Drei Jahre dauerte die erste Umsegelung der Welt unter Magellan und Elcano. Nur eines von fünf Schiffen erreichte wieder Spanien.
Drei Ozeane durchquert
Mar pacífico - ruhiges Meer - nannte Magellan "seinen" Ozean, weil ein gütiger Gott die ohnehin von Meuterei, Schiffbruch und Skorbut gepeinigte Expedition während der Überfahrt zu den Philippinen von Stürmen verschonte. Dort, auf der Insel Matan, fiel Magellan von der Hand Einheimischer: am 27. April 1521. Sein Stellvertreter Juan Sebastián Elcano brachte die Kunde vom neuen Weltmeer auf dem einzig verbliebenen Schiff ins längst nicht mehr wartende Spanien. Die Welt war erstmals umsegelt, alle drei Ozeane durchquert.
Ungelöste Rätsel
War nun der Kosmos jener Zeit ein für allemal erforscht? Keineswegs. Denn seine Natur, seine Tiefen und Strömungen blieben ungelöste Rätsel. Zwar pflügten während der kommenden Jahrhunderte mehr und mehr Schiffe die Wellen, mehr und genauere Seekarten entstanden, doch alles kratzte, buchstäblich, nur an der Oberfläche. Dies soll die Taten eines Francis Drake, eines Abel Tasman, William Dampier, James Cook und vieler anderer nicht schmälern. Jeder von ihnen trug seinen Part dazu bei, das Bild unserer Welt abzurunden. Sie entdeckten Küsten, Inseln, Kontinente.
HMS Challenger 1873 auf hoher See: an Bord das erste Team zur Erkundung von Flora und Fauna der Ozeane.
Ursprung des Lebens
An 354 Stellen hatte man am Ende der Weltumrundung die Fauna der Tiefsee untersucht. Die Challenger-Expedition und die fast zeitgleiche Fahrt des deutschen Dampfers Gazelle gelten als Beginn der modernen Ozeanografie. Ernst Haeckel, der deutsche Naturforscher, stützte auf das Material seine Verteidigung des Darwinschen Entwicklungsgedankens. Haeckels Schlüssen verdanken wir zum guten Teil die Erkenntnis vom Lebensursprung im Ozean: die Einsicht also, dass der Ozean das Leben hervorbrachte wie einst der Kosmos die Erde.
Schiffe und Satelliten
Große Forschungsprojekte, besonders Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts, vertieften das Wissen von den Ozeanen: Vierzig Forschungsschiffe aus zwanzig Nationen waren etwa beteiligt an der Erkundung des Indischen Ozeans in den Jahren 1959 bis 1965. Das North Pacific Experiment (NORPAX, 1972 bis 1980) klärte Wechselbeziehungen zwischen Ozeanen und Weltklima, viele weitere Vorhaben schlossen sich an. Heute liefern vor allem Satelliten und auf dem Meeresgrund installierte Sensorsysteme Milliarden von Daten.
Kammmuscheln, Schlangesterne, Seeigel und Schwämme im McMurdo-Sund in der Antarktis: Trotz intensiver Forschung sind längst nicht alle Geheimnisse der Ozeane gelüftet. (Bild: Steve Clabuesch/NFS)
Dennoch gilt unter Experten als unbestritten, dass die Atmosphäre um unseren Planeten besser und gründlicher erforscht ist als die Ozeane. Deren Tiefen halten Phänomene bereit, welche die Wissenschaft immer wieder faszinieren: Um hydrothermale Quellen, bei ungeheurem Wasserdruck, sammelt sich Leben, das mitunter die Phantasien der Männer auf den Karavellen zu bestätigen scheint.
Gebirge sind unkartiert, mit denen verglichen die Alpen bescheidene Bodenerhebungen sind. Und - nicht zuletzt - die Ozeane bilden ein Nahrungsreservoir, das, allem Wachstum der Weltbevölkerung zum Trotz, Lebensmittel für Jahrhunderte liefern kann. Die Ozeane, jener Kosmos der Vergangenheit, sind nicht mehr unvermessen. Doch unermesslich ist das in ihnen schlummernde Potenzial.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 25.05.2011)
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Die Tiefsee ist der größte Lebensraum der Erde. 62,3 Prozent der Hülle des Blauen Planeten gehören dazu: alle Flächen, wo fester Boden mindestens fünfhundert Meter unter der Wasseroberfläche liegt.
Trotz Tiefseeforschung ist über die Verhältnisse dort relativ wenig bekannt. Erst als man Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Tiefseekabel legte, reifte die Idee, dass in der Tiefe Leben sein könnte. Heute vermuten Forscher mehr als zehn Millionen unentdeckte Arten.
Offenbar kommen die mit der fast vollständigen Finsternis und einem Druck von 100 bis 1.100 Atmosphären gut zurecht. Nicht nur Plankton gehört dazu, auch Seesterne, Seeanemonen und Krebse. Sogar Würmer und Fische überdauern im nur scheinbar lebensfeindlichen Biotop.
Trotz Tiefseeforschung ist über die Verhältnisse dort relativ wenig bekannt. Erst als man Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Tiefseekabel legte, reifte die Idee, dass in der Tiefe Leben sein könnte. Heute vermuten Forscher mehr als zehn Millionen unentdeckte Arten.
Offenbar kommen die mit der fast vollständigen Finsternis und einem Druck von 100 bis 1.100 Atmosphären gut zurecht. Nicht nur Plankton gehört dazu, auch Seesterne, Seeanemonen und Krebse. Sogar Würmer und Fische überdauern im nur scheinbar lebensfeindlichen Biotop.
Infobox
Ungeheuer des Meeres, wie sie die frühen Seefahrer oft zu erblicken glaubten, gibt es so wohl nicht. Einzige Ausnahme sind die Meerjungfrauen. Kein geringerer als Christoph Kolumbus berichtet von ihnen, gibt sogar Ort und Zeit ihres Auftretens an: vor der Küste Haitis, im Jahr 1492.
Kolumbus bleibt sogar frei von dem sonst einschlägigen Verdacht: Er habe, getrieben von sexuellem Frust - begreiflich nach der langen Reise -, überall schöne Frauenkörper gesehen. Denn der als zuverlässig geltende Beobachter und Tagebuchautor beschreibt die von ihm erspähten Geschöpfe als männlich(!) von Ausdruck, hässlichen Gesichts, unförmigen und recht plumpen Körpers.
"Meerjungfrauen" mussten es dennoch sein. Was sonst? Erst moderne Forscher fanden heraus, was Kolumbus da wahrscheinlich gesehen hat: Exemplare von Seekühen nämlich - einer Tierart, die damals in Europa absolut unbekannt war.
Kolumbus bleibt sogar frei von dem sonst einschlägigen Verdacht: Er habe, getrieben von sexuellem Frust - begreiflich nach der langen Reise -, überall schöne Frauenkörper gesehen. Denn der als zuverlässig geltende Beobachter und Tagebuchautor beschreibt die von ihm erspähten Geschöpfe als männlich(!) von Ausdruck, hässlichen Gesichts, unförmigen und recht plumpen Körpers.
"Meerjungfrauen" mussten es dennoch sein. Was sonst? Erst moderne Forscher fanden heraus, was Kolumbus da wahrscheinlich gesehen hat: Exemplare von Seekühen nämlich - einer Tierart, die damals in Europa absolut unbekannt war.



