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Ostsee

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"Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall unnergahn, wieldeß Se hat väl Böses dahn!" Dieser Fluch besiegelte das Schicksal Vinetas. Ihr Reichtum und ihr Hochmut stürzten die einst blühende Handelsmetropole ins Verderben. Dabei fing alles so friedlich an: Allerlei Völker - Griechen, Slawen, Wenden, Sachsen - lebten in Harmonie und trieben erfolgreich Handel mit Kaufleuten aus aller Welt.

Die Bürger Vinetas waren so reich, dass sie verschwenderisch wurden: Sie tranken aus silbernen Bechern, aßen von goldenen Tellern, die Kinder spielten mit Talern auf der Straße und selbst die Futtertröge der Schweine waren aus edelstem Metall. Ob solcher Prunksucht verärgert, schickte der Gott der Meere eine schreckliche Sturmflut, die Vineta mitsamt seiner Bewohner in die Tiefe riss.

Wo sich die Katastrophe ereignete, ist bis heute umstritten. Karten und Geschichten aus dem 15. und 16. Jahrhundert verorten Vineta vielfach vor der Küste Usedoms. Im 19. Jahrhundert begeisterten sich deutsche Romantiker für das Thema und woben es in ihre Arbeiten ein - häufig wurde der Ort Koserow auf Usedom zum Schauplatz des Geschehens.

Auf Rudolf Virchow, einen herausragenden Anatomen, Pathologen und begeisterten Archäologen geht dagegen die Wollin-Theorie zurück. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Virchow am rechten Mündungsarm der Oder zahlreiche Erdhügel, die sich als reich ausgestattete Gräber herausstellten. Virchow glaubte, hier Vineta gefunden zu haben.

In der Nähe fand der polnische Archäologe Wladislaw Filipowiak Mitte der 1950er Jahre Überreste einer slawischen Handelssiedlung: vier Häfen, mehrere Handwerkerviertel und Friedhöfe wurden in der Folgezeit freigelegt. Die mehr als 50.000 Fundstücke überzeugten Filipowiak, dass dies Vineta sei.

Ebenso überzeugt sind Dr. Klaus Goldmann und Günther Wermusch von ihrer Barth-Theorie. Mehr als eine heiße Spur haben aber auch sie nicht.