Zankapfel Krim
Im Jahr 1954 wies Nikita Chruschtschow die Krim der Ukraine zu. Das Problem: bis heute dominieren Russen das Leben auf der Halbinsel - und so entstehen Konflikte.Tausch mit Folgen: Stalin (im Bild rechts) vermachte Georgien das russische Süd- ossetien, Nikita Chruschtschow (links) wies der Ukraine die Krim-Halbinsel zu - der Grundstein für Konflikte war gelegt. (Bild: 1936)
58 Prozent Russen
Seitdem geht die Angst um in den Anrainerstaaten am Schwarzen Meer. Könnte der Kaukasuskrieg Moskau nicht auch anderswo als Vorbild dienen, um dort lebende Russen zu "schützen"? Vor allem die Ukraine fürchtet einen ähnlichen Konflikt um die zu ihrem Staatsgebiet gehörende, 1991 gegründete Autonome Republik Krim. Immerhin sind 58 Prozent der knapp zwei Millionen Einwohner Russen und nur 26 Prozent Ukrainer, während sich der Rest der Bevölkerung aus Krimtataren, Polen, Usbeken, Griechen und anderen Nationalitäten zusammensetzt.
Russisch für alle Zeiten
Die Frage, wer rechtmäßig Anspruch auf die rund 26.000 Quadratmeter große Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer erheben darf, bewegt schon lange die Gemüter. Zumal die Krim über Jahrhunderte, so der Autor Neal Ascherson, "jedem und niemanden gehörte". Wohnten dort in der Antike Skythen, Griechen und Römer, folgten im Zuge der Völkerwanderung Goten, Hunnen und Tataren.
Im Mittelalter herrschten die Mongolen, bevor die Krim im 15. Jahrhunderts schließlich in die Hände der Osmanen fiel. Rund dreihundert Jahre später annektierte Russland die Halbinsel, die Katharina II. im Jahr 1783 "von nun an und für alle Zeiten" als russisch deklarierte. Auf die Zarin geht auch die Gründung des Flottenstützpunktes Sewastopols am Südzipfel der Krim zurück, der bis heute Militärhafen der Schwarzmeerflotte ist.
Heimstätte großer Künstler
Für die nächsten 171 Jahre blieb die Krim russisch - bis Nikita Chruschtschow die Halbinsel im Tausch gegen Belgorod im Jahr 1954 der ukrainischen Sowjetrepublik zuwies. Äußerer Anlass war der 300. Jahrestag des Vertrages von Perejaslaw, in dem ukrainische Kosaken dem russischen Zaren 1654 die Treue schworen. Nur hatte die Krim außer ihrer geographischen Nähe nie etwas mit der Ukraine zu tun. In den Köpfen der Bewohner gehörte die Krim daher weiterhin zu Russland - nicht zuletzt, weil die Region zumindest zeitweise eine Heimstätte großer russischer Künstler wie Puschkin, Tolstoj oder Tschechow war...
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Infobox
Im Sommer 2008 wurde der Kaukasus zum Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Georgien und Südossetien. Die Wurzeln des Konflikts reichen bis in die Regierungszeit Stalins zurück, der das seit 1774 zu Russland gehörige Südossetien in den 1920er Jahren der damaligen Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik zugewiesen hatte.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 strebten Südossetien und sein Nachbar Abchasien die Autonomie an, während Georgien die beiden abtrünnig gewordenen Regionen als georgisches Territorium betrachtet. Im August 2008 eskalierten die einen Monat zuvor begonnenen Kampfhandlungen zwischen georgischen Soldaten und südossetischen Milizen, woraufhin Russland Georgien umzingelte und angriff.
Das offizielle Eingreifen in den Krieg begründete Moskau unter anderem damit, es müsse seine Landsleute in Ossetien und Abchasien vor der Gewalt georgischer Truppen retten, denn die Mehrheit der Bevölkerung sind russische Staatsbürger. Beide Konfliktparteien werfen sich gegenseitig ethnische Säuberungen vor.
Trotz des Friedensabkommens vom 16. August halten die Spannungen an, denn Russland hat wenige Wochen später, ungeachtet internationaler Proteste, Südossetien und Abchasien als unabhängige Staatsgebilde anerkannt. Georgien befürchtet nun, die Anerkennung der beiden Republiken sei nur ein erster Schritt Russlands, die Gebiete später zu annektieren.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 strebten Südossetien und sein Nachbar Abchasien die Autonomie an, während Georgien die beiden abtrünnig gewordenen Regionen als georgisches Territorium betrachtet. Im August 2008 eskalierten die einen Monat zuvor begonnenen Kampfhandlungen zwischen georgischen Soldaten und südossetischen Milizen, woraufhin Russland Georgien umzingelte und angriff.
Das offizielle Eingreifen in den Krieg begründete Moskau unter anderem damit, es müsse seine Landsleute in Ossetien und Abchasien vor der Gewalt georgischer Truppen retten, denn die Mehrheit der Bevölkerung sind russische Staatsbürger. Beide Konfliktparteien werfen sich gegenseitig ethnische Säuberungen vor.
Trotz des Friedensabkommens vom 16. August halten die Spannungen an, denn Russland hat wenige Wochen später, ungeachtet internationaler Proteste, Südossetien und Abchasien als unabhängige Staatsgebilde anerkannt. Georgien befürchtet nun, die Anerkennung der beiden Republiken sei nur ein erster Schritt Russlands, die Gebiete später zu annektieren.



