Göttliche Räusche
Die heutige Weinkultur steht für Genuss und Entspannung. Nicht damit zu vergleichen waren die Sitten der Antike. Griechen und Römern galt Wein als heiliger Trank - im Vollrausch fühlten sie sich eins mit den Göttern."Nimm den Krug und fülle ihn mit Wein! Alles Trauern, Leid und Klage, wie wir Menschen täglich haben,... will ich in den süßen Saft... vergraben", schreibt Horaz in einer seiner Oden, dem Carpe diem. Ein irdisches Sein ohne Wein ist für den römischen Dichter unvorstellbar, der den Rebsaft zum Lebenselixier, zum Symbol wahren Genusses erhebt.
Trinken als Religion
Wie viele seiner Zeitgenossen in der griechisch-römischen Antike war Horaz dem Wein weniger wegen seines Buketts verfallen, sondern wegen seiner Wirkung. Auch damals schon stimulierte Wein das Liebesleben, tröstete bei Kummer und Sorgen und linderte Schmerzen. Im Rausch wähnte man sich im Paradies - Vorgeschmack auf die ewige Seligkeit. Wein war daher mehr als nur ein Getränk. Wein war von sakraler Bedeutung, Trinken Teil einer Religion.
Verantwortlich für die mystische Entrückung war Dionysius, Gott des Weines. Kein anderer Bewohner des Olymps wurde so oft abgebildet wie er: mit Efeukranz, Trinkhorn und begleitet von einer trunkenen Schar tierhaft lüsterner Satyrn und rasender Weiber, den Mänaden. Ekstase bis zur Besessenheit kennzeichnete sein Gefolge, nahmen seine verzückten Anhänger doch durch maßlosen Weinkonsum, so der Glaube, die Götter in sich auf.
Hippies der Antike?
Im dionysischen Rausch erlebte der Erdenmensch den Kontakt zu den höchsten Wesen. Die Mythologie als Vorbild, huldigten vor allem weibliche "Fans", verkleidet als Mänaden, in den Wäldern ihrem Idol. Dabei sollen sie nicht nur wilde Tiere gerissen, sondern auch "freier Liebe" gefrönt und sich mit orgiastischen Tänzen in einen ekstatischen Seelenzustand versetzt haben. Waren die Mänaden die Hippies der Antike, Wein ihre Droge?
Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert erreichten die uralten Kulte schließlich das Römische Reich. Orgien und Ritualmorde, die es bei den Bacchanalien - abgeleitet von Bacchus, dem römischen Äquivalent von Dionysius - angeblich gab, schürten die Gerüchteküche: Entwickelte sich unter dem Deckmantel der Mysterien etwa eine Verschwörung gegen den Staat? 186 v. Chr. schlug der römische Senat endlich zu: Über siebentausend Menschen sollen angeklagt und zum Teil hingerichtet worden sein, die Bacchanalien wurden als sitten- und staatsgefährdend verboten.
Rausch und Politik
Modernen Forschern ist das Mänadenwesen oft nichts anderes als eine Massenhysterie, ausgelöst durch mit halluzinogenen Substanzen versetzten Wein. Das Dionysische wurde zum Inbegriff des Rauschhaften. Gesellschaftlich keineswegs verpönt, machte der Rausch auch vor der Politik nicht Halt. Alexander der Große und Kaiser Tiberius, letzterer im Volksmund Biberius Caldius Mero - "Säufer puren Glühweins" - genannt, gelten ebenso als prominente Trinker wie Marc Anton, der sich selbst gern als lebensfreudigen Dionysius empfand.
Aphrodisiakum, Arznei und Droge - der Saft der Trauben galt schon bei den Griechen und Römern als ein Allheilmittel.
Eins mit den Göttern
Auch wenn Griechen und Römer mitunter bis zur Besinnungslosigkeit soffen, notorische Trinker waren sie nicht. Meist wussten sie durchaus maßvoll mit dem Rebsaft umzugehen, indem sie ihn mit Wasser mischten, während unverdünnter Wein Barbaren vorbehalten blieb. Gegen einen gelegentlichen Rausch freilich war nichts einzuwenden, vermittelte er doch das trügerische Gefühl, wenigstens für eine kurze Weile eins mit den Göttern zu sein. Die Strafe, den Kater, verbüßt der Erdenwurm schließlich noch früh genug.
Yvonne Schmidt (aktualisiert 09.09.2011)
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Wein als Medizin
Dass Wein gesund ist, wussten schon die Griechen und Römer. Ob als Potenzmittel oder Antidepressivum - bei fast jedem Leiden galt Wein als wirksamste Medizin. Und noch heute schwören viele Weintrinker auf die Heilkräfte des Rebsaftes.
So soll der gute Tropfen nicht nur vor Herzinfarkt schützen und das Krebsrisiko senken; er soll auch die Zeichen der Hautalterung deutlich vermindern und dem altersbedingten Abbau der Hirnfunktion, also Demenz und Alzheimer, vorbeugen. Der Wein, ein Jungbrunnen? Tatsächlich aber streiten sich Forscher über die Wirkung von Wein als Medizin: Gesundheit durch Weinkonsum sei psychisch bedingt.
Dass Wein gesund ist, wussten schon die Griechen und Römer. Ob als Potenzmittel oder Antidepressivum - bei fast jedem Leiden galt Wein als wirksamste Medizin. Und noch heute schwören viele Weintrinker auf die Heilkräfte des Rebsaftes.
So soll der gute Tropfen nicht nur vor Herzinfarkt schützen und das Krebsrisiko senken; er soll auch die Zeichen der Hautalterung deutlich vermindern und dem altersbedingten Abbau der Hirnfunktion, also Demenz und Alzheimer, vorbeugen. Der Wein, ein Jungbrunnen? Tatsächlich aber streiten sich Forscher über die Wirkung von Wein als Medizin: Gesundheit durch Weinkonsum sei psychisch bedingt.
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Wo der Wein herkommt
Das antike Persien gilt als Ursprungsland des Weines: Besonders der Wein aus der Stadt Schiraz nahe der damaligen Residenzstadt Persepolis war beliebt und als bester Wein im Mittleren Osten bekannt. Eine Sage aus der Zeit des persischen Königs Dschamschid (lebte etwa 2.500 v.Chr.) beschreibt die Entstehung.
Der Erzählung nach lagerte ein König Trauben im Keller. Als die Früchte nach einiger Zeit gärten, ging der König davon aus, die Trauben seien von bösen Geistern besessen und vergiftet. Zum Glück gab es da die migränegeplagte Königin, die mittels des angeblich todbringenden Getränks ihrem Elend entkommen wollte.
Jedoch, der Trank "versagte"; allerdings zeigte er eine ganz unerwartete Wirkung: Das Getränk befreite die Königin nicht nur von ihren Kopfschmerzen, es versetzte sie sogar in eine ausgelassene, fröhliche Stimmung - und schmeckte zudem gut. Todessehnsucht jedenfalls verspürte die Königin nun nicht mehr.
Das ist - zumindest der Sage nach - der Beginn der Weinkultur. Auch der griechische Historiker Herodot (480 bis 424 v. Chr.) berichtet, dass die Perser den Alkoholrausch bewusst einsetzten, um wichtige Entscheidungen zu fällen - die mussten aber nüchtern noch einmal bestätigt werden.
Auch nach der moslemischen Machtübernahme im Jahre 641 n. Chr. und dem damit einhergegangenen Weinverbot wurde in Persien Wein hergestellt und getrunken. Erst mit dem Sturz des Schahs Mohammad Reza Pahlavi und der Entstehung des Ayatollah-Regimes 1979 kam die Weinherstellung fast völlig zum Erliegen.
Nur noch ein Prozent der rund 220.000 Hektar Rebfläche in Iran werden heute für die Weinerzeugung genutzt: Meist werden die Trauben in Nachbarländer transportiert, dort zu Wein verarbeit und schließlich über die Grenze wieder ins Land geschmuggelt. Legal darf die Rebfläche nur für die Herstellung von Trauben für den Export und für Rosinen und Tafeltrauben genutzt werden.
Das antike Persien gilt als Ursprungsland des Weines: Besonders der Wein aus der Stadt Schiraz nahe der damaligen Residenzstadt Persepolis war beliebt und als bester Wein im Mittleren Osten bekannt. Eine Sage aus der Zeit des persischen Königs Dschamschid (lebte etwa 2.500 v.Chr.) beschreibt die Entstehung.
Der Erzählung nach lagerte ein König Trauben im Keller. Als die Früchte nach einiger Zeit gärten, ging der König davon aus, die Trauben seien von bösen Geistern besessen und vergiftet. Zum Glück gab es da die migränegeplagte Königin, die mittels des angeblich todbringenden Getränks ihrem Elend entkommen wollte.
Jedoch, der Trank "versagte"; allerdings zeigte er eine ganz unerwartete Wirkung: Das Getränk befreite die Königin nicht nur von ihren Kopfschmerzen, es versetzte sie sogar in eine ausgelassene, fröhliche Stimmung - und schmeckte zudem gut. Todessehnsucht jedenfalls verspürte die Königin nun nicht mehr.
Das ist - zumindest der Sage nach - der Beginn der Weinkultur. Auch der griechische Historiker Herodot (480 bis 424 v. Chr.) berichtet, dass die Perser den Alkoholrausch bewusst einsetzten, um wichtige Entscheidungen zu fällen - die mussten aber nüchtern noch einmal bestätigt werden.
Auch nach der moslemischen Machtübernahme im Jahre 641 n. Chr. und dem damit einhergegangenen Weinverbot wurde in Persien Wein hergestellt und getrunken. Erst mit dem Sturz des Schahs Mohammad Reza Pahlavi und der Entstehung des Ayatollah-Regimes 1979 kam die Weinherstellung fast völlig zum Erliegen.
Nur noch ein Prozent der rund 220.000 Hektar Rebfläche in Iran werden heute für die Weinerzeugung genutzt: Meist werden die Trauben in Nachbarländer transportiert, dort zu Wein verarbeit und schließlich über die Grenze wieder ins Land geschmuggelt. Legal darf die Rebfläche nur für die Herstellung von Trauben für den Export und für Rosinen und Tafeltrauben genutzt werden.



