Das Flusssystem der Donau mit den zugehörigen Anrainerstaaten. Hinzu kommen Moldawien und die Ukraine.
Donau, Dunav, Dunǎrea
Mit dem Frieden von Paris endete 1856 der Krimkrieg. Dem russischen Zaren war es nicht gelungen, sich das strategisch wichtige Donaudelta, die Mündung des riesigen Flusses ins Schwarze Meer, anzueignen. Stattdessen sahen die Bestimmungen jenes Vertrags die Einrichtung einer Europäischen Kommission zur Kontrolle des Deltas vor: Sie garantierte allen Staaten, auch den Nicht-Anrainerstaaten, das Recht der freien Schifffahrt auf der Donau. Viele internationale Vereinbarungen sollten dieser ersten folgen: die Donaukonvention von 1921, oder die Belgrader Konvention im Jahre 1948, die die Sowjetunion, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, Ungarn und die Tschechoslowakei dazu verpflichtete, die Donau in "schiffbarem Zustand zu erhalten" und die Schifffahrt "nicht zu behindern oder zu stören".Sechs Namen, ein Fluss
Heute ist die Donau auf rund zweieinhalbtausend Kilometern schiffbar. Durch den 1992 fertig gestellten Rhein-Main-Donau-Kanal, welcher die Donau mit dem Atlantik verbindet, entstand ein Binnenschifffahrtsweg von sogar dreieinhalbtausend Kilometern Länge. Regelungen für die freie Handelsschifffahrt scheinen weiterhin unverzichtbar, an einem Fluss, der von West nach Ost zehn Staaten durchquert oder berührt. Die Donau, die durch den Zusammenfluss der beiden Quellflüsse Brigach und Breg am Rande des Schwarzwaldes entsteht, ändert auf rund 2.900 Kilometern von der Quelle bis zur Mündung ganze sechs mal den Namen: vom deutschen Donau zum slowakischen Dunaj, zum ungarischen Duna, zum kroatischen und serbischen Dunav, zum bulgarischen Dunaw, zum rumänischen Dunǎrea und schließlich zum ukrainischen Dunai.
Handel und Verkehr
Der gesamte Donauraum umfasst um die 817.000 Quadratkilometer. Das Leben dort ist von Beginn an bestimmt durch ökonomische, politische und, speziell in heutiger Zeit, ökologische Interessenkonflikte. Kein zweiter Fluss verbindet so viele verschiedene Völker mit jeweils eigenen Sprachen, Kulturen, Traditionen und Religionen miteinander. Keines dieser Völker blieb von dem unberührt, was seine Nachbarn am Donauufer unternahmen, um sich das Wasser des Stromes nutzbar zu machen und ihre Interessen durchzusetzen.
Blick auf den Rhein-Main-Donau-Kanal bei Kehlheim.
Flüsse waren schon immer wichtige Verkehrs- und Handelswege. Auch auf der Donau werden seit jeher Menschen und Waren befördert: Holz, Erze, Salz und Wein im Mittelalter, heute Baustoffe, Kohle, Schrott und Getreide. Doch Untiefen, Stromschnellen, Riffe und Eis machten die Fahrt auf der Donau lange zum gefährlichen Abenteuer. So zähmte man den zweitlängsten Fluss Europas: Allzu tückische Hindernisse wurden beseitigt, Staudämme errichtet, das Flussbett vertieft und sein Lauf reguliert.
Zwanzig Kilometer am Tag
Bevor es Dampf- und Motorschiffe gab, blieb der Weg stromaufwärts beschwerlich und mühsam. Viele Schiffe fuhren deshalb bis ins 19. Jahrhundert nur flussabwärts. Sie wurden am Zielort zerlegt und verkauft - der Bedarf an Brenn- und Bauholz war groß. Eine andere Möglichkeit bestand darin, die Schiffe stromaufwärts zu ziehen - seit dem 15. Jahrhundert sogar mit Pferden. Zwanzig Kilometer am Tag waren damals eine gute Leistung. Um 1830 begann schließlich das Zeitalter der Dampfschifffahrt, wobei Eisenbahn und zunehmende Motorisierung ihr im vergangenen Jahrhundert ziemlich zusetzten...
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Infobox
Bereits um 793 versuchte Karl der Große, Donau und Rhein zu verbinden. Im 19. Jahrhundert ließ der bayerische König Ludwig I. einen 173 Kilometer langen Kanal von Kehlheim bis Bamberg bauen. Der Ludwig-Main-Donau-Kanal war allerdings aufgrund seiner vielen Schleusenanlagen und geringen Breite nur schlecht befahrbar und musste 1950 wegen Kriegsschäden aufgegeben werden. Die 1921 gegründete Rhein-Main-Donau AG wurde mit dem Neubau beauftragt. 1960 begannen die Bauarbeiten; mehr als drei Jahrzehnte später war der Kanal erstmals durchgängig befahrbar: Mit der Eröffnung der Teilstrecke zwischen Bamberg und Kehlheim am 25. September 1992 ergab sich eine 3.500 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Der Rhein-Main-Donau-Kanal ist insgesamt 677 Kilometer lang, vier Meter tief und 55 Meter breit; zur Überwindung der Höhenunterschiede sind sechzehn Schleusen notwendig. Zwar haben sich durch den Kanal die Schiffverkehrsmöglichkeiten auf der Donau wesentlich verbessert, doch er ist umstritten: Naturschützer lehnen ihn wegen massiver Eingriffe in die Landschaft ab. Die Behinderung des Hochwassers in den Donauauen verringert die Selbstreinigungskraft des Flusses und führt zum Verlust von rund 18 Millionen Quadratmetern schutzwürdiger Feuchtgebiete. Damit wird die Lebensbasis für zahlreiche Pflanzen und Tiere bedroht. Und auch die in den Kanal gesetzten großen wirtschaftlichen Erwartungen haben sich bisher nicht erfüllt.


