Ende im Anfang
Zwischen Angst und Selbsttäuschung schwankten die Völker Europas, seit Hitler an die Macht gelangt war. Dann, am 1. September 1939, fiel der Schleier: Deutschlands erster Blitzkrieg begann.Deutsche motorisierte Infanterie stößt am Morgen des 1. September 1939 über die polnische Grenze vor.
Ruhe im Westen
Hitlers erster heißer Krieg war ein Gemenge aus Kalkül und Illusionen: Gewiss, seit August '39 hielt der "Führer" den Pakt mit den Sowjets in der Hand, die Polen in den Rücken fielen. Illusion blieb hingegen der Glaube, England und Frankreich würden sich "draußen halten" lassen. Auf seine Art richtig gerechnet schien Hitler dennoch zu haben: Als am 18. September deutsche und sowjetische Offiziere in Brest-Litowsk ihre Begegnung feierten, der erste Blitzkrieg vorüber war, hatte die schwache deutsche Deckung am Westwall noch kaum einen Schuss abgegeben.
Trotz gewaltiger Überlegenheit verharrten französische und britische Truppen dort Gewehr bei Fuß, die ganzen für Polen verhängnisvollen Wochen lang. Kriegserklärungen aus London und Paris, am 3. September 1939 übergeben, waren vorerst nicht das Papier wert, auf das man sie geschrieben hatte. Ein kraftvoller Angriff aus dem Westen hingegen hätte - während die Masse der Wehrmacht in Polen marschierte - die frühe Niederlage Hitlerdeutschlands garantiert.
Vabanquespiel
Denn genau genommen kam der Krieg für die deutsche Rüstung zu früh. Selbst der kurze militärische Schlag gegen Polen, zum ersten und letzten Mal griff die Wehrmacht hier mit personeller und technischer Übermacht an, beruhte auf wackligen Fundamenten: Nach seinem Abschluss waren die deutschen Reserven an Munition und Treibstoff beinahe erschöpft. Es war ein Vabanquespiel - damals schon.
Der Preuße Carl von Clausewitz (1780 bis 1831) entwickelte die Grundlagen der modernen Militärtheorie.
Clausewitz' Gesetz
Formuliert hatte das Problem bereits der preußische Militärtheoretiker Carl von Clausewitz: Jede große Offensive gelange, wenn sie nicht zur endgültigen Niederlage des Gegners führe, an einen Wendepunkt, wo anfängliche Vorteile sich in Nachteile verwandeln: Erschöpfung, Engpässe in der Versorgung und bei den Reserven, Abnutzung - dies stünde fast zwangsläufig gewachsener Widerstandskraft der Feindseite gegenüber.
Clausewitz' Kulminationspunkt wurde zum Schrecken der Generalitäten, eindrucksvoll demonstriert in den Materialschlachten der Jahre 1914 bis 1918: Kräftezehrende Offensiven aller kriegführenden Mächte blieben im Abwehrfeuer und Grabenwirrwarr liegen, regelmäßig überwand die Verteidigung auf Dauer den Angriff.
Fatal war, dass die Geschwindigkeit des Vormarschs immer nur dem Marschtempo des Infanteristen im offenen Gelände entsprach, der Verteidiger sich aber auf Systeme des Bahn- und Lastwagentransports, auf Straßen und gut vorbereitete, tief gestaffelte Stellungen stützen konnte.
Waffe des Blitzkriegs: schnelle Truppen rücken in Polen vor.
Mit dem Konzept des Blitzkriegs versuchte der deutsche Generalstab jener "Angriffsfalle" zu entkommen. Zwei Voraussetzungen dürfen dabei als ausschlaggebend gelten: Erstens erlaubten relativ neue Waffengattungen nun den schnellen Durchbruch, wenn sie konzentriert eingesetzt wurden: Panzer- und Luftwaffe gaben dem Blitzkrieg den technischen Unterbau.
Zweitens mussten militärische Planer begreifen, dass nicht die gleichmäßige Verteidigung breiter Fronten erfolgversprechend ist, ebenso wenig wie frontale Massenoffensiven, sondern flexible Schwerpunktbildung.
Auf allen Ebenen verlangte das ein bislang unbekanntes, hohes Niveau von Stabsarbeit und Kommunikation. Blitzkrieg bedeutet also nicht Überraschungsangriff (kein Blitz kommt ja aus heiterem Himmel!), er bedeutet ein neues strategisches Konzept, verglichen mit dem Ersten Weltkrieg ein neues Zusammenspiel von Technik, Ausbildung und Taktik.
Kavallerie gegen Panzer
Polen diente den Wehrmachtsstäben als Testfeld für ihr umwälzendes Programm. Zwar standen den 38 angreifenden deutschen Infanteriedivisionen 37 polnische - mit ausreichend Artillerie - gegenüber, aber neun leichten (motorisierten) und Panzerdivisionen der Deutschen hatten die Polen nicht mehr als elf Kavalleriebrigaden entgegen zu setzen...
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Infobox
23. August 1939: Abschluss des Hitler-Stalin- Pakts mit einem Geheimprotokoll über die Aufteilung Polens sowie Osteuropas.
1. September 1939: Deutscher Überfall auf Polen. Beginn des Zweiten Weltkriegs.
3. September 1939: Kriegserklärungen Frankreichs und Großbritanniens.
9. April 1940: Beginn der Operation Weserübung: Angriff auf Dänemark und Norwegen.
10. Mai 1940: Beginn des Frankreichfeldzugs. Kapitulation Hollands am 15. Mai, Belgiens am 28. Mai und Frankreichs am 22. Juni 1940.
18. Dezember 1940: Weisung Hitlers, die Sowjetunion "in einem schnellen Feldzug" niederzuwerfen.
30. März 1941: Hitler erklärt, dass der Russlandfeldzug als Vernichtungskrieg zu führen sei.
22. Juni 1941: Operation Barbarossa. Große militärische Erfolge der Wehrmacht zu Anfang des Russlandfeldzugs.
Oktober 1941: Halt vor Moskau, Scheitern des Blitzkrieg-Konzepts. Ende des Jahres 1941 erlahmt die deutsche Angriffskraft.
1. September 1939: Deutscher Überfall auf Polen. Beginn des Zweiten Weltkriegs.
3. September 1939: Kriegserklärungen Frankreichs und Großbritanniens.
9. April 1940: Beginn der Operation Weserübung: Angriff auf Dänemark und Norwegen.
10. Mai 1940: Beginn des Frankreichfeldzugs. Kapitulation Hollands am 15. Mai, Belgiens am 28. Mai und Frankreichs am 22. Juni 1940.
18. Dezember 1940: Weisung Hitlers, die Sowjetunion "in einem schnellen Feldzug" niederzuwerfen.
30. März 1941: Hitler erklärt, dass der Russlandfeldzug als Vernichtungskrieg zu führen sei.
22. Juni 1941: Operation Barbarossa. Große militärische Erfolge der Wehrmacht zu Anfang des Russlandfeldzugs.
Oktober 1941: Halt vor Moskau, Scheitern des Blitzkrieg-Konzepts. Ende des Jahres 1941 erlahmt die deutsche Angriffskraft.



