Suche nach dem Ursprung
Bloß kalt und tot ist die Arktis nicht: Als Siedlungsraum für Mensch und Tier erlaubt sie ein hartes aber spannendes Dasein. Und immer wieder war sie Ziel abenteuerlichen Forscherdrangs.Kostengünstig: Hauke Trinks segelte mit seinem Schiff bis an die Packeisgrenze. (Bild: Hauke Trinks)
Trinks: Also eigentlich ist das gar nicht so unpassend. Wir Physiker werden meist nur falsch eingeschätzt. Im Allgemeinen werfen wir einen etwas weiteren Blick auf die Dinge des Lebens. Sehen Sie, ich habe schon zu den Zeiten, als ich Professor an der Universität in Tromsö war, mit Studenten kleine Ausflüge in die Arktis unternommen. Daher kommt meine Vorliebe für Spitzbergen. Im Übrigen bin ich in Schweden aufgewachsen und dort ist es bekanntlich auch etwas kälter.
LexiTV: Was genau ist das Ziel Ihrer Forschungen dort?
Trinks: Es geht um Eis und die Entstehung des Lebens. Also, wann und wie und unter welchen Umständen ist das erste Leben vor vielen Milliarden Jahren auf der Urerde entstanden. Für mich ist die Frage nach der Herkunft des Lebens fundamental. Es gibt unzählige Veröffentlichungen dazu und die unterschiedlichsten Hypothesen. Trotzdem werden dabei nur Teilfragen beantwortet, wie zum Beispiel woher die Energie für die ersten Prozesse kommt. Viele weitere Fragen sind kaum geklärt.
Ziel meiner Suche nach dem Ursprung des Lebens im arktischen Meereis ist es, alle offenen Fragen widerspruchsfrei zu lösen. Dazu würde ich ein Labor benötigen, wo die natürlichen, von der Physik gegebenen Bedingungen wie im Eis herrschen. Nun ja, ein solches Eislabor gibt es nicht. Also entschloss ich mich vor knapp sechs Jahren zu meiner ersten langen Expedition in das Packeis von Spitzbergen.
LexiTV: Sie sind vor kurzem von Ihrer zweiten Arktisexpedition zurückgekehrt. Wieso die Spezialisierung auf den Nordpol und nicht auf die Antarktis?
In solch einer eisigen und menschenleeren Gegend sind Tiere die einzigen Begleiter. (Bild: Hauke Trinks)
LexiTV: Warum ist Salzwasser für Ihre Forschung so wichtig?
Trinks: Weil Salzwasser anders gefriert als Süßwasser. Gefrorenes Meerwasser bildet so eine Art schwammigen Körper. Das liegt daran, dass der Süßwasseranteil gefriert, der Salzwasseranteil aber als konzentrierte Salzlösung zurück bleibt. Im Eis herrschen dann - unter dem Mikroskop ist das sehr schön zu erkennen - Bedingungen wie in einem lebenden Organismus. Es erscheint nicht tot wie das Süßwassereis.
So sieht man sehr schön die kleinen Kanäle und Membranen im Eis und die Strömung, wie im Blutkreislauf, wo die Mikroorganismen mitgerissen werden und sich durch Kanäle und Kaviolen bewegen. Das Eis von Spitzbergen ähnelt dem Eis unserer Urerde. Und genau aus diesem Grund ist es für meine Hypothese von der Entstehung des Lebens im Eis von sehr großer Bedeutung...
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Infobox
Wer neugierig geworden ist und noch mehr wissen möchte über die abenteuerlichen Forschungsreisen von Professor Trinks, dem bietet sich hier die Gelegenheit: In "Auf den Spuren des Lebens" und "Eis und die Entstehung des Lebens" erfahren Sie mehr über die Hintergründe, den Verlauf und die Ergebnisse der Expeditionen in das Eis von Nordaustland und Spitzbergen.


