Elite ohne Hosen
Nach dem Ende der DDR wurden erhebliche Teile der Geheimnisse einer damals äußerst erfolgreichen Organisation öffentlich - der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit.Fast ist es ungeschriebenes Gesetz: Geheime Dienste verlieren selten. Denn der Geheimdienstler ist allzu häufig chamäleonfarben - bereit zum Wechsel von Flagge, Ideologie und Brötchengeber. So geschah es nach dem Ende des Nazireichs, als ganze Strukturen von Hitlers Spionageapparat "ankamen" in der demokratischen westdeutschen Republik. Und so geschah es, als nach dem Ende des Sowjetimperiums der traditionsreiche KGB, unter dem Namen FSB, in alter Frische weiterwirkte.
Brauchbare Herren
Die (meist) Herren aus dem dunklen Milieu haben nun mal Verwendbares anzubieten: Herrschaftswissen, Kenntnis von Zusammenhängen, taktische Perfektion und Bereitschaft zu quasimilitärischer Disziplin. Man stellt sie in den neuen Stall; man schickt sie nicht in die Wüste. Doch verletzt ein ziemlich einmaliger Fall die alte, bewährte Regel.
Großer Karrierebruch
Und der betrifft ausgerechnet den, nach Ansicht von Experten, erfolgreichsten europäischen Geheimdienst in jüngerer Vergangenheit: die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Deren zuletzt rund 3.800 hauptamtliche Mitarbeiter erlebten 1989/90 ihren großen Karrierebruch. Schlimmer noch erging es serienweise enttarnten Auslandsspionen: Die Justiz leitete Tausende Ermittlungsverfahren ein, mehrere Hundert Mal wurde Anklage erhoben, etliche Freiheitsstrafen verhängt.
Erhebliche Professionalität
Auch in anderer Hinsicht ist der Fall bemerkenswert: Kaum je musste ein Geheimdienst derart "die Hosen herunterlassen"; kaum je boten sich der Öffentlichkeit derart tiefe Einblicke ins Wesen verborgener Machenschaften dar. Im Resultat stehen wir vor einer grandiosen Fülle zeitgeschichtlichen Materials. Das reicht von der Beschreibung tragischer Einzelschicksale bis hin zu den Plänen der Organisation, von Strategiepapieren bis hin zu Details des Datentransfers. Den Interessantheitsgrad könnte erhöhen, dass die "Teams" der Generale Markus Wolf - er leitete den Dienst von 1953 bis 1986 - und Werner Großmann - er stand an der Spitze ab 1986 - in Fachkreisen den Ruf erheblicher Professionalität genossen.
Die "Zweitbesten"
Mit Nachdruck wiesen Wolf, Großmann und manche einstige Mitstreiter nach 1990 darauf hin, wie clever die HVA Zeit ihres Bestehens agierte. Dem weltweit "zweitbesten Dienst nach dem (israelischen) Mossad" gelang die Infiltration höchster Stabsstellen der NATO wie des BND, das Eindringen in Parteigremien und Regierungskreise der Bundesrepublik.
Jahrzehntelang nach Plan aufgebaute Agenten absolvierten gesteuerte Lebensläufe, überreichten ihren Auftraggebern nicht nur hoch brisante Dokumente sondern saßen unentdeckt in politischen Einflusspositionen. Die "Kundschafter des Friedens", häufig ideologisch motiviert, mitunter erpresst, bestochen oder sexuell korrumpiert, sahen - und sehen sich noch heute - als Friedenskämpfer...
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Das Wort Aufklärung hatte in der deutschen Sprache einst einen guten Klang. Der Philosoph Immanuel Kant (1724 - 1804) sah das Ziel des Aufklärungsprozesses im Ausgang des Menschen aus dem "Zustand selbst verschuldeter Unmündigkeit". Den Weg zur Mündigkeit fasste Kant in den Satz: "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" Kurz: Es ging um Autonomie, um Selbstbestimmtheit im Denken wie auch im Handeln. Kein Wort der deutschen Sprache wurde in der Folge so pervertiert wie dieses.
Goebbels´ "Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda" enthielt schon die Umkehrung des Gedankens, im Sinne von Techniken der Massenmanipulation. Ähnlich verhält es sich mit dem über die Militärsprache vermittelten Gebrauch des Begriffs im Geheimdienstjargon: "Aufklären" ist hier schlicht gleichgesetzt mit Ausspionieren. Jemanden "aufzuklären" bedeutet, Autoritäten Informationen an die Hand zu geben, um sein Verhalten zu steuern.
Unabhängig vom ideologischen Zweck ist dafür kein Mittel zu schade: Erpressung, Vertrauensbruch, Spielen mit menschlichen Schwächen, Missbrauch von Freundschaft und Loyalität, sogar von Liebe.
Goebbels´ "Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda" enthielt schon die Umkehrung des Gedankens, im Sinne von Techniken der Massenmanipulation. Ähnlich verhält es sich mit dem über die Militärsprache vermittelten Gebrauch des Begriffs im Geheimdienstjargon: "Aufklären" ist hier schlicht gleichgesetzt mit Ausspionieren. Jemanden "aufzuklären" bedeutet, Autoritäten Informationen an die Hand zu geben, um sein Verhalten zu steuern.
Unabhängig vom ideologischen Zweck ist dafür kein Mittel zu schade: Erpressung, Vertrauensbruch, Spielen mit menschlichen Schwächen, Missbrauch von Freundschaft und Loyalität, sogar von Liebe.



