Von wem lernt ein Stuntman, was er alles können muss? Von dem Stuntman, der es kann. (Bild: Stuntshow Bavaria Filmstadt)
Profession: Action
Dies ist die Geschichte eines der sympathischsten Draufgänger Amerikas. Jeder hat ihn schon mal in irgendeinem Film gesehen, aber niemand kennt sein Gesicht. Aber hat er Ruhm, Geld und Mädchen wie ein großer Star? Nein! Er ist ja auch nur der Stuntman!Mit Wehleid in der Stimme spricht Darsteller Lee Majors den Text; der Titel The unknown stuntman läuft im Hintergrund; spektakuläre Stunts jagen einander. Gut hundert Mal eröffnet dieser Trailer eine neue Folge der beliebten US-Fernsehserie aus den 1980er Jahren: The Fall Guy, deutsch: Ein Colt für alle Fälle.
Wahre Helden
Im wichtigsten Punkt hat Colt Seavers, die Hauptfigur, natürlich Recht: Wahrer Held aller Actionfilme ist der unbekannte Stuntman, immer! Doch Draufgänger? Nein, meinen Experten, Draufgänger sollten tatsächliche Profis nun wirklich als Allerletztes sein. Das jedoch gehört schon zum realen Leben, nicht zum Film. Wir wechseln deshalb die Szene und gehen nach Deutschland, an einen Ort, wo richtige Stuntmen ihr Handwerk erlernen.
Planen mit Spielzeugautos
Zu 95 Prozent bestehe der Job aus harter Arbeit und nur zu 5 Prozent aus Stunt, weiß Herrman Joha, Geschäftsführer der Kölner Produktionsfirma action concept - selbst ein Stuntman. Gerechnet wird in Aufträgen, und an die gehen echte Profis eher behutsam heran: Ganz am Anfang steht normalerweise das Ausarbeiten eines Storyboards. Häufig beginnt zum Beispiel ein präzise durchplanter Autostunt mit einer Handvoll Spielzeugautos. Der Stuntman bereitet sorgfältig den Ablauf vor, kümmert sich ums Beschaffen und Präparieren der Technik. Improvisation gehört dazu - ob beim Bau einer Fernsteuerung oder beim Verschweißen von Blechen. Und wen wundert's? Viele Stuntmen haben zuvor als Dachdecker oder Kfz-Mechaniker ihre Brötchen verdient.
Ausbildung bei der Stuntcrew Babelsberg: der Stunt-Nachwuchs lernt das Handwerk von den Profis.
Wie aber lernt man von Brücken zu springen, durch Glasscheiben zu stürzen, oder sich von einem Auto überfahren zu lassen - möglichst ohne Kratzer? Der erfahrene Stuntman Hakan Haslaman, Autor des Buches Stunts - Anleitung für wahre Filmhelden, empfiehlt Einsteigern das Praktikum bei einem Profi: "Es ist üblich, dass Stunttechnik und Stuntfertigkeit an andere weitergegeben wird." Spezielle Schulen in Deutschland bilden darüber hinaus Stunt-Nachwuchs aus - allerdings ohne staatliches Zertifikat. Daneben bieten zahlreiche Workshops und Seminare Trainings und Übungen an. Sie alle vermitteln neben viel Praxis in jedem Fall dies: Kein Stuntman ist überlebensfähig ohne Organisationstalent, Teamfähigkeit und Flexibilität....
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Infobox
Fünf Dollar bezahlte der Regisseur des Films Der Graf von Monte Christo im Jahre 1908 für den ersten Stuntman der Kinogeschichte. Der geschickte Akrobat musste in einer spektakulären Szene kopfüber von einer Klippe ins Meer springen. Stunt bedeutet so viel wie Trick - und stammt aus dem Zirkusmilieu. Einige der frühen Actiondarsteller kommen auch von dort, wie der einstige Artist Buster Keaton. Er realisierte sogar mit seinen Stummfilmkollegen Harold Lloyd und Charlie Chaplin viele seiner Stunts selbst. Später entdeckten Produzenten von Western in dem Rodeostar Yakima Canutt ihren Mann fürs Grobe. Ab den 1930er Jahren war er die Schlüsselfigur für die Stuntman-Ausbildung - unter den Lehrlingen war übrigens auch John Wayne. Canutt setzte mit seiner Stunttechnik wichtige Standards für die Profis von heute.



