Quermännchen", wie der Fernsehunterhalter von seinen Fans liebevoll genannt wurde, war schon zu Lebzeiten eine Legende - und eine der einflussreichsten Persönlichkeiten vor und hinter der Kamera.
Heinz Quermann bei einem Auftritt zum 60. Jubiläum der Leipziger Volkszeitung am 26.09.1954. (Bild: Roger und Renate Rössing, Deutsche Fotothek. Lizenz: Creative Commons)
Ein "Hansdampf in allen Gassen", gönnte sich Quermann während seiner langen Karriere keine Atempause: Der gelernte Bäcker gestaltete rund 2.500 Sendungen und absolvierte etwa 7.500 Auftritte auf den großen wie den kleinen Bühnen des Landes, präsentierte Revuen im Friedrichstadtpalast genauso charmant wie Programme in den Kulturhäusern der Provinz. 2000 erhielt er die Goldene Henne für sein Lebenswerk. Drei Jahre später, am 14. Oktober 2003, starb Heinz Quermann in Berlin.
Ulrike Wolf (04.01.2010)
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Treff mit O.F.
Seine spitze Zunge hatte ihn berühmt gemacht - und die Karriere gekostet: O.F.Weidling war einer der großen Conférenciers der DDR. Sein Talent entdeckte der 1924 im thüringischen Piesau geborene Wortkünstler während der sechsjährigen sowjetischen Kriegsgefangenschaft. Ab 1955 trat Weidling auf zahlreichen ostdeutschen Bühnen, in Varietes und immer öfter auch im Rundfunk auf. Er moderierte den Kessel Buntes und etablierte mit seiner Sendung Treff mit O.F. das Format der Talkshow im DDR-Fernsehen.
"Ein Schauspieler muss gut lügen können, ein Conférencier muss gut die Wahrheit sagen können." Auf dieser Devise Weidlings gründete sich die große Popularität des redegewandten Witzereißers. Legendär sind die unvollendeten Sätze, bei denen drei Pünktchen des Weiterdenkens förmlich in der Luft schwebten. Der Nationalpreisträger und Vorsitzende der Sektion Wortkunst im Komitee für Unterhaltungskunst durfte sich einiges erlauben, schlug mit seinen bissigen Kommentaren zu den Hürden des DDR-Alltags oft auch mal über die Stränge. Am Ende sollte Weidlings Selbstbewusstsein ihm jedoch zum Verhängnis werden.
Zur Eröffnung des neuen Friedrichstadtpalastes am 27. April 1984 ließ sich Moderator Weidling ironisch vor versammelter DDR-Politprominenz über Ausreisewelle, Versorgungsengpässe und Milliardenkredite des Klassenfeindes aus. Die Mächtigen waren "not amused" - als die Gala zwei Tage später im Fernsehen wiederholt wurde, fehlten sämtliche Szenen mit O.F.Weidling. Ein offizielles Auftrittsverbot gab es zwar nie, dennoch war er fortan Persona non grata; aus dem DDR-Fernsehen wurde Weidling verbannt, seine Tourneen wurden gestrichen. Der damals gesundheitlich bereits schwer angeschlagene starb kein Jahr nach dem "Skandal" am 6. Januar 1985 in Dresden.
"Ein Schauspieler muss gut lügen können, ein Conférencier muss gut die Wahrheit sagen können." Auf dieser Devise Weidlings gründete sich die große Popularität des redegewandten Witzereißers. Legendär sind die unvollendeten Sätze, bei denen drei Pünktchen des Weiterdenkens förmlich in der Luft schwebten. Der Nationalpreisträger und Vorsitzende der Sektion Wortkunst im Komitee für Unterhaltungskunst durfte sich einiges erlauben, schlug mit seinen bissigen Kommentaren zu den Hürden des DDR-Alltags oft auch mal über die Stränge. Am Ende sollte Weidlings Selbstbewusstsein ihm jedoch zum Verhängnis werden.
Zur Eröffnung des neuen Friedrichstadtpalastes am 27. April 1984 ließ sich Moderator Weidling ironisch vor versammelter DDR-Politprominenz über Ausreisewelle, Versorgungsengpässe und Milliardenkredite des Klassenfeindes aus. Die Mächtigen waren "not amused" - als die Gala zwei Tage später im Fernsehen wiederholt wurde, fehlten sämtliche Szenen mit O.F.Weidling. Ein offizielles Auftrittsverbot gab es zwar nie, dennoch war er fortan Persona non grata; aus dem DDR-Fernsehen wurde Weidling verbannt, seine Tourneen wurden gestrichen. Der damals gesundheitlich bereits schwer angeschlagene starb kein Jahr nach dem "Skandal" am 6. Januar 1985 in Dresden.



