Ein böser Bube?
Bei seinem Tod 1908 hinterließ Busch etwa tausend Ölgemälde. Doch nicht die Porträts und Landschaftsszenen machten ihn berühmt, sondern seine Karikaturen. In Buschs Heimatort fürchtete so mancher seine spitze Feder.Über eintausend Grüße erreichen das Pfarrhaus in Mechtshausen an diesem 15. April 1902. Sogar ein Telegramm von Kaiser Wilhelm ist dabei. Der örtliche Gesangsverein hat ein Ständchen geprobt. Doch vom Jubilar ist weit und breit nichts zu sehen. Sang- und klanglos hatte sich der berühmte Zeichner und Dichter aus dem Staub gemacht und für einige Zeit bei Verwandten einquartiert.
Der Sonderling
Wilhelm Busch war kein Freund von Feierlichkeiten und Menschenmassen, und da machte er auch an seinem siebzigsten Geburtstag keine Ausnahme. Für die Gesellschaft sei er, der "Sonderling", nicht genügend dressiert, um ihre Freuden geziemend zu würdigen und behaglich genießen zu können. Lieber hielt er sich abseits: "Wer einsam ist, der hat es gut, / Weil keiner da, der ihm was tut", meint Busch in Zu guter Letzt. Umso mehr Spaß machte es ihm, das Treiben aus der Distanz zu beobachten und in Wort und Bild festzuhalten.
Ein gefürchteter Beobachter
"Loop rasch wech, häi täcket die!" - "Lauf schnell weg, er zeichnet dich!" - schallte es denn auch in Buschs niedersächsischem Heimatort Wiedensahl durch die Gassen, wenn der Zeichner durch den Ort streifte. Vorbilder für seine skurrilen Figuren fand Busch in seiner Umgebung zuhauf: Da gab es einen Wirt im Ort, dreimal verheiratet und ein starker Schnupfer, ein zärtliches Pärchen - sie dick, er dünn - und einen alten Mann, dessen Zipfelmütze beim Erzählen in Schwung geriet.
Goldbestickte Großvaterkappe
In Mechtshausen, wo Wilhelm Busch seinen Lebensabend verbrachte, ging ein Wettrennen der Einwohner auf seine Bücher los, nachdem sie herausgefunden hatten, wer seit über zwei Jahren in ihrer Mitte wohnte. Weil die Leute glaubten, er habe seine Zeichnungen vor Ort gemacht, wurden alle möglichen Vergleiche angestellt. Man meinte, bestimmte Personen wiederzuerkennen. Zum Beispiel glaubten viele, Vorbild für den "König von Persien" sei ein Eigenbrötler gewesen, der gegenüber von Buschs Haus wohnte und mit Vorliebe eine goldbestickte Großvaterkappe trug.
Bubenstreiche
Über das Leben seiner Mitmenschen amüsierte sich Busch bereits als kleiner Junge. Auch mit dem Zeichnen begann er früh, gefördert durch seinen Onkel, den Pastor Georg Kleine. Zu diesem kam Busch als Neunjähriger, denn nach der Geburt des siebten Kindes war kein Platz mehr im Elternhaus. Das "milde" Wesen des Onkels tat Wilhelm gut. Nur einmal setzte es "Hiebe mit dem trockenen Georginenstengel", weil er dem Dorftrottel einen Streich gespielt hatte. Im beschaulichen Ebergötzen begann auch die lebenslange Freundschaft mit dem Müllerssohn Erich Bachmann, der Buschs Vorlieben für Märchen, Studien in freier Natur, Zeichnen und Forellenfischen teilte. In Bachmann fand Busch zugleich seinen Moritz.
Tüpfelei und Imkerei
Zum großen Verdruss des Vaters brach der zum Jüngling herangereifte Busch 1851 sein Maschinenbaustudium ab und zog aus, das Malen zu lernen. Das "Getüpfel in den Antikensälen" der Kunstakademien in Düsseldorf, Antwerpen und München aber befriedigte ihn dann doch nicht. Auch war der Kunststudent Busch vom eigenen Talent nicht überzeugt. Geldsorgen und Krankheiten führten ihn immer wieder in die Heimat zurück, wo er sich als Märchensammler betätigte oder, angesteckt durch des Onkels Imkerleidenschaft, von einer Karriere als Bienenzüchter in Brasilien träumte, dem El Dorado der Imkerei.
Singen, trinken, karikieren
In München genoss Busch zumindest seine Mitgliedschaft im Jung-München-Künstlerverein, "wo man sang und trank und sich nebenbei karikierend zu necken pflegte. Schließlich sei man ein Mensch und erfrische und erbaue sich gern an den kleinen Verdrießlichkeiten und Dummheiten anderer Leute"...
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Infobox
1832 Wilhelm Busch wird am 15. April als ältestes Kind des Krämers Friedrich Busch und seiner Frau Henriette in Wiedensahl bei Hannover geboren.
1841 Busch zieht zu seinem Onkel Georg Kleine nach Ebergötzen.
1847 Er besucht die Polytechnische Schule in Hannover, die er vier Jahre später eigenmächtig verlässt. Berufsziel: Maler.
1851 bis 1852 Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie und der Königlichen Akademie der schönen Künste in Antwerpen.
1853 Typhuserkrankung, völlige Mittellosigkeit, Rückkehr nach Deutschland, Sammeln von Sagen, Märchen und Liedern.
1854 Münchner Akademie der Künste.
1856 Rückkehr nach Wiedensahl.
1858 bis 1862 Komödien- und Operettentexte, Zeichen- und Malstudien.
ab 1868 Freundschaft mit der Bankiersfrau Johanna Kessler aus Frankfurter.
1869 Ausgedehnte Reisetätigkeit.
1872 Ständiger Wohnsitz in Wiedensahl bei seinem Schwager.
1898 Übersiedlung mit der Schwester zum Neffen nach Mechtshausen.
1908 Wilhelm Busch stirbt am 9. Januar.
1841 Busch zieht zu seinem Onkel Georg Kleine nach Ebergötzen.
1847 Er besucht die Polytechnische Schule in Hannover, die er vier Jahre später eigenmächtig verlässt. Berufsziel: Maler.
1851 bis 1852 Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie und der Königlichen Akademie der schönen Künste in Antwerpen.
1853 Typhuserkrankung, völlige Mittellosigkeit, Rückkehr nach Deutschland, Sammeln von Sagen, Märchen und Liedern.
1854 Münchner Akademie der Künste.
1856 Rückkehr nach Wiedensahl.
1858 bis 1862 Komödien- und Operettentexte, Zeichen- und Malstudien.
ab 1868 Freundschaft mit der Bankiersfrau Johanna Kessler aus Frankfurter.
1869 Ausgedehnte Reisetätigkeit.
1872 Ständiger Wohnsitz in Wiedensahl bei seinem Schwager.
1898 Übersiedlung mit der Schwester zum Neffen nach Mechtshausen.
1908 Wilhelm Busch stirbt am 9. Januar.



