Heißkalte Zukunft?
Laut Klimageschichte steht uns in den nächsten Jahrtausenden wieder eine Eiszeit bevor. Das aber bezweifeln einige Experten - und verweisen dazu auf den Klimawandel, der unseren Planeten momentan erfasst.Ende Mai 2004 wird es plötzlich eiskalt - zumindest in den Kinos rund um den Globus. Der Hollywood-Blockbuster The Day After Tomorrow des deutschen Regisseurs Roland Emmerich hat Premiere, Millionen Zuschauer verfolgen fasziniert und schockiert zugleich das Horror-Szenario, das der "schwäbische Spielberg" da auf die Leinwand zaubert.
Binnen 96 Stunden
Die Katastrophe kündigt sich durch extreme Wetterphänomene an: Neu-Delhi versinkt im Schnee, auf Tokio prasseln riesige Hagelkörner nieder, Los Angeles wird von Tornados verwüstet. Gigantische Flutwellen überrollen New York, das ein zehntägiger Blizzard schließlich in ein Gebirge aus Schnee und Eis verwandelt. Die nördliche Hemisphäre erstarrt binnen 96 Stunden in einer neuen Eiszeit.
Wissenschaftlich nicht haltbar
Bildgewaltig inszeniert Emmerich die Apokalypse. Mit aufwändigen Spezialeffekten entwickelt er seine Vision eines Worst-Case-Szenarios, die ihm nicht nur bei Fans Action geladenen Popcornkinos Aufmerksamkeit beschert. Denn obwohl Experten den Film wegen seiner dramatischen Überspitzung als unrealistisch und "wissenschaftlich nicht haltbar" kritisieren, wie zum Beispiel Professor Mojib Latif vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, wird er von Klimaforschern ernsthaft diskutiert.
Die Frage, ob eine neue Eiszeit, wie in The Day After Tomorrow gezeigt, nur pure Fiktion oder doch eine reale Gefahr ist, entzweit die Wissenschaftler. Einig sind sie sich immerhin darüber, dass der Film maßlos übertreibt. Allerdings, völlig aus der Luft gegriffen ist das Katastrophenszenario nicht - und vielleicht doch weniger von der Realität entfernt, als viele Kinobesucher ahnen.
Unbegründete Angst?
Dass ein globaler Klimawandel unseren Planeten erfasst, ist längst kein Geheimnis mehr. Klimaforscher warnen seit Jahren vor den Folgen der durch zunehmenden Ausstoß von Treibhausgasen ausgelösten Erderwärmung: Flutkatastrophen, Hitzewellen, Tornados und Hurrikans. Auf diesem Hintergrund erscheint die Angst vor einer bevorstehenden Eiszeit unbegründet. Das vermeintlich Gegensätzliche passt allerdings besser zusammen, als mancher glaubt. Denn gerade der - vom Menschen mit verursachte - weltweite Temperaturanstieg könnte Europa und Nordamerika eine eiskalte Zukunft bescheren.
Gefahr für Europas Zentralheizung
Wie Modellrechnungen des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ergeben, ist Europas Zentralheizung - der Nordatlantikstrom - durch die globale Erwärmung gefährdet. Neueste Messergebnisse britischer Forscher zeigen, dass die Meeresströmung zwischen Tropen und polarer Zone in den vergangenen fünfzig Jahren bereits um ein Drittel schwächer geworden ist. Fiele sie völlig weg, würde es in Europa sehr bald um etwa fünf Grad kälter werden. Welcher Mechanismus läge dem zugrunde?
Dramatisches Abbremsen
Infolge des Treibhauseffektes, prognostizieren Klimaforscher, wird es in einer wärmeren Zukunft zu deutlich mehr Niederschlägen in nördlichen Regionen des Ozeans kommen. Außerdem tauen vermutlich Gletscher und die polaren Eisschilde. Das dadurch zugefügte Süßwasser senkt die Salzkonzentration des Wassers an der Oberfläche, es verliert an Dichte. Nur bei sehr starker Abkühlung könnte es dennoch in die Tiefe sinken - was wegen der globalen Erwärmung dann jedoch kaum noch vorkommt. Die Folge wäre ein dramatisches Abbremsen der so genannten Thermohalinen Zirkulation, auf deren Funktionieren der Nordatlantikstrom beruht...
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Warmzeit in der Eiszeit
Laut offizieller Definition der Klimatologen herrscht eine Eiszeit, wenn so genannte Inlandeisschilde auf dem Globus existieren. Seit etwa dreißig Millionen Jahren ist die Antarktis vereist, seit mindestens 2,7 Millionen Jahren auch die Arktis. Wir leben also in einer Eiszeit. Diese Periode ist kurzzeitigen klimatischen Schwankungen unterworfen, den Kaltphasen (Glaziale) und den Warmphasen (Interglaziale).
Oft wird der Begriff Eiszeit allerdings synonym zu Kaltzeit oder Glazial verwendet. Die Kältephasen einer Eiszeit, gekennzeichnet durch massive Gletschervorstöße, sind in der Regel länger als die Wärmephasen, die nur rund 15.000 Jahre dauern. In der Wärmephase einer globalen Eiszeit bleibt das Klima im erdgeschichtlichen Vergleich relativ kalt, die Eisdecke von Polen und höheren Gebirgen wird durch Dauerfrost erhalten. Die Gletscher in mittleren Breiten gehen aber zurück, und es kommt dort zu wesentlich gemäßigterem Klima mit milden Wintern.
Unsere heutige Klimaperiode, in der geologischen Zeitskala als Holozän bezeichnet, ist eine Warmzeit innerhalb einer globalen Eiszeit und dauert bereits seit etwa 11.500 Jahren an. Der gesamte Zyklus von einer Warmzeit zur nächsten dauert um die hunderttausend Jahre. Warmzeiten beginnen häufig recht abrupt, während die Abkühlung eher schleichend erfolgt.
Laut offizieller Definition der Klimatologen herrscht eine Eiszeit, wenn so genannte Inlandeisschilde auf dem Globus existieren. Seit etwa dreißig Millionen Jahren ist die Antarktis vereist, seit mindestens 2,7 Millionen Jahren auch die Arktis. Wir leben also in einer Eiszeit. Diese Periode ist kurzzeitigen klimatischen Schwankungen unterworfen, den Kaltphasen (Glaziale) und den Warmphasen (Interglaziale).
Oft wird der Begriff Eiszeit allerdings synonym zu Kaltzeit oder Glazial verwendet. Die Kältephasen einer Eiszeit, gekennzeichnet durch massive Gletschervorstöße, sind in der Regel länger als die Wärmephasen, die nur rund 15.000 Jahre dauern. In der Wärmephase einer globalen Eiszeit bleibt das Klima im erdgeschichtlichen Vergleich relativ kalt, die Eisdecke von Polen und höheren Gebirgen wird durch Dauerfrost erhalten. Die Gletscher in mittleren Breiten gehen aber zurück, und es kommt dort zu wesentlich gemäßigterem Klima mit milden Wintern.
Unsere heutige Klimaperiode, in der geologischen Zeitskala als Holozän bezeichnet, ist eine Warmzeit innerhalb einer globalen Eiszeit und dauert bereits seit etwa 11.500 Jahren an. Der gesamte Zyklus von einer Warmzeit zur nächsten dauert um die hunderttausend Jahre. Warmzeiten beginnen häufig recht abrupt, während die Abkühlung eher schleichend erfolgt.



