Gegen den Strom
Um das Wüten einer Hochflut geht es in Theodor Storms Klassiker Der Schimmelreiter aus dem Jahr 1888. Die Flut wirft hier die Frage nach dem Sinn von aufklärerischem Engagement in abergläubischer Zeit auf.Theodor Storm im Jahr 1886 - zwei Jahre später erschien der Schimmelreiter, nur drei Monate vor dem Tod des Autors im Juli 1888.
Mit dem Teufel im Bunde
Was geschieht? Der grüblerische Sonderling Hauke Haien heiratet die Tochter des Deichgrafen und wird dessen Nachfolger. Er verwirklicht gegen den Widerstand der Dorfleute den Plan, einen Deich mit sanfterem Abfall zur Seeseite zu bauen.
Während des Baus kann er in letzter Minute verhindern, dass ein Hund als lebendiges Opfer in den Deich eingegraben wird. Als dann noch ein gebrechlicher Gaul unter Hauke zum prächtigen Schimmel gedeiht, und gleichzeitig ein Pferdegerippe von einer Hallig verschwindet, ist sich die Gemeinschaft sicher, dass der Deichgraf mit dem Teufel im Bunde ist.
Opfer für den Deich
Hauke Haien: aufklärerischer Geist in abergläubischer Zeit. (Bild: Franz Karl Basler-Kopp (1879 bis 1937))
Genau an der beschädigten Stelle erzwingen daraufhin die Wassermassen ihren Weg durch den alten Deich. Frau und Kind - herbeigeeilt, um nach dem Vater zu sehen - ertrinken. Seines Lebenssinnes beraubt, stürzt sich Hauke ins Meer.
Göttliche Strafe?
Ausgerechnet der kühle Rationalist Hauke Haien wird in der Folge zum gespenstischen Schimmelreiter verklärt, lebt in der Gestalt eines romantischen Mythos fort. Pessimistisch ist der Ausgang der Novelle: Das Potenzial der fortschrittlichen Ideen Haukes wird von der Dorfgemeinschaft verkannt, Missgunst und Aberglaube siegen über Vernunft und Humanität. Gleichmütig wird der Deichgraf der vermeintlichen Allmacht der Natur, seiner göttlichen "Strafe" übergeben.
Kathleen Niebl (aktualisiert 09.02.2012)
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Keen nich will dieken...
de mutt wieken - Wer nicht will deichen, der muss weichen: Bis ins 18. Jahrhundert oblag der Erhalt der Deiche den Leuten, die das Land hinterm Deich besaßen. Geregelt war das durch das Spadelandsrecht. Strenge Strafen erwarteten im Mittelalter diejenigen, die den Deichbau vernachlässigten: Schon das Beschädigen von Bäumen, die Deiche schützten, wurde mit Handabschlagen bestraft; durch wessen Deich die Flut brach, der kam selten mit dem Leben davon.
Zeit und Mittel zum Deicherhalt mussten die Landbesitzer selbst aufbringen. Vielen wurde die Belastung zu groß: Wer die Nase voll hatte und sein Land verließ, steckte einen Spaten in sein Deichstück. Der neue Besitzer musste dann den Spaten wieder herausziehen, als Zeichen dafür, dass er die Verantwortung am Deich übernahm. Erst während der Industrialisierung ging die Aufgabe des Küstenschutzes, und damit des Deichbaus, an den Staat über.
de mutt wieken - Wer nicht will deichen, der muss weichen: Bis ins 18. Jahrhundert oblag der Erhalt der Deiche den Leuten, die das Land hinterm Deich besaßen. Geregelt war das durch das Spadelandsrecht. Strenge Strafen erwarteten im Mittelalter diejenigen, die den Deichbau vernachlässigten: Schon das Beschädigen von Bäumen, die Deiche schützten, wurde mit Handabschlagen bestraft; durch wessen Deich die Flut brach, der kam selten mit dem Leben davon.
Zeit und Mittel zum Deicherhalt mussten die Landbesitzer selbst aufbringen. Vielen wurde die Belastung zu groß: Wer die Nase voll hatte und sein Land verließ, steckte einen Spaten in sein Deichstück. Der neue Besitzer musste dann den Spaten wieder herausziehen, als Zeichen dafür, dass er die Verantwortung am Deich übernahm. Erst während der Industrialisierung ging die Aufgabe des Küstenschutzes, und damit des Deichbaus, an den Staat über.
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Theodor Storm (1817 - 1888)
Der Husumer Autor von Novellen, Prosa und Gedichten ist einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Realismus.
Im Alter von sechzehn Jahren schrieb Storm erste Gedichte. Nach seinem Jurastudium in Kiel arbeitete er unter anderem als Rechtsanwalt in Husum und als Kreisrichter im thüringischen Heiligenstadt.
Theodor Storms heute bekanntestes Werk Der Schimmelreiter entstand in seinen letzten Lebensjahren und erschien nur wenige Monate vor seinem Tod. Heute gehört es in den meisten Bundesländern zur Schullektüre.
Der Husumer Autor von Novellen, Prosa und Gedichten ist einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Realismus.
Im Alter von sechzehn Jahren schrieb Storm erste Gedichte. Nach seinem Jurastudium in Kiel arbeitete er unter anderem als Rechtsanwalt in Husum und als Kreisrichter im thüringischen Heiligenstadt.
Theodor Storms heute bekanntestes Werk Der Schimmelreiter entstand in seinen letzten Lebensjahren und erschien nur wenige Monate vor seinem Tod. Heute gehört es in den meisten Bundesländern zur Schullektüre.




