Wüst gemacht
Auch wenn den Nomaden ihr Leben gefällt und sie sich den "Gesetzen der Wüste" unterordnen, in anderen Teilen der Erde fürchtet sich die Bevölkerung vor der Desertifikation. Breiten sich die Wüsten aus?Die Schiffe auf dem weißen Sand wirken, als ob ihnen ein böser Geist das Wasser unter dem Kiel abgesaugt hätte. Doch an Geister glaubt heute keiner mehr. Und so suchen Wissenschaftler nach den Gründen, warum das einst viertgrößte Binnenmeer der Erde - der Aralsee - langsam, aber stetig, austrocknet.
Vormarsch der Wüsten
Ihre bedrohlich klingende These heißt Desertifikation. Für viele bedeutet das: Die Wüsten sind auf dem Vormarsch. Sind sie aber gar nicht. Denn Desertifikation ist nicht gleich Dürre und auch nicht gleich Wüsten-Ausdehnung schlechthin. Desertifikation bedeutet die Ausbreitung wüstenähnlicher Verhältnisse in Gebiete hinein, in denen sie aufgrund der klimatischen Bedingungen eigentlich nicht existieren sollten. Das Phänomen ist nicht auf Afrika begrenzt, sondern stellt ein weltweites Problem dar. Alle Kontinente sind - allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß - davon betroffen.
Von Menschen gemacht
Unter Wüstenbildung verstehen Experten austrocknende und unfruchtbar werdende Flächen; es ist die Zerstörung der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Vegetation - und ist zumeist von Menschen verursacht. Man made deserts werden die wüst gemachten Gebiete deshalb genannt.
Doch wie entstehen selbstverschuldete Wüsten, wenn eigentlich genug Regen fällt? Zumeist ist es ein Teufelskreis, der durch zu hohen Druck auf die Ressourcen Boden, Holz und Wasser entsteht: Wald wird gerodet, um Ackerland zu gewinnen. In tropischen Gebieten der Erde ist der Boden aber arm an Nährstoffen. Monokulturen und Übernutzung laugen die Flächen innerhalb weniger Jahre aus, Pestizide verseuchen sie, Wind und Wasser tragen die dünne Deckschicht ab.
Blühende, lebendige Regionen sind auch in der Wüste keine Ausnahme. Richtige Bewirtschaftung schafft hier Lebensraum für Mensch und Tier.
Der Boden wird unfruchtbar, trocknet aus und verwüstet. Als Ackerland ist er unbrauchbar; Wiederaufforstung ist nahezu unmöglich. Aber: Fehlt die Vegetation, gibt es auch keinen Regen. Laut Angaben der Vereinten Nationen ist heute über eine Milliarde Menschen in mehr als 110 Ländern der Erde von Dürre und Desertifikation betroffen. Auch die Industrieländer sind gefordert, wenn es um die Eindämmung der Wüstenbildung geht. Denn sie sind nicht unschuldig an der Entstehung des Problems.
Entmachtete Landaufseher
Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts entmachtete zum Beispiel die britische Kolonialregierung die Landaufseher im Sudan, die bis dahin für die strenge Aufsicht über die Flächen zuständig waren. Sie hatten Abholzungen streng bestraft. Die Einführung der Geldwirtschaft, anstelle des Warentauschs, und die hohe Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer zwingen diese Staaten zu einer kurzfristigen Politik, die auf Ressourcenschutz keine Rücksicht nimmt. Holz und landwirtschaftliche Produkte sind meist die einzigen Waren, die sie zur Tilgung ihrer Schulden bereitstellen können.
Hoffnung keimt dort, wo die Menschen sich an die Gegebenheiten der Natur anpassen. Seit Mitte der 1980er Jahre beobachten Forscher an der Universität Kopenhagen in einer Provinz im nordostafrikanischen Staat Burkina Faso, wie sich die Wüste zurückzieht. Bauern bewirtschaften hier behutsam die Böden, bauen Steinmauern, um das Ackerland zu halten, und Kanäle, um die Flächen zu bewässern. Ihre Wirtschaftsweise scheint erfolgversprechend: Der Hirseertrag stieg um 70 Prozent. Nach und nach kehren Tausende Menschen zurück, die vor Jahrzehnten aus Not ausgewandert waren.
Christiane Nienhold (03.09.2003)
Infobox
Ein Drittel aller Landmassive
250 Millimeter Niederschlag im Jahr sind die Grenze: Fällt weniger Regen, gilt das Terrain als Wüste. Wo Wasser fehlt, ist die Vegetation nicht flächendeckend: Wüsten sind zu weniger als der Hälfte mit Pflanzen bedeckt. Nur noch hoch spezialisierte Arten überleben unter solchen Bedingungen.
Etwa ein Drittel aller Landmassive der Erde bestehen aus Wüsten beziehungsweise Halbwüsten. Die meisten davon gibt es in Asien, Australien und Amerika: wie das Great Sandy Desert, die Mojave-Wüste oder die Wüste Gobi. Fachleute nennen verschiedene Gründe für die Trockenheit: Kalte Meeresströmungen und hoher Luftdruck lassen keine Wolken entstehen. Durch große Entfernungen zum Meer erreichen Wolken das Binnenland nur selten. Auch Gebirgsmassive halten Wolken zurück.
Übrigens: Selbst wenn die Wärme fehlt, spricht man von einer Wüste, wie bei den Kälte- und Eiswüsten der Hochebenen und Polargebiete.
250 Millimeter Niederschlag im Jahr sind die Grenze: Fällt weniger Regen, gilt das Terrain als Wüste. Wo Wasser fehlt, ist die Vegetation nicht flächendeckend: Wüsten sind zu weniger als der Hälfte mit Pflanzen bedeckt. Nur noch hoch spezialisierte Arten überleben unter solchen Bedingungen.
Etwa ein Drittel aller Landmassive der Erde bestehen aus Wüsten beziehungsweise Halbwüsten. Die meisten davon gibt es in Asien, Australien und Amerika: wie das Great Sandy Desert, die Mojave-Wüste oder die Wüste Gobi. Fachleute nennen verschiedene Gründe für die Trockenheit: Kalte Meeresströmungen und hoher Luftdruck lassen keine Wolken entstehen. Durch große Entfernungen zum Meer erreichen Wolken das Binnenland nur selten. Auch Gebirgsmassive halten Wolken zurück.
Übrigens: Selbst wenn die Wärme fehlt, spricht man von einer Wüste, wie bei den Kälte- und Eiswüsten der Hochebenen und Polargebiete.


