Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Evolution

Infobox

1834, 16. Februar: Ernst Haeckel wird in Potsdam geboren.
1852: Abitur in Merseburg. Aufnahme des Medizinstudiums: Obwohl er sich bereits während der Schulzeit intensiv der Pflanzenkunde widmet, studiert Haeckel auf Wunsch der Eltern Medizin in Berlin, Würzburg und Wien.
1857: Promotion in Berlin
1858: Staatsexamen. Haeckel gibt die Medizinerlaufbahn jedoch auf und widmet sich der vergleichenden Anatomie und Zoologie.
1861: Habilitation an der Universität Jena mit einer Arbeit über die Ordnung von Rhizopoden (Wurzelfüßer).
1862: Berufung zum außerordentlichen Professor an der Medizinischen Fakultät für vergleichende Anatomie in Jena.
1865: Ordinarius für Zoologie. Übertritt zur Philosophischen Fakultät. Zeitlebens wird Haeckel in Jena bleiben.
1866: Haeckel trifft Charles Darwin in England. In Generelle Morphologie der Organismen bemüht sich Haeckel um den Ausbau von Darwins Lehre; er vertritt die Vorstellung vom Kosmos als "allumfassendes Naturganzes", das durch ein allgemeingültiges Kausalgesetz beherrscht wird. Einen Gott als "persönlichen Schöpfer" lehnt Haeckel ebenso ab wie die Trennung von Geist und Materie. In der Folgezeit formuliert er seinen Monismus.
ab 1869: Ausgedehnte Forschungsreisen in den Orient, nach Skandinavien, Dalmatien, Korfu, Korsika, Frankreich und Großbritannien.
1872: Haeckel formuliert das Biogenetische Gesetz: die Entwicklung des Individuums (Ontogenese) durchläuft nochmals die seiner Gattung (Phylogenese).
1874: Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des Menschen: Haeckel formuliert die Abstammung des Menschen von affenähnlichen Primaten.
ab 1874: Zahlreiche Veröffentlichungen sowie Kongress- und Vortragsreisen, um die so genannte Gastraea-Theorie vom einheitlichen Ursprung aller vielzelligen Tiere vorzustellen. Die Mannigfaltigkeit der organischen Formen führt Haeckel auf die selektive Wechselwirkung von Vererbung und Anpassung zurück.
1877: Haeckel fordert eine naturwissenschaftliche Ausrichtung der Volksschule und die Abschaffung des Religionsunterrichts.
1899: Veröffentlichung der Welträthsel. Haeckels populärstes Buch wird in 25 Sprachen übersetzt.
1910: Austritt aus der Evangelischen Kirche.
1914: In Gottnatur (Theophysis). Studien über die Monistische Religion formuliert Haeckel den Monismus als Vermittler von Religion und Naturwissenschaft.
1919, 9. August: Ernst Haeckel stirbt in seiner Villa Medusa in Jena. Den umfangreichen Nachlass und die Villa vermacht er der Universität.

Infobox

Woher hat der Mensch die Sprache?
Gewiss, schon Tiere kommunizieren über Laute - und beziehen daraus Vorteile unterschiedlicher Art. Das menschliche Sprachvermögen - als Ausdruck und Existenzform hoch entwickelten Bewusstseins - scheint jedoch eine eigene Qualität darzustellen. Menschen benutzen Sprache, um Wirklichkeiten zu erschaffen: Ohne Sprache gäbe es keine Naturgesetze, weil das Mittel fehlen würde, sie zu formulieren. Wissenschaft, Kunst, ja die menschliche Gesellschaft mit ihren ständig wechselnden Strömungen, Theorien und Vereinbarungen wären ohne Sprache undenkbar.

Welche evolutionären Vorteile aber bietet diese spezifisch menschliche Fähigkeit? Lässt Sprache sich überhaupt evolutionsbiologisch - als Ergebnis von Selektionsprozessen - deuten? Der Sprachwissenschaftler Noam Chomsky beantwortet die Frage mit einem klaren Nein. Für Chomsky ist die Funktionsweise des menschlichen Geistes eine Angelegenheit, die mit dem Instrumentarium des menschlichen Geistes niemals bis ins Letzte aufzuklären ist.

Vergleichbar argumentiert der US-amerikanische Evolutionsbiologe Stephen Jay Gould: Gould sieht im "Sprachmodul" des menschlichen Gehirns eher ein zufälliges Nebenprodukt unserer mentalen Architektur, nicht jedoch ein Resultat zielgerichteter Anpassung. Gould gelangt darüber hinaus zu dem Schluss, dass die Annahme falsch sei, alle oder auch nur die meisten Merkmale von Lebewesen seien durch natürliche Selektion zu erklären.