Natürliche Schönheit
Plinius der Ältere beschrieb die Perle als Frucht der Muschel, deren Pracht vom Zustand des befruchtenden Tropfens abhänge. Mittlerweile ist das Rätsel um den Ursprung der Perle weitgehend geklärt.Voller Rätsel ist das Bild des Niederländers Jan Vermeer, das er wohl um 1665 malte: Das Mädchen mit dem Perlenohrring.
Das Dinner bestand letztlich nur aus zwei Gläsern Wein. Doch das reichte aus: Die Königin nahm einen ihrer beiden Perlenohrringe, löste das Kleinod in Wein auf und trank die kostbare Flüssigkeit. Die zweite Perle bot sie Marcus Antonius an. Der Feldherr aber gestand seine Niederlage ein und gab den Ohrring zurück.
Empfindliche Konsistenz
Ob wahr oder nicht, die Legende deutet zwei bemerkenswerte Eigenschaften von Perlen an: Erstens sind sie von empfindlicher Konsistenz und zweitens von hohem Wert. Aber lässt sich so ein Juwel tatsächlich in Wein auflösen, und sind Perlen mittlerweile nicht für jedermann erschwinglich?
Eine erste Antwort liefert der Entstehungsprozess einer Perle: Das begehrte Schmuckstück bildet sich überwiegend in Muscheln. Ursache ist ein in das Tier eingedrungener Fremdkörper. Als Reaktion sondert die Muschel Perlmutt ab, das sich in mehreren Schichten, in einem Jahre andauernden Prozess, um den Eindringling schließt und die Perle modelliert.
Mär des Sandkorns
Als sicher gilt mittlerweile, dass ein eingedrungenes Sandkorn nicht der Auslöser sein kann. Wäre dem so, würde die Muschel permanent von ihrem natürlichen Lebensraum bedroht und vermutlich wesentlich häufiger Perlen produzieren. Tatsache ist jedoch, dass nur wenige Muscheln Perlen formen. Zudem konnten Röntgenaufnahmen fertiger Perlen zeigen, dass keine anorganischen Fremdkörper im Kern zu finden waren.
Bekannt ist auch, dass einzig das Weichteilgewebe der unteren Muschelschale, das so genannte Epithel, in der Lage ist, Perlmutt auszubilden. Wahrscheinlich ist deshalb, dass jener Teil des Mantelgewebes durch Parasiten, wie zum Beispiel Larven von Saug- und Bandwürmern, in das Innere der Muschel gelangen muss, um anschließend Perlmutt um den Fremdkörper herum bilden zu können.
Die fertige Perle besteht zu neunzig Prozent aus den Kalziumkarbonatschichten des Perlmutts. Von Anzahl und Feinheit der Schichten hängt nicht nur der besondere Glanz einer Perle ab, sondern auch ihre "Haltbarkeit". So kann eine Perlenkette "altern" und bei unzureichender Pflege gar austrocknen. Das Schmuckstück verträgt weder allzu starke Temperaturschwankungen, noch absolute Dunkelheit, Luftarmut oder Säuren.
Auflösen ja - aber langsam
Es ist also durchaus denkbar, dass sich die Perle Kleopatras in Wein aufgelöst hat. Allerdings - und somit ist die Legende zumindest in diesem Punkt widerlegt - hätte der Vorgang selbst bei einem sehr hohen Säuregehalt des Weins mehrere Tage andauern müssen. Perlenbesitzern sei nahe gelegt, ihre empfindlichen Stücke kratzsicher aufzubewahren, sie nicht mit Kosmetika in Kontakt zu bringen und sie regelmäßig auszuführen. Worin aber liegt der enorme Wert dieses pflegebedürftigen Gegenstandes?
Perlen: früher schmückten sie allein die Reichen, Mächtigen und Schönen.
Riskante Prozedur
Meist wurden die Perlentaucher - oft indianischer Abstammung - an die vierzig Mal am Tag bis zu fünfzehn Meter tief ins Meer hinab gelassen, um dort innerhalb von einer Minute so viele Austern wie möglich zu sammeln. Bei der riskanten Prozedur verloren nicht wenige Taucher ihr Leben - durch Mangelernährung, Erschöpfung, Kälte oder auch infolge von Haiattacken. Andere erblindeten durch das Salzwasser.
Der so oder ähnlich erlangte Perlenschmuck ist seit Menschengedenken Symbol von Macht und Reichtum. Das gilt sogar heute, auch wenn dem natürlichen Wachstumsprozess seit knapp hundert Jahren künstlich nachgeholfen wird. Mit Beginn der Perlenzucht verlor nicht nur das gefährliche Perlentauchen an Bedeutung, vielmehr ließ auch der Preisboom auf den Märkten nach. Zwar war man bereits zuvor fähig, bestimmte Muscheln zur Perlenmodulation zu veranlassen, kugelförmig aber waren die fertigen Objekte so gut wie nie.
Vollrunde Perlen
Erst den Japanern um Kikichi Mikimoto gelang es Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts, vollrunde Perlen zu züchten. Dabei benutzten sie erstmals einen Zuchtkern aus der Schale einer anderen Muschel. Die gedrechselt runde Kugel arbeiteten sie in die Austern ein, worauf einige Muscheln Perlmutt um den Kern bildeten. Noch heute bedient man sich jener Technik, wobei die Form der späteren Perle von der Beschaffenheit des Zuchtkerns und dessen Lage in der Muschel abhängt.
Scheinbarer Vorteil
Anders als Edelsteine oder Edelmetalle sind Perlen somit in beliebigen Mengen produzierbar. Doch der scheinbare Vorteil bringt den Nachteil mit sich, dass nur ein verschwindend geringer Teil der gezüchteten Perlen auch tatsächlich brauchbar ist. Schließlich wird eine Perle so getragen, wie sie in der Muschel gewachsen ist. Nur rund dreißig Prozent der bei der Zucht verwendeten Perlaustern produzieren überhaupt Perlen, bescheidene drei Prozent erreichen die vollendete Kugelform. Mangelt es einer Perle an Glanz und Form, kann der Makel auch im späteren Verlauf nicht mehr behoben werden.
Heute entstammen fast alle Perlen, die als Schmuck verkauft werden, der Perlenzucht. Etwa siebzig Prozent davon kommen aus Japan. Höchstpreise erreichen allein solche Exemplare, die hinsichtlich Farbenpracht, Größe, Symmetrie, Glanz und Oberflächenbeschaffenheit vollkommen sind.
Nur durch Röntgenstrahlen
Kleopatras Perlen haben gewiss allen Schönheitsidealen genügt und wären auch heute noch unbezahlbar. Dank der Perlenzucht aber sind prachtvolle Ohrringe aus Perlen auch für Normalsterbliche erschwinglich. Das Aussehen einer Zuchtperle ist dem einer echten Perle, die diesen Namen allein tragen darf, jedenfalls verblüffend ähnlich: Der Experte kann nur mit Hilfe von Röntgenstrahlen gezüchtete von natürlich gewachsenen Perlen unterscheiden.
Björn Radermacher (aktualisiert 01.12.2011)
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Das Mädchen mit dem Perlenohrring...
ist das wohl berühmteste Gemälde des niederländischen Künstlers Jan Vermeer van Delft (1632 bis 1675). Die junge Frau auf dem Bild ist aus unmittelbarer Nähe und ohne erzählerische Attribute dargestellt, was das Porträt von den anderen Werken Vermeers deutlich abhebt. Es ist nicht bekannt, wer die Abgebildete ist. Es könnte sich um ein Modell handeln, vielleicht war das Bild aber auch eine Auftragsarbeit.
Der Hintergrund ist neutral und sehr dunkel, durch seine Vielfarbigkeit aber nicht schwarz. Der dunkle Hintergrund verstärkt die Helligkeit des Mädchens, insbesondere die seiner Haut. Es neigt den Kopf, was den Anschein von Gedankenverlorenheit hervorruft. Das Mädchen interagiert mit dem Betrachter; es blickt ihn direkt an und hält den Mund leicht geöffnet, was in der niederländischen Malerei häufig die Andeutung einer Ansprache des Bildbetrachters darstellt.
Die Kleidung des Mädchens wurde von Vermeer mit annähernd reinen Farben gemalt, die Anzahl der auf dem Bild vorhandenen Farben ist begrenzt. Die Jacke des Mädchens ist bräunlichgelb und bildet damit einen Kontrast zum blauen Turban und dem weißen Kragen. Der Turban mit dem gelben Tuch ist ein Zeichen für das in der damaligen Zeit vorhandene Interesse an der morgenländischen Kultur.
Im 15. Jahrhundert war diese Kopfbedeckung deshalb ein beliebtes Accessoire in Europa. Daneben fällt vor allem die Perle am Ohr des Mädchens auf, die aus der Schattenzone des Halses hervorsticht. Das um 1665 entstandene Meisterwerk ist im Mauritiushuis in Den Haag zu sehen.
ist das wohl berühmteste Gemälde des niederländischen Künstlers Jan Vermeer van Delft (1632 bis 1675). Die junge Frau auf dem Bild ist aus unmittelbarer Nähe und ohne erzählerische Attribute dargestellt, was das Porträt von den anderen Werken Vermeers deutlich abhebt. Es ist nicht bekannt, wer die Abgebildete ist. Es könnte sich um ein Modell handeln, vielleicht war das Bild aber auch eine Auftragsarbeit.
Der Hintergrund ist neutral und sehr dunkel, durch seine Vielfarbigkeit aber nicht schwarz. Der dunkle Hintergrund verstärkt die Helligkeit des Mädchens, insbesondere die seiner Haut. Es neigt den Kopf, was den Anschein von Gedankenverlorenheit hervorruft. Das Mädchen interagiert mit dem Betrachter; es blickt ihn direkt an und hält den Mund leicht geöffnet, was in der niederländischen Malerei häufig die Andeutung einer Ansprache des Bildbetrachters darstellt.
Die Kleidung des Mädchens wurde von Vermeer mit annähernd reinen Farben gemalt, die Anzahl der auf dem Bild vorhandenen Farben ist begrenzt. Die Jacke des Mädchens ist bräunlichgelb und bildet damit einen Kontrast zum blauen Turban und dem weißen Kragen. Der Turban mit dem gelben Tuch ist ein Zeichen für das in der damaligen Zeit vorhandene Interesse an der morgenländischen Kultur.
Im 15. Jahrhundert war diese Kopfbedeckung deshalb ein beliebtes Accessoire in Europa. Daneben fällt vor allem die Perle am Ohr des Mädchens auf, die aus der Schattenzone des Halses hervorsticht. Das um 1665 entstandene Meisterwerk ist im Mauritiushuis in Den Haag zu sehen.
Infobox
Perlen in afrikanischen Kulturen
Ganz allgemein versteht man unter Perlen gelochte, kugelähnliche Objekte, die sich auffädeln lassen. Sie werden aus diversen Rohmaterialien hergestellt und spielen nirgends sonst eine derart wichtige Rolle wie in Afrika. In den vielen Kulturen Afrikas sind die Schmuckstücke noch immer wesentlicher Bestandteil des Tauschhandels und Kommunikationsmittel zugleich.
Die Wüstenstämme Kenias beispielsweise nutzen Perlen als Teil ihrer zeremoniellen Kleidung, welche Alter, Familienstand und Status der Mitglieder bezeichnen. Als Grundstoff für Perlen kann dabei alles dienen, was fest und beständig ist: Metalle, Bernstein, Elfenbein, Straußeneierschalen, Kaurischnecken, Korallen, sogar Zähne sowie vor allem Glas und Stein.
Ganz allgemein versteht man unter Perlen gelochte, kugelähnliche Objekte, die sich auffädeln lassen. Sie werden aus diversen Rohmaterialien hergestellt und spielen nirgends sonst eine derart wichtige Rolle wie in Afrika. In den vielen Kulturen Afrikas sind die Schmuckstücke noch immer wesentlicher Bestandteil des Tauschhandels und Kommunikationsmittel zugleich.
Die Wüstenstämme Kenias beispielsweise nutzen Perlen als Teil ihrer zeremoniellen Kleidung, welche Alter, Familienstand und Status der Mitglieder bezeichnen. Als Grundstoff für Perlen kann dabei alles dienen, was fest und beständig ist: Metalle, Bernstein, Elfenbein, Straußeneierschalen, Kaurischnecken, Korallen, sogar Zähne sowie vor allem Glas und Stein.



