Donnernde Wasser
Die Niagarafälle sind eines der größten und schönsten Naturwunder Nordamerikas. Manch Kritiker sieht in dem Besuchermagneten allerdings zunehmend ein "verkitschtes Spektakel"."Vom Hufeisen oben stürzen sie alle trennungslos herab und zerfleischen sich dann, zerreißen sich, erbrüllen sich... Eine nie gesehene Schlacht. ...dies Gepeitsch. Dies Gesprüh'. Ohne Pause. Ohne Nachlassen. Dies Gebrüll. Dies Gekreisch. Dies Gepfeif. Dies Heulgezisch. Dieser wandergepustete Dunst. Dieser Rasetod. Dieser Kochwirbel. Es ist die Hölle", schrieb der Berliner Theaterkritiker Alfred Kerr 1922 nach dem Besuch der Niagarafälle.
Millionenfaches Staunen
Die Hölle ist bequem zu erreichen. Es geht weder durch enge Schluchten oder dunkle Wälder noch über steile Gebirgswege. Wildnis sieht anders aus als das, was sich an der Grenze zwischen den USA und Kanada präsentiert. Dennoch - oder vielleicht auch deshalb - kommen Jahr für Jahr knapp zwölf Millionen Menschen hierher, um das faszinierende Naturschauspiel zwischen Erie- und Ontariosee zu bestaunen.
Inmitten eines urbanen Umfelds aus Souvenirläden, Aussichtstürmen und Hotelbunkern schäumt und sprudelt es wild. "Donnernde Wasser" - Niagara - nennen die indianischen Ureinwohner das Spektakel: etwa 57 Meter stürzt hier der gleichnamige Fluss, der die beiden Seen auf einer Länge von 56 Kilometern verbindet, in die Tiefe.
Schiefer, Sandstein, Dolomit
Die Wasserfälle entstanden vor circa zwölftausend Jahren, als schmelzendes Gletschereis den Eriesee zum Überlaufen brachte. Das daraus resultierende Gewässer fließt über die Klippen des so genannten Niagara Escarpment - eine fünfhundert Millionen Jahre alte Felsplatte, die der Niagara River im Laufe der Zeiten nach und nach erodierte. Das harte Dolomitgestein an der Oberfläche stürzte auf die darunter liegende weiche Gesteinsschicht aus Schiefer und Sandstein - die Niagarafälle waren das Ergebnis.
Gebremste Fälle
Ein geologischer Prozess, der noch immer anhält: Seit ihrer Entstehung wanderten die Fälle bereits mehr als elf Kilometer rückwärts in Richtung Eriesee. Verlangsamt wird die Erosion jedoch durch die Ableitung von Wasser zur Erzeugung elektrischen Stroms: Ende des 19. Jahrhunderts begann man mit dem Bau von Tunneln und Kanälen, um den Fluss oberhalb der Fälle zu den einigen Kilometern entfernten Wasserkraftwerken umzuleiten. Statt etwa 6.000 passieren jetzt "nur" noch rund 2.800 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Fälle, nachts wird der Fluss sogar noch einmal auf die Hälfte gebremst.
Ist der Besuch der Niagarafälle heute also nur noch das halbe Vergnügen? Wohl kaum. Der Eingriff in die Natur hat zwar die Wassermenge drastisch reduziert und dadurch die Wucht der Fälle vermindert - ihr Anblick aber bleibt spektakulär.
Mit Regenbogen geschmückt
Und die Möglichkeiten, das Schauspiel hautnah zu erleben, sind vielfältig: Auf der den Niagara River in mehrere Wasserfälle teilenden Goat Island (Ziegeninsel) kann man an die Abbruchkante der kanadischen Horseshoe Falls herantreten - einen halben Meter nur ist man dort, durch ein Geländer geschützt, vom tosenden Spektakel entfernt.
Die fast achthundert Meter lange Kante in Form einen Hufeisens verbindet die USA und Kanada miteinander. Rund neunzig Prozent der Wassermenge stürzt hier unaufhörlich in die Tiefe. Die restlichen zehn Prozent fließen auf einer Breite von etwa 330 Meter über die "amerikanischen" Fälle - die Rainbow Falls (Regenbogen-Fälle) und die Bridal Veil Falls (Brautschleier-Fälle). An sonnigen Tagen ist die riesige Gischtwolke mit Regenbogen geschmückt - und nachts wird der Romantik mit künstlichem Licht nachgeholfen, das die Wasserfäden in alle Farben des Regenbogens taucht.
Nass bis auf die Knochen
Besonders beliebt bei Touristen ist der Journey behind the Falls: Ein etwa dreißig Meter tief in den Felsen geschlagener Tunnel führt hinter den Horseshoe Falls vorbei zu einer Aussichtsplattform und öffnet dort den Blick auf die Rückseite des Wasservorhangs. Trotz zuvor ausgeteilter Regenmäntel und -hüte handelt es sich dabei um eine äußerst feuchte Angelegenheit. Nass bis auf die Knochen wird auch derjenige, der eines von vier Maid of the Mist-Booten besteigt und sich damit direkt an den Wassernebel heranfahren lässt.
Hochseil und Holzfass
Einigen Menschen waren solche Kontakte mit den donnernden Wassern aber nicht aufregend genug. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts balancierte der französische Hochseilartist Jean François Gravelet über die Fälle, 1901 stürzte sich Annie Taylor in einem Holzfass die Wassermassen hinunter - und überlebte. Taylor wurde zum Vorbild zahlreicher anderer Wagemutiger - die aber nicht selten scheiterten. Auch viele Selbstmörder setzten hier ihrem Leben ein Ende. Wer sich heute, aus welchem Grund auch immer, in die Tiefe stürzt und überlebt, wird übrigens verhaftet. Seit den 1950er Jahren sind Mutproben an den Niagarafällen offiziell verboten.
Ulrike Wolf (10.05.2007)
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Positive Effekte
"Unnachahmlich sind die Grade des Spritzbades. Vom feinsten Staub des Wassers zum allgewaltigen Strom, vom lieblichen Lüftchen bis zum Sturmwind gibt es die verschiedensten Stufen der Stärke und Wirkung. Äußere Entzündungen würde der feine Staub, das linde Spritzbad heilen, durch Kraftlosigkeit und Schwäche entstandene Schmerzen würde der starke Reiz des mächtigen Spritzbades helfen..."
Bereits 1808 beschrieb ein Salzburger Arzt die positiven Effekte von Wasserfällen. Allerdings ging das Wissen um ihren Nutzen als Quelle der Gesundheit im Laufe der Zeit verloren. Eine Studie österreichischer Forscher konnte 2004 dann den wissenschaftlichen Beweis erbringen: Die hohe Konzentration an negativen Luftionen - die so genannte Wasserfallelektrizität, bei der durch die Bewegung der Wasserteilchen in der Luft oder bei ihrem Aufprall am Boden Reibungselektrizität erzeugt wird - stimuliere das Immunsystem und verringere zudem die Anfallshäufigkeit bei Allergikern und Asthmatikern.
Speziell über den Atemtrakt erlangten die negativen Luftionen medizinische Wirksamkeit. Im Bereich der Nasenwege würden sie ihre Ladung an die Schleimhäute abgeben und dadurch die Beweglichkeit der Flimmerhärchen erhöhen, was zu einer stärkeren Reinigungswirkung der Schleimhäute führt.
"Unnachahmlich sind die Grade des Spritzbades. Vom feinsten Staub des Wassers zum allgewaltigen Strom, vom lieblichen Lüftchen bis zum Sturmwind gibt es die verschiedensten Stufen der Stärke und Wirkung. Äußere Entzündungen würde der feine Staub, das linde Spritzbad heilen, durch Kraftlosigkeit und Schwäche entstandene Schmerzen würde der starke Reiz des mächtigen Spritzbades helfen..."
Bereits 1808 beschrieb ein Salzburger Arzt die positiven Effekte von Wasserfällen. Allerdings ging das Wissen um ihren Nutzen als Quelle der Gesundheit im Laufe der Zeit verloren. Eine Studie österreichischer Forscher konnte 2004 dann den wissenschaftlichen Beweis erbringen: Die hohe Konzentration an negativen Luftionen - die so genannte Wasserfallelektrizität, bei der durch die Bewegung der Wasserteilchen in der Luft oder bei ihrem Aufprall am Boden Reibungselektrizität erzeugt wird - stimuliere das Immunsystem und verringere zudem die Anfallshäufigkeit bei Allergikern und Asthmatikern.
Speziell über den Atemtrakt erlangten die negativen Luftionen medizinische Wirksamkeit. Im Bereich der Nasenwege würden sie ihre Ladung an die Schleimhäute abgeben und dadurch die Beweglichkeit der Flimmerhärchen erhöhen, was zu einer stärkeren Reinigungswirkung der Schleimhäute führt.
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Die Victoria-Fälle
Am 16. November 1855 erblickte der schottische Missionar und Forschungsreisende David Livingston als erster Europäer den größten Wasservorhang der Erde - und benannte ihn zu Ehren seiner Königin Victoria Falls.
Auf einer Breite von mehr als 1.700 Metern ergießen sich die Wassermassen des Flusses Sambesi an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia über eine 110 Meter hohe Felswand. Bis zu dreihundert Meter steigt der Sprühnebel auf - ein Schauspiel, das noch in dreißig Kilometern Entfernung zu beobachten ist und den Victoria-Fällen in der Sprache der einheimischen Kololo den Namen Donnernder Rauch einbrachte.
Umgeben ist der Wasserfall von einem rund siebzig Quadratkilometer großen Naturschutzpark, dessen tropische Vegetation sich der Feuchtigkeit des Sprühnebels verdankt. 1989 erklärte die UNESCO die Victoria-Fälle zum Weltnaturerbe. Jedoch führte dieser Titel auch zu Konflikten zwischen Befürwortern von Staudammprojekten, die den Sambesi als Energielieferant nutzen wollen, und Naturschützern, die vor einer Bedrohung der einzigartigen Flora und Fauna warnen. Darüber hinaus werden auch Einbußen im einträglichen Tourismusgeschäft befürchtet.
Am 16. November 1855 erblickte der schottische Missionar und Forschungsreisende David Livingston als erster Europäer den größten Wasservorhang der Erde - und benannte ihn zu Ehren seiner Königin Victoria Falls.
Auf einer Breite von mehr als 1.700 Metern ergießen sich die Wassermassen des Flusses Sambesi an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia über eine 110 Meter hohe Felswand. Bis zu dreihundert Meter steigt der Sprühnebel auf - ein Schauspiel, das noch in dreißig Kilometern Entfernung zu beobachten ist und den Victoria-Fällen in der Sprache der einheimischen Kololo den Namen Donnernder Rauch einbrachte.
Umgeben ist der Wasserfall von einem rund siebzig Quadratkilometer großen Naturschutzpark, dessen tropische Vegetation sich der Feuchtigkeit des Sprühnebels verdankt. 1989 erklärte die UNESCO die Victoria-Fälle zum Weltnaturerbe. Jedoch führte dieser Titel auch zu Konflikten zwischen Befürwortern von Staudammprojekten, die den Sambesi als Energielieferant nutzen wollen, und Naturschützern, die vor einer Bedrohung der einzigartigen Flora und Fauna warnen. Darüber hinaus werden auch Einbußen im einträglichen Tourismusgeschäft befürchtet.



