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LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

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Das Wort Samurai...
stammt aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Es bedeutet Diener. Damals, im Japan der Vormoderne, lag die reale Macht längst in den Händen des Shogun, eines Militärbefehlshabers, der in der Burg von Edo residierte. Dem Zustand stabiler Zentralgewalt gingen Jahrhunderte interner Kämpfe voraus. Daimyo-, also lokale Fürstengeschlechter, rivalisierten um Territorien und Einfluss. Die Herausbildung einer Schicht von Berufskriegern war logische Folge der ständigen militärischen Auseinandersetzungen. Ganze Krieger-Sippen traten auf, die ihre Dienste in wechselnden Konstellationen zur Wirkung brachten.

Um so erstaunlicher war das Entstehen eines "Berufsethos" auf der Basis des Zen-Buddhismus, der die Samurai etwa von den westeuropäischen Condottieri unterschied. Einst wohlhabende landbesitzende Bauern, banden sich die Samurai später exklusiv an bestimmte Fürsten in Verhältnissen wechselseitiger Treue. Parallel dazu erhielten sie das alleinige Recht, Waffen zu tragen. Berühmt wurden die Ereignisse um die 47 Ronin (stellungslose Samurai), die Mitte des 17. Jahrhunderts den erzwungenen Suizid ihres Herrn durch Mord an dessen Widersacher rächten.

Der ideale Samurai war ebenso Beamter wie militärischer Gefolgsmann. Er nahm im Auftrag seines Herrn Verwaltungsaufgaben wahr, hatte das Schicksal des Herrn als Ganzes im Auge zu behalten und zum Guten zu wenden. Prekär wurde die soziale Situation vieler Samurai, nun schon unter den Bedingungen eines stabilen Shogunats, mit dem Vordringen der Geldwirtschaft. Verarmte Samurai lebten in den rasch wachsenden Städten und formierten dort politische Gruppierungen, die sich zum Beispiel gegen eine Öffnung Japans für westliche Industrienationen stellten. Mit der Meiji-Restauration 1868, die Japan den Weg in die Moderne bahnte und zur Entmachtung des Shoguns führte, kam für die Samurai das Aus.

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Der Ehrenkodex der Samurai...
trägt betont ästhetische Züge. Dabei geht es keineswegs nur um Rüstung und Waffen, die von hoher Kunstfertigkeit zeugen müssen. Yamamoto stellt folgende Regel auf: "Rouge und Schminkweiß zum Auftragen habe man stets in der Brusttasche bei sich. Gelegentlich wird es vorkommen, dass man beim Aufwachen zum Beispiel nach einem Trinkgelage eine schlechte Gesichtsfarbe hat. Zu solchen Zeiten tut man gut daran, das Rouge hervorzuholen und etwas davon aufzulegen..." Das empfiehlt der Autor natürlich ebenso vor dem rituellen Selbstmord, dem Seppuku.

Überhaupt ist das schöne Leben, der schöne Tod, von ausschlaggebender Bedeutung. Die Erscheinung macht den Unterschied: Angst zu haben, mag akzeptabel sein; sie zu zeigen, ist verwerflich. Gleiches gilt für Müdigkeit und Stress: Das Hagakure beschreibt Techniken, um unverhofftes Gähnen zu unterdrücken. "Das Schöne ist etwas, das sich an der Außenseite manifestiert", kommentiert Mishima. "Weibisches" Verhalten geht gar nicht. Schönheit der Sprache und geistige Konzentration fallen ebenso unter den ästhetischen Zusammenhang.

Ästhetik und Genuss stehen in engem Wechselspiel. Yamamotos Maximen erinnern an die Philosophie der Epikureer. Mishima erläutert, was das Wesentliche ist: "Wir haben zum Beispiel eine Verabredung mit einer Frau und bleiben mit ihr über Nacht in einem Hotel; am nächsten Morgen gehen wir, einigermaßen abgeschlafft, ins Kino in eine Matinee und schauen uns einen zum Gähnen langweiligen Film an. Was wir da empfinden, ist kein Auskosten des Glücks mehr." Und obendrein sieht man wohl nicht mehr so gut aus. Das edle Sein auch erscheinen lassen, mag als Grundsatz gelten. Zum preußischen "mehr sein als scheinen" ist der Abstand riesig.