In Bewegung
Fast 175.000 Deutsche verließen offiziellen Zahlen zufolge im Jahr 2008 das Land; Experten rechnen mit einer weit höheren "Dunkelziffer". Was bewegt so viele Deutsche, die Koffer zu packen?Aufbruch in eine bessere Zukunft? 2008 wanderten offiziellen Zahlen zufolge fast 175.000 Deutsche aus.
Kontinuierlicher Anstieg
Laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verließen im Jahr 2008 fast 175.000 Deutsche das Land. Das sind rund 75.000 mehr als 1991 und mehr als dreimal so viele wie noch in den 1970er Jahren. Belief sich die Zahl der offiziell erfassten Fortzüge zwischen 1998 und 2001 immer auf rund 100.000, ist seit 2002 ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten. Die Statistik erfasst allerdings nur diejenigen, die sich ordnungsgemäß bei den Einwohnermeldeämtern abmelden.
Offene Zeitperspektive
Experten schätzen, dass die tatsächliche Zahl der Auswanderer viel höher liegt, wahrscheinlich bei rund 250.000: Viele Menschen gingen ins Ausland, ohne sich zuvor abzumelden, andere ohne die feste Absicht "auszuwandern", blieben dann aber auf Dauer, wie Prof. Klaus J. Bade, Migrationsforscher an der Universität Osnabrück, erklärt. Die Zeitperspektive deutscher Auswanderer sei "zunehmend offen".
Bin ich im Ausland krankenversichert? Und wie funktioniert das mit der Rente? Wer auswandern möchte, sollte sich vor der Abreise über die soziale Absicherung im Zielland informieren (siehe Infobox).
Neben Angaben über die Dauer des Fortzugs verschweigt die offizielle Wanderungsstatistik noch etwas anderes: wer genau da in neue Gefilde aufbricht - und warum. Fest steht: Es sind längst nicht mehr nur Abenteurer und Aussteiger, die Deutschland den Rücken kehren. Nach Auskunft des Raphaels-Werks, eines gemeinnützigen Vereins unter dem Dach der Deutschen Caritas, der Auswanderungswillige berät, gaben im Jahr 2008 fast zwei Drittel der deutschen Ratsuchenden berufliche und wirtschaftliche Gründe als Hauptmotiv für die geplante Auswanderung an.
Jung und risikofreudig
Zur Altersverteilung gibt der Jahresbericht 2005 des Raphaels-Werks Auskunft: Ihm zufolge ist die Mehrzahl der Ratsuchenden mit dem Wunsch "Auswanderung" und "Auslandstätigkeit" der Altersgruppe zwischen 26 und 45 Jahren zuzuordnen. Andere Studien und Umfragen zum Thema kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass deutsche Auswanderer überdurchschnittlich jung, risikofreudig und motiviert sind. Zudem verfügen viele über ein abgeschlossenes Studium und über hervorragende Referenzen.
Einfach ist die Jobsuche in der Ferne nicht - fehlende Sprachkenntnisse sind oft ein Problem.
Chancen jenseits der Grenze
Während Akademiker seit jeher eine hohe Mobilität auszeichnet, viele schon aus Karrieregründen die Mitarbeit beispielsweise in US-amerikanischen Universitäten und Instituten anstreben, loten nun aber auch immer mehr Arbeitslose ihre Chancen jenseits der Grenzen aus. Eine Massenabwanderung, wie sie derzeit vor allem von Experten der Wirtschaft befürchtet wird, kann die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) aber nicht bestätigen: Sie vermittelte 2006 rund 14.400 Menschen ins Ausland. Nach Erfahrungen der ZAV seien befristete Aufenthalte, insbesondere in Ländern Europas, beliebter als das "richtige" Auswandern über den großen Teich.
Blick auf die Innenstadt von Bern: die Schweiz ist das beliebteste Ziel deutscher Auswanderer (siehe Infobox).
Dennoch bereitet der so genannte Brain Drain, der "Exodus der klugen Köpfe", wie im Juli 2006 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schrieb, vor allem Wissenschaftlern und Wirtschaftsexperten Sorgen. Zahlenmäßig könnten die Abwanderungen zwar noch durch Einwanderer kompensiert werden, allerdings entsprächen jene "in ihren beruflichen Profilen oft nicht unserem Bedarf", beschreibt Professor Bade die Situation: Während deutsche Spitzenkräfte zunehmend abwanderten, machten ausländische High Potentials einen Bogen um Deutschland.
Anfang einer neuen Welle?
Laut einer Studie des Mannheimer Meinungsforschungsinstituts Management-Consult können sich derzeit rund 16 Prozent der Deutschen "sehr gut" vorstellen, auszuwandern. Wie viele den Schritt am Ende wirklich wagen werden, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist die zunehmende Zahl der Auswanderer bereits Anfang einer neuen Wanderungswelle. Hat das Fernsehen, mit Sendungen wie Goodbye Deutschland oder Mein neues Leben, nicht längst die Rolle der alten Auswandererbriefe - mit den für Kettenwanderungen wichtigen "Es läuft gut"-Meldungen - übernommen?
Ulrike Wolf (14.02.2007/aktualisiert 04.08.2009)
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Arbeitnehmern helfen, Grenzen zu überwinden - genau das will EURES, ein europäisches Kooperationsnetz aus öffentlichen Arbeitsverwaltungen, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. Das EURES-Internetportal hilft Arbeitnehmern bei der Stellensuche und hat zahlreiche Tipps zum Leben und Arbeiten im Ausland zusammen gestellt.
Unterstützung bei der Arbeitssuche im Ausland bietet auch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit: Sie vermittelt Stellen im Ausland und bei internationalen Organisationen und berät bei Formalitäten wie Arbeitsmarktzulassung und Sozialversicherung.
Seit 135 Jahren berät und begleitet das Raphaels-Werk Auswanderer, Auslandstätige, Flüchtlinge, binationale Paare und Rückkehrer. Auf der offiziellen Website gibt es Informationen zu Beratungsangeboten; Links führen zu wichtigen Ansprechpartnern in den Zielländern.
Unterstützung bei der Arbeitssuche im Ausland bietet auch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit: Sie vermittelt Stellen im Ausland und bei internationalen Organisationen und berät bei Formalitäten wie Arbeitsmarktzulassung und Sozialversicherung.
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Beliebte Zielländer deutscher Auswanderer:
| Europa | 122.046 |
| davon: | |
| Schweiz | 29.139 |
| Polen | 13.711 |
| Österreich | 13.336 |
| Großbritannien | 10.706 |
| Afrika | 5.272 |
| davon: | |
| Südafrika | 1.231 |
| Ägypten | 645 |
| Tunesien | 371 |
| Marokko | 353 |
| Amerika | 26.916 |
| davon: | |
| USA | 15.436 |
| Kanada | 5.605 |
| Brasilien | 1.446 |
| Mexiko | 760 |
| Asien | 14.838 |
| davon: | |
| China | 2.553 |
| Vereinigte Arabische Emirate | 2.052 |
| Thailand | 1.386 |
| Indien | 805 |
| Australien und Ozeanien |
5.112 |
| davon: | |
| Australien | 3.674 |
| Neuseeland | 1.373 |
(Quelle: Statistisches Bundesamt, Vorläufige Zahlen für 2008)
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