Nach Amerika!
Fachleute vermuten den Beginn einer neuen Auswanderungswelle - wie etwa im 19. Jahrhundert, als sich Millionen Europäer auf die Suche nach einem besseren Leben begaben.Ankunft im New York - in der Hoffnung auf ein besseres Leben wanderten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Millionen Europäer in die USA aus. (Zeitgenössische Illustration)
Not macht mobil
Viel Überredung war denn auch selten nötig, damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, um Angehörige und Freunde zum Nachkommen zu bewegen. Die wirtschaftliche Situation in der Heimat war Antrieb genug, das Land zu verlassen, um in Amerika neu anzufangen. Not macht mobil: Missernten, Hunger, Armut und Überbevölkerung trieben Auswanderer aus ganz Europa in die Überseehäfen Rotterdams, Bremerhavens und Hamburgs. Etwa 44 Millionen Menschen verließen zwischen 1821 und 1914 ihre Heimat; allein von Bremerhaven legten Schiffe mit fast vier Millionen Deutschen an Bord Richtung Amerika ab. Vor den Passagieren lag eine lange, oft beschwerliche Passage - und, so hofften sie, eine glänzende Zukunft.
Die Große Halle auf Ellis Island: bis zu zehntausend Menschen täglich kamen zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts in die USA. Mehr dazu im Kasten rechts.
(Bild: Underwood & Underwood, 1904; Library of Congress, cph.3a17784)
(Bild: Underwood & Underwood, 1904; Library of Congress, cph.3a17784)
Für deutschsprachige Auswanderer ging die Reise fast ausschließlich in die Vereinigten Staaten. Aus gutem Grund: Neben der Aussicht auf Arbeit und Wohlstand bot das Land schon eine relativ große deutsche Gemeinschaft. Bis 1800 waren bereits rund eine halbe Million Deutsche nach Amerika ausgewandert; ihr Anteil an der Bevölkerung der USA betrug zu jener Zeit etwa neun Prozent. Man betrat also kein völlig fremdes Terrain, der Schritt ins Ungewisse war nur noch halb so ungewiss.
Gute Kontakte
Ganze Familien, vom Säugling bis zum Greis, wanderten damals aus. Viele Emigranten verfügten bereits über gute Kontakte am Ziel ihrer Träume, wurden von Angehörigen oder Bekannten in Empfang genommen. Oft reisten Auswanderer auch in mehr oder weniger großen Gruppen über den großen Teich, um - in der neuen Heimat angekommen - zusammen zu bleiben und gemeinsam zu siedeln...
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Ellis Island
Für viele war sie die Insel der Hoffnung, für manche auch eine Insel der Tränen: Ellis Island, ein lediglich einen Viertelquadratkilometer kleines Stück Land im Hudson River vor den Toren New Yorks. Ab 1892 unterhielten die US-Behörden auf dem Eiland eine zentrale Sammelstelle für Immigranten, um der stetig wachsenden Ströme Einwanderungswilliger Herr zu werden.
In Scharen kamen Menschen per Schiff aus der ganzen Welt. Nach der oft strapaziösen und anstrengenden Überfahrt entschieden ein zweiminütiges Gespräch und eine oberflächliche medizinische Untersuchung darüber, wer in die USA einreisen durfte und wer nicht: Draußen bleiben mussten Analphabeten, Kranke, geistig Gestörte, politisch Radikale, Verbrecher, Vorbestrafte, Prostituierte.
Bei schlechtem Wetter, wenn kaum Schiffe ankamen, dauerte die Prozedur oft nur wenige Stunden. Über Tage zog sie sich hin, wenn Boote im Stundentakt die Insel erreichten, sich Eingangshalle, Krankenflügel und Schlafsäle mit zehntausenden Menschen füllten. Allein im Jahr 1907 passierte mehr als eine Million Menschen Ellis Island; über die Jahrzehnte waren es insgesamt zwölf Millionen. Für etwa zwei Prozent von ihnen bedeutete Ellis Island das Ende der Einwandererträume, sie wurden zurück in die Heimat geschickt.
Nachdem 1924 strengere Einwanderungsbestimmungen in Kraft getreten waren, ging die Zahl der Immigranten deutlich zurück; 1954 wurde die Einrichtung auf Ellis Island geschlossen. Seit 1965 verwaltet der National Park Service das Gelände und machte es nach aufwändigen Sanierungen im Jahr 1990 als Einwanderungsmuseum der Öffentlichkeit zugänglich.
Es gibt wohl kaum einen Ort, zu dem so viele US-Amerikaner eine persönliche Verbindung haben: Schätzungen zufolge haben vierzig Prozent von ihnen mindestens einen Vorfahren, der über Ellis Island ins Land gekommen ist.
Für viele war sie die Insel der Hoffnung, für manche auch eine Insel der Tränen: Ellis Island, ein lediglich einen Viertelquadratkilometer kleines Stück Land im Hudson River vor den Toren New Yorks. Ab 1892 unterhielten die US-Behörden auf dem Eiland eine zentrale Sammelstelle für Immigranten, um der stetig wachsenden Ströme Einwanderungswilliger Herr zu werden.
In Scharen kamen Menschen per Schiff aus der ganzen Welt. Nach der oft strapaziösen und anstrengenden Überfahrt entschieden ein zweiminütiges Gespräch und eine oberflächliche medizinische Untersuchung darüber, wer in die USA einreisen durfte und wer nicht: Draußen bleiben mussten Analphabeten, Kranke, geistig Gestörte, politisch Radikale, Verbrecher, Vorbestrafte, Prostituierte.
Bei schlechtem Wetter, wenn kaum Schiffe ankamen, dauerte die Prozedur oft nur wenige Stunden. Über Tage zog sie sich hin, wenn Boote im Stundentakt die Insel erreichten, sich Eingangshalle, Krankenflügel und Schlafsäle mit zehntausenden Menschen füllten. Allein im Jahr 1907 passierte mehr als eine Million Menschen Ellis Island; über die Jahrzehnte waren es insgesamt zwölf Millionen. Für etwa zwei Prozent von ihnen bedeutete Ellis Island das Ende der Einwandererträume, sie wurden zurück in die Heimat geschickt.
Nachdem 1924 strengere Einwanderungsbestimmungen in Kraft getreten waren, ging die Zahl der Immigranten deutlich zurück; 1954 wurde die Einrichtung auf Ellis Island geschlossen. Seit 1965 verwaltet der National Park Service das Gelände und machte es nach aufwändigen Sanierungen im Jahr 1990 als Einwanderungsmuseum der Öffentlichkeit zugänglich.
Es gibt wohl kaum einen Ort, zu dem so viele US-Amerikaner eine persönliche Verbindung haben: Schätzungen zufolge haben vierzig Prozent von ihnen mindestens einen Vorfahren, der über Ellis Island ins Land gekommen ist.



