Auch bei uns?
Der deutsche Normalbürger kennt Erdbeben nur aus den Nachrichten. Doch wie groß ist die Gefahr eigentlich hierzulande? Muss man sich auch in unseren Breiten vor Beben fürchten?Im April 1992 trifft ein Erdstoß das Rheingebiet - so kräftig, dass in Kölns Erdbebenstation der Nadelschreiber des Seismografen zerbricht: Das kräftigste je gemessene Beben in ganz Mitteleuropa. Die Fachwelt ist geschockt.
Fliegende Türmchen
Geschockt ist auch Professor Arnold Wolff, Dombaumeister zu Köln. Er erlebt am darauffolgenden Morgen eine böse Überraschung: Aus 65 Meter Höhe war eines der schlanken Barocktürmchen des Doms - verziert mit einer steinernen Kreuzblume - am südlichen Querhaus abgebrochen und nach unten gestürzt. Dabei hatte die Stadt Köln noch Glück: Das Epizentrum des Bebens lag 70 Kilometer entfernt auf der holländischen Rheinseite bei Roermund. Dort war der Schaden weitaus größer: Abgefallene Giebel, Mauerrisse, zertrümmerte Fahrzeuge.
Teilt sich der Kontinent?
Intraplattenbeben nennen Experten einen Erdstoß wie den von Roermund. Anders als die meisten verheerenden Erdbeben passierte er nicht am Rand sondern im Inneren einer tektonischen Platte. Was genau in jener Nacht am Rhein geschah, ist selbst den Fachleuten noch unklar. Vielleicht teilt sich der europäische Kontinent gerade entlang des Flusses. Deutlich sichtbare Ergebnisse wären freilich erst in Millionen von Jahren zu erwarten.
Wo einmal Beben tobten...
Der deutsche Normalbürger kennt Erdbeben nur aus den Nachrichten. Wenn hierzulande die Erde bebt, dann tut sie es meist moderat und bloß für sensible Messgeräte erkennbar. Aber Fernsehbilder von verwüsteten Städten im Ausland werfen doch die Frage auf, ob sich solche Schreckensszenarien auch bei uns ereignen könnten. Seismologen geben beruhigende Antworten. In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit für ein starkes Erdbeben äußerst gering: Zwar gab es in der Vergangenheit mehrere Beben der Stärken 4 bis 6 auf der Richter-Skala - zu ihnen gehört auch das Roermund-Beben -, sie blieben jedoch seltene Einzelfälle. Allerdings lösen selbst solche Einzelfälle bei vielen Menschen Sorge aus. Immerhin lehrt die Erfahrung der Bebenforscher: Wo einmal stärkere Beben tobten, droht auch in Zukunft Gefahr.
Beschädigte Häuser nach einem Erdbeben in San Fransisco 1906: ein solcher Anblick bleibt uns wahrscheinlich erspart.
Vor allem wären Gebiete entlang des Rheins gefährdet, da sich dort Bruchstellen innerhalb der europäischen Platte befinden. Zudem ist das Gebiet dicht besiedelt. Ein starkes Beben könnte zum Beispiel im Großraum Köln Schäden von bis zu fünfzig Milliarden Euro verursachen. So sind - trotz der allgemein als gering eingeschätzten Gefahr - deutsche Bauingenieure dabei, Konzepte für mehr Erdbebensicherheit zu entwickeln. Seismische Gutachten werden zum Beispiel auch für den Raum Thüringen gefordert. Bis zur Mitte der 1980er Jahre bestand in der damaligen DDR die Auffassung, dass die Erdbebengefahr hier als vernachlässigbar gering einzuschätzen sei.
Warnung von Schmölln
Neueinschätzungen zeigen jedoch die Notwendigkeit, eine Korrektur dieser Auffassung anzugehen. Historische Studien haben die Wissenschaftler nachdenklich gestimmt: Das stärkste bisher in Mitteldeutschland beobachtete und dokumentierte Beben bei Schmölln im Jahre 1872 lasse eine Intensität von mehr als sieben Punkten auf der Richter-Skala in Thüringen immerhin möglich erscheinen, meinen Experten.
Michael Schmittbetz (akt. 14.01.2010)
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Tierisches Frühwarnsystem
Seit der Antike berichten Quellen über das außergewöhnliche Verhalten von Tiere vor Erdbeben: Hunde fangen an zu jaulen, Fische springen aus dem Wasser, Schlangen kriechen aus ihren Löchern und Vögel singen noch in der Nacht. 1975 evakuierte man die chinesische Stadt Haicheng aufgrund des atypischen Verhaltens in ihr lebender Tiere; zwei Tage später wurde die Stadt zu neunzig Prozent zerstört.
Der Physiker Helmut Tributsch glaubt, den Ursachen des animalischen Frühwarnsystems der Tiere auf die Spur gekommen zu sein: demnach seien elektrische Spannungen im Boden und in der Luft für das ungewöhnliche Verhalten verantwortlich. Vor einem Erdbeben, so Tributsch, lade sich die Atmosphäre elektrostatisch auf; kleinste Staubpartikel, Aerosole, würden positiv aufgeladen. Diese positive elektrische Spannung spürten die Tiere, und sie hätte Auswirkungen auf ihren Hormonhaushalt. Ein Resultat sei die beobachtete Nervosität der feinsinnigen Überlebenskünstler.
Seit der Antike berichten Quellen über das außergewöhnliche Verhalten von Tiere vor Erdbeben: Hunde fangen an zu jaulen, Fische springen aus dem Wasser, Schlangen kriechen aus ihren Löchern und Vögel singen noch in der Nacht. 1975 evakuierte man die chinesische Stadt Haicheng aufgrund des atypischen Verhaltens in ihr lebender Tiere; zwei Tage später wurde die Stadt zu neunzig Prozent zerstört.
Der Physiker Helmut Tributsch glaubt, den Ursachen des animalischen Frühwarnsystems der Tiere auf die Spur gekommen zu sein: demnach seien elektrische Spannungen im Boden und in der Luft für das ungewöhnliche Verhalten verantwortlich. Vor einem Erdbeben, so Tributsch, lade sich die Atmosphäre elektrostatisch auf; kleinste Staubpartikel, Aerosole, würden positiv aufgeladen. Diese positive elektrische Spannung spürten die Tiere, und sie hätte Auswirkungen auf ihren Hormonhaushalt. Ein Resultat sei die beobachtete Nervosität der feinsinnigen Überlebenskünstler.



