Es ist Biotopen eigen, dass sie nicht die Ursprungsorte großer Stürme sind. Stürme fegen über sie hinweg, können sie einebnen oder verschonen. Wirklich selbstbestimmte Geschichte gab es nach der Teilung im Westen wie im Osten niemals, wohl weil Deutschland seinen Lebenswiderspruch, der es in Spannung und am Laufen hielt, verloren hatte.
Marshallplan kontra Demontagen
Die Bundesrepublik immerhin wurde Wirtschaftsmacht. Dem kleineren Splitter, der DDR, war das nicht vergönnt: Marshallplan kontra Demontagen. Damit waren die Weichen frühzeitig gestellt: Als das Jalta-Kondominium, die bipolare Welt, zusammenbrach, sollte auch der gehegte, aber fast ausgetrocknete Tümpel DDR verschwinden. So hat der Staat DDR keine wirklich eigene Geschichte. Die Meilensteine - von der Gründung im Oktober 1949 über den 17. Juni, den Mauerbau, bis knapp vor den Herbst 89 - sind im Grunde einfach blockabhängige Innenpolitik.
Biete DDR, verlange Neutralität!
Wie wenig notwendig, im historischen Sinn, die DDR eigentlich war, zeigt eine heute kaum mehr beachtete Episode: Im März 1952 bot Stalin den Westmächten die deutsche Wiedervereinigung an, wenn Deutschland neutral würde und den Weg nach Westen stoppte. Die DDR als Verhandlungsmasse! Wer damals womit und wieso nicht einverstanden war, im Westen, darüber streiten noch immer die Eingeweihten.
Kein historisches Gesetz
Lasst uns doch endlich mit der DDR in Ruhe! Soll heißen: Tut doch nicht so, als ob sie wirklich aus Eignem voller Glut und Leben war. Sie hat ja nur existiert, quasi per Zufall und Willkür. (Dass ihre Oberen, als dummes Mittelmaß, viele Leben höchst real verbogen, ist darin eingeschlossen.) Kein historisches Gesetz trug sie auf seinen Schwingen, wie die pseudo-marxistischen Macher der DDR-Ideologie uns einhämmern wollten. Ihre sanften Züge, all das Quakquak im Tümpel, sind kaum eine halbe Stunde des Erinnerns wert.
Kollaps der Autorität
Von wirklichem Wert aber sind immer die Menschen. Es sind ihre Biografien, die das Prädikat spannend verdienen. Warum kann dies so sein? Zur unauslöschbaren Erfahrung aus fundamentalen Umbrüchen gehört der Kollaps der Autorität: Was gestern noch unangreifbar schien, liegt heute auf dem Kehrichthaufen.
Wer durch solche Schule gegangen ist, hat nicht verloren. Der ist immun, falls er seine Lektion gelernt hat - immun gegen neue Ideologien, gegen machtinteressierte Verzerrungen der Wirklichkeit, die ja meist den fauligen Geruch von Tümpelwasser an sich haben. Wenn das ein Rückblick auf vierzig DDR-Jahre deutlich macht, dann sei er willkommen!
Michael Schmittbetz (07.10.2003)
Marshallplan kontra Demontagen
Die Bundesrepublik immerhin wurde Wirtschaftsmacht. Dem kleineren Splitter, der DDR, war das nicht vergönnt: Marshallplan kontra Demontagen. Damit waren die Weichen frühzeitig gestellt: Als das Jalta-Kondominium, die bipolare Welt, zusammenbrach, sollte auch der gehegte, aber fast ausgetrocknete Tümpel DDR verschwinden. So hat der Staat DDR keine wirklich eigene Geschichte. Die Meilensteine - von der Gründung im Oktober 1949 über den 17. Juni, den Mauerbau, bis knapp vor den Herbst 89 - sind im Grunde einfach blockabhängige Innenpolitik.
Biete DDR, verlange Neutralität!
Wie wenig notwendig, im historischen Sinn, die DDR eigentlich war, zeigt eine heute kaum mehr beachtete Episode: Im März 1952 bot Stalin den Westmächten die deutsche Wiedervereinigung an, wenn Deutschland neutral würde und den Weg nach Westen stoppte. Die DDR als Verhandlungsmasse! Wer damals womit und wieso nicht einverstanden war, im Westen, darüber streiten noch immer die Eingeweihten.
Kein historisches Gesetz
Lasst uns doch endlich mit der DDR in Ruhe! Soll heißen: Tut doch nicht so, als ob sie wirklich aus Eignem voller Glut und Leben war. Sie hat ja nur existiert, quasi per Zufall und Willkür. (Dass ihre Oberen, als dummes Mittelmaß, viele Leben höchst real verbogen, ist darin eingeschlossen.) Kein historisches Gesetz trug sie auf seinen Schwingen, wie die pseudo-marxistischen Macher der DDR-Ideologie uns einhämmern wollten. Ihre sanften Züge, all das Quakquak im Tümpel, sind kaum eine halbe Stunde des Erinnerns wert.
Kollaps der Autorität
Von wirklichem Wert aber sind immer die Menschen. Es sind ihre Biografien, die das Prädikat spannend verdienen. Warum kann dies so sein? Zur unauslöschbaren Erfahrung aus fundamentalen Umbrüchen gehört der Kollaps der Autorität: Was gestern noch unangreifbar schien, liegt heute auf dem Kehrichthaufen.
Wer durch solche Schule gegangen ist, hat nicht verloren. Der ist immun, falls er seine Lektion gelernt hat - immun gegen neue Ideologien, gegen machtinteressierte Verzerrungen der Wirklichkeit, die ja meist den fauligen Geruch von Tümpelwasser an sich haben. Wenn das ein Rückblick auf vierzig DDR-Jahre deutlich macht, dann sei er willkommen!
Michael Schmittbetz (07.10.2003)
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