Ewige Sonne?
Die gute Nachricht zuerst: Unsere Sonne wird noch lange ins All hinaus strahlen. Nun die schlechte: Sie hat rund die Hälfte ihrer Zeit bereits hinter sich - in knapp fünf Jahrmilliarden frisst uns ganz bestimmt ein Roter Riese.März 2004: die Sonne, aufgenommen vom extraterrestrischen Soho-Observatorium. Bild: Soho (ESA & NASA)
Der leuchtende Morgen
Schwerkraft bewirkte, dass viele Teilchen Richtung Zentrum strebten, wodurch der Druck im Inneren wuchs. Reibungsenergie erzeugte Hitze; der Protostern leuchtete auf. Es war der Morgen der Sonne, ihre Geburt aus den Trümmern eines vorangegangenen Planetensystems.
Fusionen in der Tiefe
Über Millionen Jahre nimmt die Teilchendichte dann derart zu, dass die Wasserstoffatome im Inneren der Ur-Sonne zerfallen. Freigesetzte Protonen stoßen sich wegen ihrer positiven Ladungen ab. Bald ist der steigende Druck jedoch größer als die elektromagnetische Kraft der atomaren Teilchen. Die Protonen verschmelzen.
Bei der Fusion wird Energie freigesetzt, die dem Zusammenfall des Protosterns entgegen wirkt. Innen- und Außendruck halten sich nun auf lange Zeit die Waage. Die Sonne hat einen stabilen Zustand erreicht. Sie ist ein Feuerball mit einem Durchmesser von 1,392 Millionen Kilometern und bildet das Zentrum für neun Planeten, die unbeirrbar im Bann ihrer Schwerkraft kreisen. So kennen wir die Sonne heute. Was wird die Zukunft bringen?
Planetenschlucker
Sämtliche Wasserstoff-Ressourcen im Sonnenkern genügen für etwa zehn Milliarden Jahre, um die Stabilität der gewaltigen Kugel aufrecht zu halten. Etwa die Hälfte dieser Zeit scheint verstrichen zu sein. Nach ihrem Ablauf werde sich die Kernfusion an den Rand der Zentralregion verlagern, meinen Physiker und Kosmologen. Im gleichen Maß beginne sich die Hülle auszudehnen. Die Sonne werde zu einem Roten Riesen. Innerhalb weniger Millionen Jahre könnte der anschwellende Riesenkörper Merkur, Venus und auch die Erde schlucken.
Wenn seine Atmosphäre den Sonnen-Körper nicht mehr zusammenhalten kann, expandiert die Gasmasse als gewaltiger Sturm in das Planetensystem, und der übrig bleibende Zentralstern, auch Weißer Zwerg genannt, verglimmt langsam zu einer Aschekugel. Aus den ins All fliegenden Aschewolken und Gasmassen bilden sich erneut Gasbälle, Sterne, Sternenhaufen - ein neues Sonnensystem.
Und schon ist Halbzeit
Diese Erkenntnisse über Geburt und Tod solarer Himmelskörper verschafft sich der Mensch ungefähr zur Halbzeit der Lebensdauer seiner "eigenen" Sonne. Wie gering, schon im Vergleich der Zeitdimensionen, die Bedeutung menschlicher Existenz im Universum ist, legen solche Einsichten nahe: Die biologische Evolution von der Ur-Suppe zum höchst entwickelten Lebewesen umfasst gerade einmal den Zeitraum - nämlich eine Milliarde Jahre -, den tausend Energieteilchen nacheinander brauchen, um aus der Mitte der Sonne zur Erde zu gelangen.
Beruhigendes Muster
Dabei waren die Entwicklungssprünge auf dem Blauen Planeten - in kosmisch kürzester Zeit - derart riesig, dass sich eine Zukunft der Menschheit, über die Lebensdauer der Sonne hinaus, als kaum fassbar erweist. Die Sonne wird für den Menschen wohl immer leuchten. Andererseits erkennen wir im zyklischen Prozess von werdenden, vergehenden und neu entstehenden Planetensystemen das beruhigende Muster der Wiederkehr, in dem sich die Idee der Unendlichkeit manifestiert.
Katja Bose (25.03.2004)
Infobox
Der Mensch...
nimmt das Leben spendende Himmelsgestirn vielleicht seit 2,5 Millionen Jahren wahr. Zu diesem Zeitpunkt spaltete sich der Hominidenstamm in eine später aussterbende sowie eine überlebende Linie auf. Am Ende steht der Homo sapiens.
Von kultureller Evolution kann man wohl erst seit 400.000 Jahren sprechen. Das belegen etwa Funde aus dem thüringischen Bilzingsleben. Entdeckt wurden nicht nur hoch entwickelte Werkzeuge des Homo erectus, sondern auch Hinweise auf einen Sonnen-Ritualplatz. Sollte dies bedeuten, dass kosmologisches Wissen bereits damals vorhanden war?
Weitere 300.000 Jahre später stehen wir am Beginn des modernen Menschen. Er verankert die Bedeutung der Sonne für die Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde in seiner Zeitrechnung - und entschlüsselt in wenigen Jahrhunderten Vergangenheit und Zukunft unseres Sonnensystems.
nimmt das Leben spendende Himmelsgestirn vielleicht seit 2,5 Millionen Jahren wahr. Zu diesem Zeitpunkt spaltete sich der Hominidenstamm in eine später aussterbende sowie eine überlebende Linie auf. Am Ende steht der Homo sapiens.
Von kultureller Evolution kann man wohl erst seit 400.000 Jahren sprechen. Das belegen etwa Funde aus dem thüringischen Bilzingsleben. Entdeckt wurden nicht nur hoch entwickelte Werkzeuge des Homo erectus, sondern auch Hinweise auf einen Sonnen-Ritualplatz. Sollte dies bedeuten, dass kosmologisches Wissen bereits damals vorhanden war?
Weitere 300.000 Jahre später stehen wir am Beginn des modernen Menschen. Er verankert die Bedeutung der Sonne für die Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde in seiner Zeitrechnung - und entschlüsselt in wenigen Jahrhunderten Vergangenheit und Zukunft unseres Sonnensystems.


