Erschaffene Landschaft
Über hundert Millionen Menschen zieht es jedes Jahr in die Alpen. Autobahnen, Brücken und Tunnel machen die Querung des Massivs leichter denn je. Innerhalb kurzer Zeit veränderte sich das Gesicht der Alpen.Das heutige Aussehen der Alpen ist das Resultat jahrtausendelanger Anpassung der Menschen an natürliche Bedingungen.
Wind und Regen, vor allem aber Eis gaben den Alpen ihre endgültige Form: Gletscher schliffen breite Täler in die Berge und hinterließen zahlreiche Seen. So entstand mit der Zeit eine abwechslungsreiche Landschaft aus großen und kleinen Tälern, steilen und flachen Hängen, aus spitzen Gipfeln und runden Kappen, Gneisnadeln und Kalkpyramiden.
Der Mensch kommt
Die ältesten Spuren des Menschen in den Alpen sind rund hunderttausend Jahre alt, doch die dauerhafte Besiedlung der Bergwelt setzte erst vor etwas mehr als siebentausend Jahren ein: Damals ließen sich Menschen in den tiefer gelegenen Alpengebieten und auf den sonnigen Seiten der großen Täler nieder. Um Landwirtschaft betreiben zu können, rodeten sie Wälder, entfernten Steine und Wurzeln, legten Bewässerungsanlagen an.
Terrassenkultur und Almwirtschaft
Hartnäckig und einfallsreich nahmen es die Bauern mit den natürlichen Bedingungen auf. Nicht nur das raue Klima und die kurzen Sommer erschwerten die Landwirtschaft - vor allem die topographischen Bedingungen forderten enormes Anpassungsvermögen. Den begrenzten Raum im Tal nutzten die Siedler optimal, indem sie Terrassen bauten. Diese Art der Kultur ermöglichte es, den Wasserabfluss aufzuhalten sowie den Boden abzustützen und vor Erosion zu schützen. Für die Viehwirtschaft boten sich Hänge in höheren Lagen an: Hirten brachten ihre Tiere im Sommer zum Weiden auf Almen. Solche Besonderheiten der Berglandwirtschaft führten dazu, dass die Landwirtschaft und das natürliche Relief über Jahrtausende zu einem kleinräumigen Mosaik aus Nutz- und Naturflächen verschmolzen.
"Furchtbare Berge"
Die Alpenbewohner machten so die Bergwelt bewohnbar, gaben ihr ein unverwechselbares Aussehen und füllten sie mit Traditionen und Bräuchen. Vom Rest Europas und der Welt blieb der Kulturraum relativ abgeschieden. Zwar hatten die Römer bereits ein Wegenetz über die Berge errichtet, jedoch querten lange Zeit lediglich Soldaten, Kaufleute und Pilger die riesigen Gebirgsmassive. Den meisten Bewohnern des Flachlands galten die Alpen als "montes horribles" - als furchtbare Berge. Das sollte über anderthalb Jahrtausende so bleiben.
Die Zugspitze ist Deutschlands höchster Berg. Ihr Gipfel auf 2.962 Meter ist heute bequem per Seilbahn oder Zahnradbahn zu erreichen.
Erst im 18. Jahrhundert entwickelte eine städtische Bildungselite - meist Künstler und Forscher - ein Interesse an der abgeschiedenen Bergwelt. In der schönen, unberührten Natur sahen sie das idyllische Gegenbild zur Stadt und erfreuten sich an dem erhabenen Naturschauspiel. Scheu und Furcht, die Menschen lange Zeit angesichts der hohen Berge und unbewohnten Täler empfanden, begannen zu verschwinden: Bergsteiger erreichten im 19. Jahrhundert alle großen und kleinen Gipfel des Gebirges. Schließlich wurden die Alpen auch für die Allgemeinheit betretbar: 1867 eröffnete die erste Eisenbahnstrecke über den Brenner, vier Jahre später folgte der Mont-Cenis-Tunnel zwischen Frankreich und Italien.
Elitärer Touch
Nicht lange vor dem Ersten Weltkrieg kamen erste Touristen in die Alpen. Betuchte Städter erhofften sich von der sauberen Luft Heilung von körperlichen und seelischen Leiden. Immerhin, noch hatte die Alpenreise einen elitären Touch. Die Verbreitung des Autos aber und die Einführung bezahlten Urlaubs führten zur Etablierung des Massentourismus in den 1950er Jahren. Sommers wie winters strömten nun Menschen in die Alpen. In wenigen Jahrzehnten hatten sich die Touristengebiete auf das große Geschäft eingestellt: Neue und bessere Verkehrswege entstanden, Wälder und Almen wichen Skigebieten, Hotels wurden errichtet, Talböden zu Parkplätzen geteert. Etwa ein Fünftel der Alpenfläche ist heute vom Tourismusgeschäft überformt...
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Steckbrief Alpen
In einem Bogen von beinahe tausend Kilometern Länge und durchschnittlich zweihundert Kilometern Breite erstrecken sich die Alpen von Nizza bis kurz vor Wien. Acht Länder haben territoriale Anteile am Gebirge: Monaco, Frankreich, die Schweiz, Slowenien, Liechtenstein, Italien, Österreich, Deutschland. Höchster Berg ist der 4.809 Meter hohe Mont Blanc an der Grenze zwischen Italien und Frankreich.
In den Alpen leben rund 13 Millionen Menschen, werden vier Weltsprachen, sieben weitere Sprachen sowie unzählige Dialekte gesprochen. Die Berge sind außerdem Heimat von ungefähr viereinhalbtausend Pflanzen- und mehr als dreißigtausend Tierarten. Mehrere große Flüsse - darunter Rhône, Donau und Po - entspringen in den Alpen. Gletscher bedecken etwa zwei Prozent des Gebirges, jedoch ist ihre Fläche seit 1850 um ein Drittel, ihre Masse um die Hälfte zurückgegangen.
Rund einhundert Millionen Menschen besuchen die Alpen jährlich und tragen zur Wirtschaftskraft der Region bei. In Österreich zum Beispiel beträgt der Anteil der Tourismus- und Freizeitbranche am Bruttoinlandsprodukt rund 16 Prozent.
In einem Bogen von beinahe tausend Kilometern Länge und durchschnittlich zweihundert Kilometern Breite erstrecken sich die Alpen von Nizza bis kurz vor Wien. Acht Länder haben territoriale Anteile am Gebirge: Monaco, Frankreich, die Schweiz, Slowenien, Liechtenstein, Italien, Österreich, Deutschland. Höchster Berg ist der 4.809 Meter hohe Mont Blanc an der Grenze zwischen Italien und Frankreich.
In den Alpen leben rund 13 Millionen Menschen, werden vier Weltsprachen, sieben weitere Sprachen sowie unzählige Dialekte gesprochen. Die Berge sind außerdem Heimat von ungefähr viereinhalbtausend Pflanzen- und mehr als dreißigtausend Tierarten. Mehrere große Flüsse - darunter Rhône, Donau und Po - entspringen in den Alpen. Gletscher bedecken etwa zwei Prozent des Gebirges, jedoch ist ihre Fläche seit 1850 um ein Drittel, ihre Masse um die Hälfte zurückgegangen.
Rund einhundert Millionen Menschen besuchen die Alpen jährlich und tragen zur Wirtschaftskraft der Region bei. In Österreich zum Beispiel beträgt der Anteil der Tourismus- und Freizeitbranche am Bruttoinlandsprodukt rund 16 Prozent.



