Zweifach destilliert
In vier Schritten - Mälzen, Brauen, Brennen und Reifen - entsteht das "Wasser des Lebens", so die Bedeutung des aus dem Gälischen uisce beatha abgeleiteten Wortes Whisky.Die Iren brachten zwar nicht ihren Whisky, pardon: Whiskey, mit nach Amerika, aber wenigstens den Namen. Daher hat nun der amerikanische Bourbon ebenso das "e" vor dem "y" wie der Irish Whiskey, obwohl beide sonst nicht allzu viel gemeinsam haben. Alles übrige - ob schottisch oder kanadisch - ist immer Whisky.
Ursprünglich, behaupten die Iren, sei die Schreibweise Whiskey. Und wirklich stammt das Getränk wohl aus Irland: Sir Robert Savage, eigentlich ein Schotte, dem die Bushmill-Ländereien an der Nordspitze der irischen Insel gehörten, stattete 1267 seine Truppen damit aus.
Elisabeth I. von England trank den Hochprozentigen ähnlich gern wie Zar Peter der Große. Letztgenannten - bekannt als ausgesprochener Wirkungstrinker - führte die ferne Herkunft des bernsteinfarbenen Wässerchens zu einem interessanten Missverständnis: "Von allen Weinen(sic!) schmeckt mir der aus Irland am besten." Nun ja.
Bier ohne Hopfen
Tatsächlich hat Whisk(e)y, anders als Cognac oder Weinbrand, mit Wein rein gar nichts zu tun: Whisk(e)y ist, vereinfacht gesagt, destilliertes - und zwar ungehopftes - Bier! Whisk(e)y-Brenner wie Bierbrauer bereiten zunächst Malz aus Gerste, lösen es in Wasser auf, und lassen die gewonnene Maische vergären.
Dann aber trennen sich die Wege: Der Bierbrauer fügt dieser "Würze" Hopfen zu, der Whisk(e)y-Brenner destilliert sie zweimal. Doch im Grunde beginnen die Unterschiede schon vorher, nämlich beim Mälzen der Gerste.
Scottish Malt war für den Briten Genuss und Mysterium: Winston Churchill (1874 bis 1965).
Gestoppt wird die Keimung - dies das zweite Geheimnis - mittels Trocknung der Gerste über Holz- oder Kohlefeuern. Damit alles gründlich trocknet, gelangt dann für rund zwei Tage eine Art riesiger Fön zum Einsatz.
Würze trifft Hefe
So präpariert, lässt sich das trockene Malz leicht zu Malzschrot zermahlen. Das wird schließlich in großen Bottichen wieder mit kochendem Quellwasser versetzt. Durch feine Schlitze am Boden der Bottiche läuft die Würze heraus. Mit der geht es nun weiter: Abgekühlt auf 70 Grad Celsius und in Gärbehälter geleitet trifft die Würze auf eine erhebliche Menge Hefe.
Noch einmal zwei Tage vergehen, bis schließlich die vergorene Würze das erste Mal destilliert wird. Hier steigt die Spannung enorm: Geistige Dämpfe steigen auf! In der ersten Brennblase (wash still) vollzieht sich der Zerfall in Alkohol und Wasser. Schlichtes Kochen bewirkt das Wunder.
Charles Bukowski (1920 bis 1994) verfiel dem Whisky und schrieb geniale Bücher.
Jahrelange Reife
Der erste Teil der Flüssigkeit (foreshot), ein Vorlauf mit Wasser, ist noch trüb, da das Destillat vorerst unsauber ist. Sobald beim Mischen mit Wasser das Destillat klar bleibt, wird es in den spirit receiver geleitet. Manche Brennereien destillieren sogar noch einmal, um einen leichteren Whisk(e)y zu erhalten.
Bevor dem Gebräu der ehrenvolle Titel Whisk(e)y jedoch überhaupt zusteht, muss es mindestens drei Jahre in Fässern reifen. Richtiger Malt Whisky reift bis zu dreißig Jahren. Rückstände von Port oder Sherry aus solchen Eichenfässern geben dem Getränk jene Farbe und vor allem jenen Geschmack, den wir an ihm mögen. Dieses letzte Geheimnis des Whisk(e)y hüten die Brennmeister wie ihren Augapfel.
Wozu nun die ganze Mühe? Wie kaum an einer anderen Form von Alkohol - vielleicht mit Ausnahme von Absinth - haftet der Ruf am Whisk(e)y, das Getränk der Genies zu sein. Abgesehen von berühmten Politikern sind es nämlich die Kreativen dieser Welt, die dem bräunlichen Geisteswasser mit Vorliebe (und nicht immer in Maßen) zuneigen.
Für den Dichter James Joyce (1882-1941) war es wie Musik, wenn der Whiskey ins Glas floss.
"Die leichte Musik des in die Gläser fallenden Whiskeys bildete ein angenehmes Zwischenspiel", schwärmt James Joyce in seinem Roman Dubliner; eine eher tragische Darstellung des Trinkgenusses kennen wir von Charles Bukowski: "Im Umfallen versuchte ich instinktiv, die Whiskyflasche zu schützen. Ich versuchte, mich auf den Rücken fallen zulassen und sowohl Flasche als auch Kopf oben zu behalten. Die Flasche blieb heil, aber mein Kopf knallte voll aufs Pflaster."
"Potente Gehirne stärken sich nicht durch Milch sondern durch Alkaloide", zitiert man gelegentlich den Dichter Gottfried Benn. Der, im Hauptberuf Arzt, meinte den Ausspruch eher sarkastisch. Selbst Churchill kompensierte seinen Viertelliter Malt am Abend mit intensiver Bewegung an frischer Luft. So bleibt es wohl dabei: Alkohol - sogar Whisk(e)y - ist häufig ungesund!
Michael Schmittbetz (20.05.2003)
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Whiskyland Deutschland?
43 Millionen Flaschen Whisky oder Whiskey werden in Deutschland jedes Jahr verkauft. American Whiskey und Scotch Blends, also nicht gerade die nobelsten Sorten, sind die Kassenschlager. Immerhin ist der deutlich teurere Scotch Malt auf dem deutschen Markt am drittstärksten vertreten, obwohl er nur mit 2,7 Millionen Buddeln zu Buche schlägt.
Marktführer bei deutschem Whisky ist die Sorte Racke Rauchzart (20 Prozent). Leider verbietet das Lebensmittelgesetz aus dem Jahr 1958 das Behandeln mit Torf- oder Kohlenrauch. So gilt es, schottischen Malt einzukaufen und mit schlichtem Kornbranntwein zu verschneiden. Mitunter schmeckt's ja trotzdem...
Marktführer bei deutschem Whisky ist die Sorte Racke Rauchzart (20 Prozent). Leider verbietet das Lebensmittelgesetz aus dem Jahr 1958 das Behandeln mit Torf- oder Kohlenrauch. So gilt es, schottischen Malt einzukaufen und mit schlichtem Kornbranntwein zu verschneiden. Mitunter schmeckt's ja trotzdem...
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Von Single Malt bis Rye
Man unterscheidet folgende Sorten des Whisk(e)y: Malt Whisky gilt als der Urscotch und ist bei Kennern sehr beliebt. Pure Malt ist ein Verschnitt aus mehreren Gersten, Single Malt ist hingegen nicht verschnitten.
Schottischen Whisky erkennt man generell am typischen Rauch-Geschmack. Neben dem Malt gibt es in Schottland noch den Grain Whisky, für den die Hersteller unter anderem Mais verwenden.
Basis des Irish Whiskey sind Gerste, Weizen, Roggen oder Hafer. Im Fass erhält das Getränk seinen speziellen Geschmack. Bourbon ist die bekannteste amerikanische Variante und besteht zu 51 oder mehr Prozent aus Mais. Andere Sorten aus den USA sind der Rye Whiskey (aus Roggen) und der Tennessee Whiskey, der vor der Destillation durch Holzkohle sickert.
Kanadische Whiskys stellt man überwiegend aus Mais her. Sie schmecken im Vergleich zu ihren US-Pendants leichter und sind heller.
Man unterscheidet folgende Sorten des Whisk(e)y: Malt Whisky gilt als der Urscotch und ist bei Kennern sehr beliebt. Pure Malt ist ein Verschnitt aus mehreren Gersten, Single Malt ist hingegen nicht verschnitten.
Schottischen Whisky erkennt man generell am typischen Rauch-Geschmack. Neben dem Malt gibt es in Schottland noch den Grain Whisky, für den die Hersteller unter anderem Mais verwenden.
Basis des Irish Whiskey sind Gerste, Weizen, Roggen oder Hafer. Im Fass erhält das Getränk seinen speziellen Geschmack. Bourbon ist die bekannteste amerikanische Variante und besteht zu 51 oder mehr Prozent aus Mais. Andere Sorten aus den USA sind der Rye Whiskey (aus Roggen) und der Tennessee Whiskey, der vor der Destillation durch Holzkohle sickert.
Kanadische Whiskys stellt man überwiegend aus Mais her. Sie schmecken im Vergleich zu ihren US-Pendants leichter und sind heller.



