Raachermannls Heimat
Die filigranen Schnitzereien an Schwibbögen und Pyramiden erinnern an die Kunstfertigkeit der Handwerker im Erzgebirge. Deren Vorfahren machten einst aus der Not eine Tugend.Sinnbild der erzgebirgischen Weihnacht: das Räuchermännchen.
(Bild: Tourismusverband Erzgebirge e.V.)
(Bild: Tourismusverband Erzgebirge e.V.)
Mythos Tradition
Dem besonderen Verhältnis der einstigen Bergleute zum Licht und zum Fest der Feste, als Höhepunkt des Jahres, sei dies zuzuschreiben; diese alte Volkstradition bewahre man, so heißt es. Doch was steckt wirklich dahinter? Ganz einfach, die Erzgebirgler leben davon, Weihnachten zu zelebrieren, sind - direkt oder indirekt - abhängig vom Image als Winter- und Weihnachtsland, etwa in der Tourismusbranche. Deshalb entstand hier ein riesiges Gewerbe für Weihnachtszubehör.
Sinnbild der erzgebirgischen Weihnacht ist das Räuchermännchen. Es vereint die beiden Haupterwerbszweige der regionalen erzgebirgischen Wirtschaft: die Weihnachts- und die Spielwarenindustrie. Doch was die wenigsten wissen: Nicht Sachsen, sondern Thüringen ist das eigentliche Herkunftsland des kleinen Pfeifenträgers. Hier soll der erzgebirgische Spielzeugmacher Ferdinand Frohs 1850 die Idee geklaut haben.
Rettung des Kunstgewerbes
Zuvor hatte das ortsansässige Kunstgewerbe unter Absatzschwierigkeiten gelitten: Groß war die Konkurrenz, hoch die Zoll- und Materialpreise. Aufkommende Gewerbefreiheit verstärkte die Notlage; nun konnte jeder produzieren und die Preise drücken. Eine neue Strategie musste her, neue Produkte und Absatzmärkte.
Qualität statt Quantität, so die neue Devise, nicht nur des Spielzeugmachers Frohs. Mit der Gründung von Kunstgewerbe- und Zeichenschulen zur Mitte des 19. Jahrhunderts, beispielsweise in Seiffen, begann im Erzgebirge eine systematische Ausbildung der Volkskunst. Auch Außendarstellung, auf speziellen Verkaufsschauen und Ausstellungen, fehlte nicht. Sogar auf der Weltausstellung 1937 in Paris war man vertreten.
Neues Image
Dabei wurde ein neues Image aus der Taufe gehoben: Weihnachtsland Erzgebirge, volkstümlich und traditionsreich. Die DDR pflegte es weiter, denn es brachte Devisen. Hinter der vorgeblich so tiefen Verwurzelung der Weihnacht in der Tradition des Bergbaus steckt also vielmehr eine ausgeklügelte Marketingstrategie jüngeren Datums, so wie beim Räuchermännchen. Das wird heute, ebenso wie der Nussknacker, via Internet in alle Welt versandt - und zwar nur noch selten als Bergmannsfigur, doch immer häufiger, weit weniger traditionell, als Fußballer, Biker oder Computerfreak.
Susanne Fetter (aktualisiert 04.12.2009)
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Infobox
Spielzeugdorf des Erzgebirges
So wird ein kleiner Ort nahe der tschechischen Grenze genannt - Seiffen. Der Name geht auf das Ausseifen zurück - eine Technik, um den Bodenschatz Zinn zu gewinnen.
Der Bergbau war Jahrhunderte lang wichtigste Einnahmequelle der Einheimischen. Doch zu geringe Ausbeute, technische Erschwernisse beim Zinnabbau und billige Importe führten bis Mitte des 19. Jahrhunderts zum Niedergang des Zinnbergbaus.
Um den Lebensunterhalt zu sichern, besannen sich viele auf das alte Handwerk der Holzbearbeitung. Verschiedene Gewerbe entwickelten sich bald. Zunächst fertigten die Seiffener vorrangig Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Teller, Spindeln oder Knöpfe.
Als Nebenprodukt entstanden schlichte Spielzeuge für Kinder. Daraus entwickelte sich die für ihre Perfektion und Qualität berühmt gewordene Seiffener Spielwarenmanufaktur, von deren Tradition man sich im örtlichen Spielzeugmuseum ein Bild machen kann.
So wird ein kleiner Ort nahe der tschechischen Grenze genannt - Seiffen. Der Name geht auf das Ausseifen zurück - eine Technik, um den Bodenschatz Zinn zu gewinnen.
Der Bergbau war Jahrhunderte lang wichtigste Einnahmequelle der Einheimischen. Doch zu geringe Ausbeute, technische Erschwernisse beim Zinnabbau und billige Importe führten bis Mitte des 19. Jahrhunderts zum Niedergang des Zinnbergbaus.
Um den Lebensunterhalt zu sichern, besannen sich viele auf das alte Handwerk der Holzbearbeitung. Verschiedene Gewerbe entwickelten sich bald. Zunächst fertigten die Seiffener vorrangig Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Teller, Spindeln oder Knöpfe.
Als Nebenprodukt entstanden schlichte Spielzeuge für Kinder. Daraus entwickelte sich die für ihre Perfektion und Qualität berühmt gewordene Seiffener Spielwarenmanufaktur, von deren Tradition man sich im örtlichen Spielzeugmuseum ein Bild machen kann.
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Ergebirgische Klöppelspitze
Neben der Holzschnitzkunst ist vor allem das Klöppeln, eine Technik zur Spitzenherstellung, eine wichtige erzgebirgische Tradition. Klöppeln ist eine Handarbeit, bei der Fäden mittels verschiedener Klöppel - das sind kleine, runde Holzstäbe - nach einem bestimmten Muster miteinander verknotet werden. Auf einem Klöppelsack oder -kissen, wird eine Musterzeichnung, der Klöppelbrief, befestigt, worauf wiederum die Fäden mit Stecknadeln fixiert werden.
Barbara Uthmann hat das Klöppeln im 16. Jahrhundert im Erzgebirge bekannt gemacht. Von ihrer Heimatstadt Annaberg aus errichtete sie ein gut funktionierendes Verlagswesen, mit dem sie das Handwerk rasch in der gesamten Region verbreitete. Heute wird die Tradition im Erzgebirge in den Klöppelschulen weiterhin gepflegt.
Neben der Holzschnitzkunst ist vor allem das Klöppeln, eine Technik zur Spitzenherstellung, eine wichtige erzgebirgische Tradition. Klöppeln ist eine Handarbeit, bei der Fäden mittels verschiedener Klöppel - das sind kleine, runde Holzstäbe - nach einem bestimmten Muster miteinander verknotet werden. Auf einem Klöppelsack oder -kissen, wird eine Musterzeichnung, der Klöppelbrief, befestigt, worauf wiederum die Fäden mit Stecknadeln fixiert werden.
Barbara Uthmann hat das Klöppeln im 16. Jahrhundert im Erzgebirge bekannt gemacht. Von ihrer Heimatstadt Annaberg aus errichtete sie ein gut funktionierendes Verlagswesen, mit dem sie das Handwerk rasch in der gesamten Region verbreitete. Heute wird die Tradition im Erzgebirge in den Klöppelschulen weiterhin gepflegt.




