Auge über dem Ozean
Tsunamis breiten sich mit hoher Geschwindigkeit aus und treffen mit verheerender Gewalt auf Küsten. Frühwarnsysteme können helfen, die Auswirkungen abzumildern.Dörfer auf Sumatra nach dem Tsunami im Dezember 2004. Bis weit ins Innere der Insel waren die Wellen vorgedrungen. (Bild: Philip A. McDaniel/US Navy)
23.000 Atombomben
Die natürlichen Kräfte, die die Katastrophe auslösten, waren gewaltig. Das Sumatra-Erdbeben hatte eine Stärke von 9,1 bis 9,3 auf der Richterskala und setzte so viel Energie frei wie 23.000 Nagasakibomben. Auf einer Länge von 1.200 Kilometer riss der Ozeanboden vor der Westküste Indonesiens auf. Der darauf folgende Tsunami traf ein Dutzend Länder in Ostafrika, Süd- und Südostasien. Rund eine Viertel Million Menschen verloren in den Fluten ihr Leben, die Hälfte davon in Indonesien.
Aktive Erdkruste
Dass die Erde bebt, ist in Indonesien nicht außergewöhnlich. Vor der Küste des Inselstaats, im Sundabogen, schiebt sich die indisch-australische Platte unter die eurasische Platte (Subduktion sagen Wissenschaftler dazu). Ähnlich aktiv ist die Erdkruste auch in anderen Gegenden, zum Beispiel an den Rändern des Stillen Ozeans, im so genannten Pazifischen Feuerring. Im Pazifik kommt es daher besonders häufig zu Tsunamis. Zum Schutz unterhalten zum Beispiel Japan und die USA Tsunamiwarnzentren: Bei Gefahr für Küsten und Inseln geben sie Warnungen heraus und veranlassen Evakuierungen und haben so die Chance, Auswirkungen von Tsunamis zu minimieren. Für den Indischen Ozean gab es bis vor kurzem kein solches System.
In Küstennähe werden Tsunamis richtig gefährlich: Je flacher das Wasser, umso höher türmen sie sich auf. (Grafik: ITIC)
Das sollte sich nach dem Dezember 2004 ändern: die Regierungen Indonesiens und Deutschlands einigten sich auf die Errichtung eines Frühwarnsystems im Sundabogen. Ein Konsortium aus neun deutschen Forschungseinrichtungen unter Federführung des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) in Potsdam entwickelte das German Indonesian Tsunami Early Warning System (GITEWS); am 11. November 2008 nahm es den Probebetrieb auf. Wie funktioniert das System, und kann es helfen, Menschen vor Tsunamis zu schützen?
Kompliziertes Unterfangen
Die Tsunamivorhersage ist ein kompliziertes technisches Unterfangen. Es beginnt mit Seismometern, die Erschütterungen des Erd- und Seebodens aufzeichnen. Seismometer des GITEWS sind so angeordnet, dass Beben im Sundabogen nach spätestens zwei Minuten von mindestens drei Stationen registriert werden. So lassen sich Position und Stärke von Erdstößen schnell feststellen. GPS-Daten geben Auskunft darüber, ob es Bewegungen der Erdkruste gegeben hat. Senkt oder hebt sich nämlich der Meeresboden, wird die gesamte Wassersäule darüber (im Sundabogen ist sie rund fünftausend Meter hoch!) mitbewegt. Solche Vertikalbewegungen des Wassers können Wellen hervorrufen, die sich zu Tsunamis auswachsen.
Kleine Wellen mit Tiefenwirkung
Auf dem Ozean sind Tsunamis zunächst harmlos. Zwar bewegen sie sich - abhängig von der Meerestiefe - mit Geschwindigkeiten von über achthundert Kilometern pro Stunde fort. Wegen geringer Höhen von rund fünfzig Zentimetern und Wellenlängen von mehreren hundert Kilometern sind sie von Schiffen aus allerdings kaum zu bemerken. Wie lassen sich also Wellen mit so geringer Höhe messen? Die Antwort liegt auf dem Meeresboden: in fünftausend Meter Tiefe hat das GITEWS Drucksensoren angebracht. Tsunamiwellen "drücken" ja bis auf den Grund des Ozeans. Vom Wind hervorgerufene Wellen hingegen sind zwar bis zu zwanzig Meter hoch, "kratzen" aber nur an der Oberfläche...
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Infobox
Nicht nur weit entfernte Küsten werden von Tsunamis heimgesucht - auch in Europa gibt es zahlreiche, jahrhundertealte Überlieferungen sowie aktuelle Meldungen von Wellen, die Küstenabschnitte zerstören. Besonders häufig betroffen ist das Mittelmeer, denn dort trifft die afrikanische Platte auf die eurasische Platte. So löste ein Erdbeben im Nordwesten der Türkei 1999 einen Tsunami aus, Mallorca wurde 2003 von Riesenwellen getroffen - Experten schätzen, dass es in den vergangenen zweitausend Jahren rund 250 gefährliche Tsunamis im Mittelmeer gegeben hat.
Als Ursachen kommen nicht nur Erdbeben in Frage. Auch Vulkanausbrüche und Bergstürze, bei denen in kurzer Zeit große Mengen von Wasser verdrängt werden, lösen Tsunamis aus. Im Dezember 2002 zum Beispiel stürzten von einer Flanke des Vulkans Stromboli 25 Millionen Kubikmeter Gestein ins Meer. Seitdem entwickeln Zivilschützer und Vulkanologen Notfallpläne für die Insel. Inzwischen gibt es Überlegungen, auch im Mittelmeer ein Frühwarnsystem einzurichten.
Als Ursachen kommen nicht nur Erdbeben in Frage. Auch Vulkanausbrüche und Bergstürze, bei denen in kurzer Zeit große Mengen von Wasser verdrängt werden, lösen Tsunamis aus. Im Dezember 2002 zum Beispiel stürzten von einer Flanke des Vulkans Stromboli 25 Millionen Kubikmeter Gestein ins Meer. Seitdem entwickeln Zivilschützer und Vulkanologen Notfallpläne für die Insel. Inzwischen gibt es Überlegungen, auch im Mittelmeer ein Frühwarnsystem einzurichten.
Infobox
"Mauer aus Wasser" nennt Ronald Warwick, Kapitän des Luxusliners Queen Elizabeth 2, ein Phänomen, dem er 1995 auf See begegnete. Riesige Wellen seien plötzlich aufgetaucht, mehr als dreißig Meter hoch sollen sie fast senkrecht in den Himmel geragt haben. Solche Monsterwellen, von denen Seeleute seit Jahrhunderten berichten, hielten Wissenschaftler lange Zeit für Seemannsgarn, hält die konventionelle Physik doch selbst bei schwerstem Sturm Wellenhöhen von maximal 15 Metern für möglich. Folglich werden Schiffe so gebaut, dass sie 17 Meter hohen Wellen widerstehen.
Erst als moderne Wetterbojen und Satelliten die scheinbar unmöglich hohen Kaventsmänner tatsächlich registrierten, fanden Riesenwellen die Aufmerksamkeit der Forscher. Ihre Entstehung ist nur mit komplexen Gleichungen aus der Quantenmechanik erklärbar. Vereinfacht gesagt, treffen schnellere Wellen auf langsamere, "saugen" deren Energie ab und verstärken sich dabei. Daraus resultierende Wellen können über dreißig Meter hoch werden, senkrecht aus dem Wasser ragen und sich sogar gegen den normalen Seegang bewegen. Folgen mehrere solcher Ungetüme dicht aufeinander, spricht man von den Drei Schwestern. Bis heute sind viele Eigenschaften von Monsterwellen noch unerforscht - Schiffe, die ihnen begegnen, sollten sie leicht schräg ansteuern und auf das Beste hoffen.
Erst als moderne Wetterbojen und Satelliten die scheinbar unmöglich hohen Kaventsmänner tatsächlich registrierten, fanden Riesenwellen die Aufmerksamkeit der Forscher. Ihre Entstehung ist nur mit komplexen Gleichungen aus der Quantenmechanik erklärbar. Vereinfacht gesagt, treffen schnellere Wellen auf langsamere, "saugen" deren Energie ab und verstärken sich dabei. Daraus resultierende Wellen können über dreißig Meter hoch werden, senkrecht aus dem Wasser ragen und sich sogar gegen den normalen Seegang bewegen. Folgen mehrere solcher Ungetüme dicht aufeinander, spricht man von den Drei Schwestern. Bis heute sind viele Eigenschaften von Monsterwellen noch unerforscht - Schiffe, die ihnen begegnen, sollten sie leicht schräg ansteuern und auf das Beste hoffen.




