Alarmierendes Eis
Weltweit tauen Gletscher in beängstigendem Tempo. Die Schmelze ist ein Signal für den sich erhitzenden Erdball. Was sagen die tauenden Gletscher über das künftige Klima aus?Schicht für Schicht hat das Eis die Luft vieler Tausend Jahre gespeichert - ein Schatz für Klimaforscher.
Gletscher gelten als "Fieberthermometer der Erde": Je rascher sie schmelzen, desto höher ist das allgemeine Temperaturniveau und desto wahrscheinlicher ein drastischer Klimawandel. Gegenwärtig müssten wir es demnach mit einem gewaltigen Temperaturanstieg zu tun haben.
Ausgeprägtes Eigenleben
Ganz so einfach ist die Gleichung aber nicht: Zum einen beschreibt nicht nur die Lufttemperatur das Klima, auch Niederschlag, Wind, Luftfeuchte und Bewölkung spielen eine Rolle. Zum anderen haben Gletscher ein ausgeprägtes Eigenleben; selbst bei gleichbleibender Temperatur bewegen die Eismassen sich, wachsen oder schrumpfen. Aussagekräftige Rückschlüsse auf Klimaveränderungen lassen sich erst nach jahrelangem Beobachten ziehen, da diese natürlichen Prozesse sehr langsam ablaufen.
Ein Stück Klimageschichte
Die Gletscher der Antarktis entstanden im Laufe vieler Jahrtausende. Unterschiedlichste klimatische Begebenheiten haben ihre Spuren im Eis hinterlassen. Aus diesem Grund bohren Wissenschaftler derzeit mehrere Kilometer tiefe Löcher ins "ewige Eis". Bis zu 900.000 Jahre Klimageschichte dokumentieren die so gewonnenen Bohrkerne. Und heute sind sich Forscher sicher, dass es in der Antarktis durchaus Zeiten gab, in denen es wärmer war als heute.
Der Kanadagletscher in der Südantarktis: Von fast 2.000 Metern senkt er sich hinab bis auf wenige Meter über Normal Null.
Vor rund 125.000 Jahren ließen die schmelzenden Polkappen den Meeresspiegel gar um gut fünf Meter steigen. Dr. Frank Niessen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven erläutert: "Nur wenn wir wissen, wie stark das Eis in der Antarktis damals zurückgegangen ist, können wir abschätzen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Meeresspiegel in Zukunft haben wird."
"Ein paar Briketts drauf"
Ist die Gletscherschmelze nur ein natürlicher und sich zyklisch wiederholender Prozess? Diese Frage wird heute von fast allen Klimatologen verneint. Es herrscht Einigkeit darüber, dass vor allem die Industrialisierung und der erhöhte Ausstoß von Kohlendioxid für die überproportional hohe Temperaturzunahme und somit auch für das Schmelzen der Gletscher verantwortlich sind. "Wir leben bereits in einer Warmzeit und legen noch ein paar Briketts drauf", bringt Hans-Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) die Wechselbeziehung von Klima und Mensch auf den Punkt...
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Gepresster Schnee
Gletscher entstehen dort, wo im Jahresmittel mehr Schnee fällt als schmelzen kann. Frisch gefallener Pulverschnee, der eine sehr geringe Dichte aufweist und zu gut neunzig Prozent voll Luft ist, bildet die Basis. Bei jedem weiteren Schneefall verdichten sich die bereits liegenden Schichten unter dem ansteigenden Gewicht weiterer Schneekristalle und die mit Luft gefüllten Hohlräume werden zusammengepresst.
Warme Sonnenstrahlen und abtauendes Wasser verstärken den Prozess. Im Laufe eines Jahres entsteht das so genannte Firneis, welches einen Luftanteil von noch gut dreißig Prozent aufweist und am Untergrund festgefroren ist. Hat sich das Eis dann derart verdichtet, dass nur noch knapp zwei Prozent mit Luft gefüllt sind, spricht man von Gletschereis.
Unter dem Einfluss der Schwerkraft und dem der eigenen Masse beginnt sich ein Gletscher ab einem Durchmesser von dreißig Metern zu bewegen. Die Dauer seiner Entstehung unterscheidet sich je nach den klimatischen Gegebenheiten: In den wärmeren Alpen beispielsweise wandelt sich Schnee wegen der Schmelzprozesse im Sommer innerhalb weniger Jahre zu einem Gletscher. In der Antarktis hingegen bleiben warme Monate aus und die Transformation dauert Jahrzehnte.
Gletscher entstehen dort, wo im Jahresmittel mehr Schnee fällt als schmelzen kann. Frisch gefallener Pulverschnee, der eine sehr geringe Dichte aufweist und zu gut neunzig Prozent voll Luft ist, bildet die Basis. Bei jedem weiteren Schneefall verdichten sich die bereits liegenden Schichten unter dem ansteigenden Gewicht weiterer Schneekristalle und die mit Luft gefüllten Hohlräume werden zusammengepresst.
Warme Sonnenstrahlen und abtauendes Wasser verstärken den Prozess. Im Laufe eines Jahres entsteht das so genannte Firneis, welches einen Luftanteil von noch gut dreißig Prozent aufweist und am Untergrund festgefroren ist. Hat sich das Eis dann derart verdichtet, dass nur noch knapp zwei Prozent mit Luft gefüllt sind, spricht man von Gletschereis.
Unter dem Einfluss der Schwerkraft und dem der eigenen Masse beginnt sich ein Gletscher ab einem Durchmesser von dreißig Metern zu bewegen. Die Dauer seiner Entstehung unterscheidet sich je nach den klimatischen Gegebenheiten: In den wärmeren Alpen beispielsweise wandelt sich Schnee wegen der Schmelzprozesse im Sommer innerhalb weniger Jahre zu einem Gletscher. In der Antarktis hingegen bleiben warme Monate aus und die Transformation dauert Jahrzehnte.
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Europas Wasserturm
Gletscher speichern Süßwasser in Form von Eis. Im Sommer schmelzen sie auf der Oberfläche ab und füllen umliegende Gletscherbäche und Flüsse. Schneefälle im Winter "regenerieren" den Gletscher wieder. Die Erderwärmung aber gefährdet dieses Gleichgewicht, denn sie lässt im Sommer mehr Gletschereis schmelzen, als im Winter "nachwachsen" kann. In den Alpen, wo die Temperatur in den vergangenen einhundertfünfzig Jahren um zwei Grad Celsius gestiegen ist, haben die Gletscher bereits etwa die Hälfte ihrer Fläche verloren.
Das Ausmaß der Schneeschmelze beobachten Experten zum Beispiel am nördlichen Schneeferner, Deutschlands größtem Gletscher. Der gab im Rekordsommer 2003 täglich 35 Millionen Liter Wasser ab, rund ein Zehntel des Wasserverbrauchs der Region München. Bei anhaltender Wärme und damit verbundenem Abschmelzen der Gletscher wäre der nördliche Schneeferner in 15 bis 25 Jahren völlig verschwunden. Mit verheerenden Folgen für die Wasserwirtschaft: Gletscherbäche und Flüsse in dieser Region wären dann im Sommer nur noch dünne Rinnsale.
Vor dem Wassermangel, der aus der Gletscherschmelze folgt, droht jedoch noch eine andere Gefahr: Übergroße Mengen Schmelzwasser füllen Gletscherbäche bis an den Rand. Kommt dann starker Regen hinzu, treten die Bäche über die Ufer. Das führt wegen des engen Raums im Gebirge zu katastrophalen Überschwemmungen.
Gletscher speichern Süßwasser in Form von Eis. Im Sommer schmelzen sie auf der Oberfläche ab und füllen umliegende Gletscherbäche und Flüsse. Schneefälle im Winter "regenerieren" den Gletscher wieder. Die Erderwärmung aber gefährdet dieses Gleichgewicht, denn sie lässt im Sommer mehr Gletschereis schmelzen, als im Winter "nachwachsen" kann. In den Alpen, wo die Temperatur in den vergangenen einhundertfünfzig Jahren um zwei Grad Celsius gestiegen ist, haben die Gletscher bereits etwa die Hälfte ihrer Fläche verloren.
Das Ausmaß der Schneeschmelze beobachten Experten zum Beispiel am nördlichen Schneeferner, Deutschlands größtem Gletscher. Der gab im Rekordsommer 2003 täglich 35 Millionen Liter Wasser ab, rund ein Zehntel des Wasserverbrauchs der Region München. Bei anhaltender Wärme und damit verbundenem Abschmelzen der Gletscher wäre der nördliche Schneeferner in 15 bis 25 Jahren völlig verschwunden. Mit verheerenden Folgen für die Wasserwirtschaft: Gletscherbäche und Flüsse in dieser Region wären dann im Sommer nur noch dünne Rinnsale.
Vor dem Wassermangel, der aus der Gletscherschmelze folgt, droht jedoch noch eine andere Gefahr: Übergroße Mengen Schmelzwasser füllen Gletscherbäche bis an den Rand. Kommt dann starker Regen hinzu, treten die Bäche über die Ufer. Das führt wegen des engen Raums im Gebirge zu katastrophalen Überschwemmungen.



