Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Gletscher

Infobox

Gepresster Schnee
Gletscher entstehen dort, wo im Jahresmittel mehr Schnee fällt als schmelzen kann. Frisch gefallener Pulverschnee, der eine sehr geringe Dichte aufweist und zu gut neunzig Prozent voll Luft ist, bildet die Basis. Bei jedem weiteren Schneefall verdichten sich die bereits liegenden Schichten unter dem ansteigenden Gewicht weiterer Schneekristalle und die mit Luft gefüllten Hohlräume werden zusammengepresst.

Warme Sonnenstrahlen und abtauendes Wasser verstärken den Prozess. Im Laufe eines Jahres entsteht das so genannte Firneis, welches einen Luftanteil von noch gut dreißig Prozent aufweist und am Untergrund festgefroren ist. Hat sich das Eis dann derart verdichtet, dass nur noch knapp zwei Prozent mit Luft gefüllt sind, spricht man von Gletschereis.

Unter dem Einfluss der Schwerkraft und dem der eigenen Masse beginnt sich ein Gletscher ab einem Durchmesser von dreißig Metern zu bewegen. Die Dauer seiner Entstehung unterscheidet sich je nach den klimatischen Gegebenheiten: In den wärmeren Alpen beispielsweise wandelt sich Schnee wegen der Schmelzprozesse im Sommer innerhalb weniger Jahre zu einem Gletscher. In der Antarktis hingegen bleiben warme Monate aus und die Transformation dauert Jahrzehnte.

Infobox

Europas Wasserturm
Gletscher speichern Süßwasser in Form von Eis. Im Sommer schmelzen sie auf der Oberfläche ab und füllen umliegende Gletscherbäche und Flüsse. Schneefälle im Winter "regenerieren" den Gletscher wieder. Die Erderwärmung aber gefährdet dieses Gleichgewicht, denn sie lässt im Sommer mehr Gletschereis schmelzen, als im Winter "nachwachsen" kann. In den Alpen, wo die Temperatur in den vergangenen einhundertfünfzig Jahren um zwei Grad Celsius gestiegen ist, haben die Gletscher bereits etwa die Hälfte ihrer Fläche verloren.

Das Ausmaß der Schneeschmelze beobachten Experten zum Beispiel am nördlichen Schneeferner, Deutschlands größtem Gletscher. Der gab im Rekordsommer 2003 täglich 35 Millionen Liter Wasser ab, rund ein Zehntel des Wasserverbrauchs der Region München. Bei anhaltender Wärme und damit verbundenem Abschmelzen der Gletscher wäre der nördliche Schneeferner in 15 bis 25 Jahren völlig verschwunden. Mit verheerenden Folgen für die Wasserwirtschaft: Gletscherbäche und Flüsse in dieser Region wären dann im Sommer nur noch dünne Rinnsale.

Vor dem Wassermangel, der aus der Gletscherschmelze folgt, droht jedoch noch eine andere Gefahr: Übergroße Mengen Schmelzwasser füllen Gletscherbäche bis an den Rand. Kommt dann starker Regen hinzu, treten die Bäche über die Ufer. Das führt wegen des engen Raums im Gebirge zu katastrophalen Überschwemmungen.