Schnell und vollgepackt mit hochempfindlichen akustischen Sensoren pflügen Jagd-U-Boote wochenlang durch die Ozeane und lauschen auf Geräusche anderer Boote. Ist ein Räuber gefunden, stellt der Gendarm ihm möglichst unauffällig nach.
In der hohen Zeit des Kalten Krieges lauschten Sonarexperten ununterbrochen auf die Geräusche der Boomer, wie U-Boote mit ballistischen Raketen im Jargon der US Navy genannt werden. Meinten sie, die Geräusche sich öffnender Raketenschächte zu hören, war ein Fangschuss Pflicht.
Größer, schneller, weiter
Der technische Wettlauf um die Vorherrschaft in diesem Spiel trieb famose Blüten: Die russische Typhoon-Klasse trägt bis heute zweihundert Atomsprengköpfe an Bord, ist 175 Meter lang und 23 Meter breit - das größte U-Boot der Welt mit den Abmessungen eines kleinen Flugzeugträgers. Seine Außenhülle umschließt drei innen liegende Rumpfhüllen, gebaut, um mehrere Torpedotreffer einzustecken.
An Bord gibt es Sauna, Schwimmbecken und Turnhalle für einhundertfünzig Mann. Die Jagd-U-Boote der russischen Alfa-Klasse hingegen waren klein und automatisiert. Dreißig Mann Besatzung reichten aus. Flüssiges Blei kühlte zwei Hochleistungsreaktoren, die das Boot bei Unterwasserfahrt mit 47.000 PS auf 45 Knoten, nahezu 90 Kilometer pro Stunde, brachten.
Ruinöser Wettlauf
Entwicklung und Bau solcher U-Boote setzt den Unterhalt riesiger spezialisierter Industriemoloche voraus und trieb die Sowjetunion in den Ruin. Den Rüstungswettlauf aufgeben konnte dennoch niemand.
Die Logik des Kalten Krieges bedingte, dass auf Vorteile der Gegenseite reagiert werden musste - selbst wenn sie, weil sich Totalvernichtungskapazität einfach nutzlos aufpotenziert, bloß dem Anschein nach welche sind. Die Kostenexplosion regte in den 1970er Jahren immerhin die SALT-Verträge an, mit denen die USA und die Sowjetunion ihre ballistischen Atom-U-Boot Flotten limitierten.
Bastion Nordpol
Nicht nur das Material, auch die Taktik des nuklearen Versteckspiels wurde verfeinert. Technisch im Rückstand, stellte die Sowjetunion eine Flotte ozeanografischer Forschungsschiffe in Dienst. Sie maßen Unterwassertäler, Gebirge und Höhlen aus, in denen sich U-Boote verstecken und Verfolger abschütteln konnten. Noch heute profitieren Wissenschaftler von den genauen Meeresgrundkarten die sie dabei erstellten.
Auch bei der Erforschung des Nordpols war die Sowjetunion führend. Forscher vermaßen die Eisdicke und die Oberfläche der Eisunterseite. In der Folge wurde der Nordpol zum Ballungsgebiet für sowjetische Atom-U-Boote. Dank der genauen Karten bildeten sie so genannte Bastionen unter den Eismassen - mehrere ballistische Boote, von einem Ring aus eigenen Jagd-U-Booten abgeschirmt und bewacht. Für US-amerikanische U-Boot-Kapitäne war das unbemerkte Eindringen in solche Bastionen prestigeträchtiges Husarenstück.
Neues altes Spiel
Mit dem Ende des Kalten Krieges nahm die Zahl der Atom-U-Boote zunächst ab - doch nur vorübergehend. Erst Ende 2008 ließ Russland eine neue Klasse ballistischer U-Boote vom Stapel, auch Großbritannien hat seine Flotte erneuert, die USA planen Ersatz für ihre Boote, die seit zwanzig Jahren durchgehend im Einsatz sind.
China beendet gerade den Bau einer ballistischen Atom-U-Boot-Flotte, Indien plant ein eigenes Boot. Einen Abschied von den atomaren Seeungeheuern wird es also so bald nicht geben: Das Versteckspiel geht weiter, solange es Spieler gibt.
Christian Fleck (21.04.2009)
In der hohen Zeit des Kalten Krieges lauschten Sonarexperten ununterbrochen auf die Geräusche der Boomer, wie U-Boote mit ballistischen Raketen im Jargon der US Navy genannt werden. Meinten sie, die Geräusche sich öffnender Raketenschächte zu hören, war ein Fangschuss Pflicht.
Größer, schneller, weiter
Der technische Wettlauf um die Vorherrschaft in diesem Spiel trieb famose Blüten: Die russische Typhoon-Klasse trägt bis heute zweihundert Atomsprengköpfe an Bord, ist 175 Meter lang und 23 Meter breit - das größte U-Boot der Welt mit den Abmessungen eines kleinen Flugzeugträgers. Seine Außenhülle umschließt drei innen liegende Rumpfhüllen, gebaut, um mehrere Torpedotreffer einzustecken.
An Bord gibt es Sauna, Schwimmbecken und Turnhalle für einhundertfünzig Mann. Die Jagd-U-Boote der russischen Alfa-Klasse hingegen waren klein und automatisiert. Dreißig Mann Besatzung reichten aus. Flüssiges Blei kühlte zwei Hochleistungsreaktoren, die das Boot bei Unterwasserfahrt mit 47.000 PS auf 45 Knoten, nahezu 90 Kilometer pro Stunde, brachten.
Ruinöser Wettlauf
Entwicklung und Bau solcher U-Boote setzt den Unterhalt riesiger spezialisierter Industriemoloche voraus und trieb die Sowjetunion in den Ruin. Den Rüstungswettlauf aufgeben konnte dennoch niemand.
Die Logik des Kalten Krieges bedingte, dass auf Vorteile der Gegenseite reagiert werden musste - selbst wenn sie, weil sich Totalvernichtungskapazität einfach nutzlos aufpotenziert, bloß dem Anschein nach welche sind. Die Kostenexplosion regte in den 1970er Jahren immerhin die SALT-Verträge an, mit denen die USA und die Sowjetunion ihre ballistischen Atom-U-Boot Flotten limitierten.
Bastion Nordpol
Nicht nur das Material, auch die Taktik des nuklearen Versteckspiels wurde verfeinert. Technisch im Rückstand, stellte die Sowjetunion eine Flotte ozeanografischer Forschungsschiffe in Dienst. Sie maßen Unterwassertäler, Gebirge und Höhlen aus, in denen sich U-Boote verstecken und Verfolger abschütteln konnten. Noch heute profitieren Wissenschaftler von den genauen Meeresgrundkarten die sie dabei erstellten.
Auch bei der Erforschung des Nordpols war die Sowjetunion führend. Forscher vermaßen die Eisdicke und die Oberfläche der Eisunterseite. In der Folge wurde der Nordpol zum Ballungsgebiet für sowjetische Atom-U-Boote. Dank der genauen Karten bildeten sie so genannte Bastionen unter den Eismassen - mehrere ballistische Boote, von einem Ring aus eigenen Jagd-U-Booten abgeschirmt und bewacht. Für US-amerikanische U-Boot-Kapitäne war das unbemerkte Eindringen in solche Bastionen prestigeträchtiges Husarenstück.
Begegnung im Kalten Krieg: Wegen eines Defektes treibt 1983 ein sowjetisches Jagd-U-Boot im Atlantik, ein US-Zerstörer nutzt die Gelegenheit und macht Fotos.
Mit dem Ende des Kalten Krieges nahm die Zahl der Atom-U-Boote zunächst ab - doch nur vorübergehend. Erst Ende 2008 ließ Russland eine neue Klasse ballistischer U-Boote vom Stapel, auch Großbritannien hat seine Flotte erneuert, die USA planen Ersatz für ihre Boote, die seit zwanzig Jahren durchgehend im Einsatz sind.
China beendet gerade den Bau einer ballistischen Atom-U-Boot-Flotte, Indien plant ein eigenes Boot. Einen Abschied von den atomaren Seeungeheuern wird es also so bald nicht geben: Das Versteckspiel geht weiter, solange es Spieler gibt.
Christian Fleck (21.04.2009)
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Project Jennifer...
hieß eine der aufwendigsten Geheimoperationen des Kalten Krieges. Im März 1968 sank K-129, ein sowjetisches U-Boot mit drei Atomraketen an Bord, in der Nähe von Hawaii. Die Sowjetunion startete zwar eine Suchaktion, konnte das Boot jedoch nicht finden.
Die USA hingegen besaßen ein weltweites Sonar-Spürnetzwerk auf dem Meeresgrund, das so genannte SOSUS, das eine Explosion registriert hatte. Mit den SOSUS-Daten ließ sich das sowjetische Boot in fünftausend Meter Tiefe lokalisieren. Präsident Nixon beauftragte die CIA mit der Bergung des kompletten Rumpfes inklusive der Atomraketen.
Zwei riesige Schiffe wurden daraufhin für mehr als vierhundert Millionen Dollar gebaut - die Hughes Glomar Explorer und die Hughes Mining Barge. Die Mining Barge glich einem schwimmenden Hangar, in den ein komplettes U-Boot passte. Eine mechanische Kralle sollte das sowjetische U-Boot am Meeresgrund umfassen und anheben.
Die Mining Barge konnte tauchen, und setzte sich unter die Glomar Explorer, auf der ein mächtiger Bohrturm saß, welcher von oben die Kralle der Mining Barge in fünftausend Meter Tiefe schrauben sollte. 1974 wurde die Bergung schließlich unter strengster Geheimhaltung versucht.
Zwar wusste die Sowjetunion durch einen Spion inzwischen von der Absicht der CIA, ließ diese aber stillschweigend gewähren, da man nicht an den Erfolg einer Bergung aus fünftausend Meter Tiefe glaubte. Die Kralle der Glomar Explorer umfasste tatsächlich das sowjetische U-Boot und hob es nach oben. Auf dem Weg zerbrach das U-Boot jedoch in zwei Teile, nur der vordere Teil wurde geborgen.
Bis heute sind die Resultate der Bergung geheim. Nach dem Ende des Kalten Krieges übergaben die USA ein Video an Boris Jelzin, dass die Bestattung der sowjetischen Matrosen zeigt, die 1968 mit K-129 untergegangen waren.
hieß eine der aufwendigsten Geheimoperationen des Kalten Krieges. Im März 1968 sank K-129, ein sowjetisches U-Boot mit drei Atomraketen an Bord, in der Nähe von Hawaii. Die Sowjetunion startete zwar eine Suchaktion, konnte das Boot jedoch nicht finden.
Die USA hingegen besaßen ein weltweites Sonar-Spürnetzwerk auf dem Meeresgrund, das so genannte SOSUS, das eine Explosion registriert hatte. Mit den SOSUS-Daten ließ sich das sowjetische Boot in fünftausend Meter Tiefe lokalisieren. Präsident Nixon beauftragte die CIA mit der Bergung des kompletten Rumpfes inklusive der Atomraketen.
Zwei riesige Schiffe wurden daraufhin für mehr als vierhundert Millionen Dollar gebaut - die Hughes Glomar Explorer und die Hughes Mining Barge. Die Mining Barge glich einem schwimmenden Hangar, in den ein komplettes U-Boot passte. Eine mechanische Kralle sollte das sowjetische U-Boot am Meeresgrund umfassen und anheben.
Die Mining Barge konnte tauchen, und setzte sich unter die Glomar Explorer, auf der ein mächtiger Bohrturm saß, welcher von oben die Kralle der Mining Barge in fünftausend Meter Tiefe schrauben sollte. 1974 wurde die Bergung schließlich unter strengster Geheimhaltung versucht.
Zwar wusste die Sowjetunion durch einen Spion inzwischen von der Absicht der CIA, ließ diese aber stillschweigend gewähren, da man nicht an den Erfolg einer Bergung aus fünftausend Meter Tiefe glaubte. Die Kralle der Glomar Explorer umfasste tatsächlich das sowjetische U-Boot und hob es nach oben. Auf dem Weg zerbrach das U-Boot jedoch in zwei Teile, nur der vordere Teil wurde geborgen.
Bis heute sind die Resultate der Bergung geheim. Nach dem Ende des Kalten Krieges übergaben die USA ein Video an Boris Jelzin, dass die Bestattung der sowjetischen Matrosen zeigt, die 1968 mit K-129 untergegangen waren.




