"Meer vor der Haustür"...
ist die Ostsee für neun Staaten. Manches unterscheidet diese kleine See im europäischen Norden, ihre maximale Breite beträgt nur dreihundert Kilometer, von den Ozeanen: So sind die Gezeiten sehr gering; den Wasserstand bestimmen fast ausschließlich unregelmäßige Winde. Eine friedliche Badewanne ist die Ostsee trotzdem nicht.Hungrige See
Ganz im Gegenteil: Das Mare Balticum ist geradezu gefräßig: Rund zehn Hektar Land fallen ihm Jahr für Jahr zum Opfer. Drei Viertel der 352 Kilometer langen Küste Mecklenburg-Vorpommerns sind im Schwinden begriffen. Buhnen und Steinwälle waren schon immer nötig, um den Hunger der See wenigstens einzudämmen. Ohne Schutzanlagen würde regelmäßig eine Fläche geflutet werden, die dem Umfang des Großraums Berlin entspricht. Warnemünde, Rostock und Greifswald ständen unter Wasser. 163.000 Menschen wären in Gefahr. Bewegt gestaltet sich auch die innere Dynamik des Brackwasser-Meeres: Ungefähr alle 35 Jahre erneuert sich das Wasser vollständig. Über Kattegat und Skagerak strömt Frischwasser Richtung Osten.
Die Geburtsstunde
Vielleicht verhält sich die Ostsee deshalb so quirlig, weil sie noch ein relativ junges Meer ist: Vor etwa 14.000 Jahren erst - am Ende der letzten Eiszeit - begann ihre Geschichte. Die skandinavischen Eismassen schmolzen und aus dem Schmelzwasser wurde der Baltische Eisstausee. Als in Folge zunehmender Erwärmung eine Eisbarriere zwischen Eisstausee und Weltmeer brach, sank der Wasserspiegel zunächst dramatisch. Dann strömte Meerwasser ein - und über einen längeren Zeitraum, als Yoldiameer-Phase bezeichnet, herrschten in der zentralen Ostsee salzreiche Wasserarten vor.
Das Littorinameer
Erneut zur Binnensee wurde die Ostsee vor rund 9.500 Jahren: Durch Hebung des skandinavischen Landmassivs hatte sich die mittelschwedische Verbindung zu den großen Weltmeeren geschlossen. Ein Anstieg des globalen Meeresspiegels brachte vor etwa 8.000 Jahren die endgültige Verbrackung (Mischung von Salz- und Süßwasser) bei sporadischen Salzwassereinbrüchen mit sich. Geologen sprechen vom Littorinameer. In dieser Form hat sich die Ostsee im Wesentlichen bis heute erhalten.
Bewegte Geschichte
Anders als die geologische Geschichte, die nach Jahrtausenden rechnet, verlief die aufgeschriebene Geschichte der Ostsee von der frühen Neuzeit an ziemlich bewegt. Historisch markanteste Epoche war die Zeit der Hanse: Die Ostsee wurde Handelsraum in großem Maßstab. Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald im Ostseegebiet und über neunzig weitere Städte des nördlichen Europa hatten sich um das Jahr 1400 zum Städtebund zusammengeschlossen. Ihre Handelswege führten nach Skandinavien, Russland und Westeuropa. Auf Koggen transportierten sie die unterschiedlichsten Waren, zum Beispiel Getreide und Fische, vor allem Hering, Butter, Tuche und Salz. Als 1419 die Universität Rostock gegründet wurde, hatten Hanse-Kaufleute daran einen wichtigen Anteil.
Niedergang der Hanse
Erst am Beginn des 17. Jahrhunderts sank der Stern der Hanse; die Ostsee verlor wirtschaftspolitisch an Bedeutung. Neue Seewege wurden entdeckt und der Schwerpunkt des Handels verlagerte sich nach Westen. Auch der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) trug zum Niedergang des einst mächtigen Städtebundes bei. Immerhin befuhren 1636 noch 126 Rostocker Handelskoggen die Meere. Davon waren 1712 nur 31 Schiffe übrig geblieben. An die Hansezeit und an ihren berühmtesten "Outlaw", den Freibeuter Störtebeker, erinnern alljährlich von Juni bis August die Störtebeker-Festspiele in Ralswiek auf der Insel Rügen...
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Mit rund 413.000 Quadratkilometern Fläche und einem Wasservolumen von mehr als 20.000 Kubikmetern ist die Ostsee das größte Brackwassermeer der Erde. Ihre durchschnittliche Tiefe beträgt 52 Meter, der tiefste Punkt wurde bei 459 Metern gemessen. Die Ostsee trennt Skandinavien vom nordost- und mitteleuropäischen Festland. Neun Länder begrenzen das Mare Balticum: Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Russland, Finnland, Estland, Lettland und Litauen. Das Westende der Flensburger Förde ist der westlichste, St. Petersburg der östlichste Punkt der Ostsee. Ihr nördliches Ende liegt an der finnisch-schwedischen Grenze, ihre südlichste Stelle am Stettiner Haff. Die Ostsee ist reich an bewohnten und unbewohnten Inseln. Die größten Eilande sind Gotland und Öland (Schweden), Seeland und Fünen (Dänemark), Wollin (Polen), Usedom (Polen/Deutschland) sowie Rügen, Hiddensee und Fehmarn (Deutschland).
Verschiedene Küstenformen prägen die Landschaft: Schären, der Küste vorgelagerte kleine und kleinste felsige Inseln, bestimmen das Bild der schwedisch-finnischen Küste. An anderen Stellen, wie etwa auf Rügen, haben sich steil und schroff hervorragende Kliffküsten gebildet. Die Ostküste Schleswig-Holsteins und Jütlands (Dänemark) ist durch Förden genannte schmale, lange Buchten gekennzeichnet. Bodden prägen dagegen die vorpommersche Küste: Sie entstanden, als Sandablagerungen einstige Inseln miteinander verbanden und die rückwärtigen Gewässer so von der Ostsee abtrennten. Der Verlauf von Polens so genannter Ausgleichsküste ist fast gerade - von Westen her angeströmte Sedimente haben die eigentlich stark zergliederte Küste ausgeglichen. Zwischen Danzig und dem litauischen Klaipeda liegt die Haff- oder Nehrungsküste, geprägt durch Brackwasserreservoire und schmale Landzungen.
Mehrere Flüsse münden in die Ostsee; die größten sind Oder, Weichsel, Memel und Newa. Seit Jahrhunderten spielt die Ostsee eine wichtige Rolle als Verkehrs- und Handelsweg. Zahlreiche Häfen zeugen davon, in Deutschland etwa Rostock, Wismar, Lübeck und Kiel. Mit der Kadetrinne verläuft eine der am dichtesten befahrenen Seeschifffahrtsrouten durch die südliche Ostsee. Neben Handel, Fischerei und Werftindustrie ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftssektor im Ostseeraum. Neben dem Urlaub in den alten Seebädern wird der Kreuzfahrttourismus immer populärer.
Verschiedene Küstenformen prägen die Landschaft: Schären, der Küste vorgelagerte kleine und kleinste felsige Inseln, bestimmen das Bild der schwedisch-finnischen Küste. An anderen Stellen, wie etwa auf Rügen, haben sich steil und schroff hervorragende Kliffküsten gebildet. Die Ostküste Schleswig-Holsteins und Jütlands (Dänemark) ist durch Förden genannte schmale, lange Buchten gekennzeichnet. Bodden prägen dagegen die vorpommersche Küste: Sie entstanden, als Sandablagerungen einstige Inseln miteinander verbanden und die rückwärtigen Gewässer so von der Ostsee abtrennten. Der Verlauf von Polens so genannter Ausgleichsküste ist fast gerade - von Westen her angeströmte Sedimente haben die eigentlich stark zergliederte Küste ausgeglichen. Zwischen Danzig und dem litauischen Klaipeda liegt die Haff- oder Nehrungsküste, geprägt durch Brackwasserreservoire und schmale Landzungen.
Mehrere Flüsse münden in die Ostsee; die größten sind Oder, Weichsel, Memel und Newa. Seit Jahrhunderten spielt die Ostsee eine wichtige Rolle als Verkehrs- und Handelsweg. Zahlreiche Häfen zeugen davon, in Deutschland etwa Rostock, Wismar, Lübeck und Kiel. Mit der Kadetrinne verläuft eine der am dichtesten befahrenen Seeschifffahrtsrouten durch die südliche Ostsee. Neben Handel, Fischerei und Werftindustrie ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftssektor im Ostseeraum. Neben dem Urlaub in den alten Seebädern wird der Kreuzfahrttourismus immer populärer.




