Zwei Klimaphänomene
Auch in Europa ist es deutlich zu spüren: Es wird anhaltend wärmer auf diesem Planeten. Nur weshalb? Und wer, oder was, hat da wohl Schuld? Die Frage scheint beantwortet zu sein.Seit dem 2. Februar 2007 gilt als sicher: Die derzeitigen klimatischen Veränderungen sind nicht Teil eines natürlichen Klimawandels, der Mensch hat sie verursacht. Umkehren lassen sich die globale Erwärmung und ihre Folgen nicht mehr, nur noch eindämmen. Und selbst dazu bleiben uns nur wenige Jahre. So steht es in der Zusammenfassung des 4. Assessment Reports, die der Klimabeirat der UN (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC) an jenem Tag veröffentlichte.
Katastrophenstimmung
Plötzlich herrschte auch in Politik und Medien ein hitzigeres Klima. Während der Vorgängerbericht 2001 trotz ähnlicher Ergebnisse für wenig Aufsehen sorgte, waren die Zeitungen jetzt voll von Katastrophenszenarien und mitunter bizarren Vorschlägen für den Klimaschutz. Zwar hatten Medien schon zu Beginn der Klimadebatte in den 1980er Jahren auf ähnliche Weise die Angst vor dem globalen Super-GAU geschürt. Doch häufige Korrektur der Klimaprognosen führte zu wachsender Skepsis und Zurückhaltung in der Berichterstattung.
Hauptverursacher Mensch
Nun scheint unter Journalisten wie Politikern eine neue Einhelligkeit über den Einfluss des Menschen auf das Klima zu bestehen. Hatten sie sich zuvor oft in bequeme Scheinobjektivität geflüchtet - es sei nicht zu entscheiden, ob es sich bei den klimatischen Veränderungen um ein natürliches Phänomen oder doch um ein vom Menschen verursachtes Problem handele -, scheint seit der Veröffentlichung des 4. IPCC-Berichts die Schuld des Menschen am Klimawandel allgemein anerkannt zu sein.
20 Jahre Forschung
Wie kam es zu der Wahrnehmungsänderung? Gewiss überzeugen Forscher mit verbesserten Methoden und Simulationen. Außerdem liegen heute Daten aus zwanzig Jahren Klimaforschung vor. Auf dieser Basis lassen sich globale Trends besser einordnen und vorausberechnen. Zum Beispiel wird aus den Messdaten ersichtlich, dass elf der vergangenen zwölf Sommer überdurchschnittlich warm waren. Die "Jahrhundertsommer" häufen sich und können daher nicht mehr als einmalige Phänomene abgetan werden.
Durch erhöhten Ausstoß so genannter Treibhausgase ist die Temperatur in den letzten einhundert Jahren um 0,74 Grad Celsius gestiegen.
Gleichzeitig spricht das Ausmaß der Veränderungen, das weit über bisher bekannte Klimaschwankungen hinausgeht, gegen die Hypothese vom rein natürlichen Prozess. Im 4. IPCC-Bericht wird dementsprechend die Wahrscheinlichkeit, dass menschliche Einwirkung den Klimawandel hervorruft, nicht, wie noch im Vorgängerbericht, mit "über 66 Prozent" eingestuft, sondern mit einem Wert "größer als 90 Prozent".
Prognosen von gestern
Björn Lomborg, Professor an der Business School in Kopenhagen, betont, viele der im 4. IPCC-Bericht zusammengetragenen Ergebnisse seien weder neu noch dramatischer als die des Vorgängerberichts. So seien zum Beispiel die "Schätzungen des Temperaturanstiegs sowie der Hitze- und Kältewellen beinahe identisch mit jenen im Bericht von 2001". Außerdem habe man einige düstere Prognosen der früheren Berichte sogar deutlich nach unten korrigiert.
Unwahrscheinliches Szenario
Gingen Klimaforscher in den 1980er Jahren von einem Anstieg des Meeresspiegels von mehreren Metern bis 2100 aus, so rechnen die Wissenschaftler jetzt "nur noch" mit einem Anstieg um etwa 38,5 Zentimeter. Auch die Theorie, dass Europa eine neue Eiszeit drohe, falls sich in Folge des Klimawandels der warme Golfstrom abschwächt, entkräfteten die Wissenschaftler. Jedenfalls schätzen sie ein solches Szenario im aktuellen IPCC-Bericht als "sehr unwahrscheinlich" ein...
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IPCC
Das International Panel on Climate Change (IPCC) wurde 1988 von der Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gegründet. Seit 1990 gibt dieses UN-Gremium im Abstand von fünf Jahren so genannte Assessment Reports heraus, in denen der jeweilige wissenschaftliche Kenntnisstand zum Klimawandel zusammengefasst ist.
Der aktuelle vierte Assessment Report kommt zu dem Ergebnis, dass die derzeitigen klimatischen Veränderungen hauptsächlich und mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent durch den Menschen verursacht werden. Die vermehrte Emission von Treibhausgasen in der Industrie habe die Temperatur der erdnahen Atmosphäre in den letzten einhundert Jahren um durchschnittlich 0,74 Grad Celsius ansteigen lassen.
Wenn der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen nicht reduziert werde, sei bis 2100 mit einer Erwärmung um weitere 1,8 bis 4,0 Grad Celsius zu rechnen. Ferner sei davon auszugehen, dass sich mit der Erderwärmung einher gehende Veränderungsprozesse, wie das Abschmelzen der Gletscher und der Anstieg des Meeresspiegels, im Laufe der nächsten Jahrzehnte beschleunigten. Dadurch drohe eine zunehmende Verschlechterung der Lebensverhältnisse bis hin zur Zerstörung des Lebensraums von Millionen von Menschen.
Das International Panel on Climate Change (IPCC) wurde 1988 von der Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gegründet. Seit 1990 gibt dieses UN-Gremium im Abstand von fünf Jahren so genannte Assessment Reports heraus, in denen der jeweilige wissenschaftliche Kenntnisstand zum Klimawandel zusammengefasst ist.
Der aktuelle vierte Assessment Report kommt zu dem Ergebnis, dass die derzeitigen klimatischen Veränderungen hauptsächlich und mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent durch den Menschen verursacht werden. Die vermehrte Emission von Treibhausgasen in der Industrie habe die Temperatur der erdnahen Atmosphäre in den letzten einhundert Jahren um durchschnittlich 0,74 Grad Celsius ansteigen lassen.
Wenn der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen nicht reduziert werde, sei bis 2100 mit einer Erwärmung um weitere 1,8 bis 4,0 Grad Celsius zu rechnen. Ferner sei davon auszugehen, dass sich mit der Erderwärmung einher gehende Veränderungsprozesse, wie das Abschmelzen der Gletscher und der Anstieg des Meeresspiegels, im Laufe der nächsten Jahrzehnte beschleunigten. Dadurch drohe eine zunehmende Verschlechterung der Lebensverhältnisse bis hin zur Zerstörung des Lebensraums von Millionen von Menschen.



