"Lieber Erich!"
Die Greise waren noch nicht mal weise. An ihrer Spitze stand ein Mann, mit dem zu befassen sich eigentlich nicht lohnt. Aber als oberster Chef hatte er allerhand zu melden.Und fast über einen Skandal gestolpert... Gründung der FDJ 1946 - 4. von rechts: Erich Honecker. (Bild: gegen-diktatur.de)
Junger Kader an der Ruhr
Erich Honecker erblickte am 25. August 1912 im saarländischen Neunkirchen das Licht der Welt. Der Vater, Bergmann und KPD-Mitglied ab 1919, schickte seinen Sohn bald in die regionale kommunistische Kindergruppe. Was dann kam, war die typische Karriere eines kommunistischen Jungkaders zur damaligen Zeit: Abgebrochene Dachdeckerlehre, Besuch in der Sowjetunion im Sommer 1931, Widerstandskämpfer im Ruhrgebiet nach 1933. Hier arbeitete Honecker übrigens mit Herbert Wehner zusammen, der, als leitender KPD-Funktionär, auf den jungen Mann aufmerksam geworden war.
Russisch? Nie!
Nach kurzem Pariser Exil kehrte Honecker auftragsgemäß zurück in die Heimat, wo ihn die Nazis 1935 verhafteten. Im Zuchthaus Brandenburg-Görden blieb Honecker bis 1945. Gleich nach der Befreiung übernahm der Volksschüler den Aufbau der FDJ.
Doch stolperte der ehrgeizige Nachwuchskader fast über einen Karteileichen-Skandal und die West-Flucht seines Stellvertreters - und wurde von Ulbricht vorsichtshalber zum Studium nach Moskau geschickt. Die russische Sprache erlernte Honecker - trotz Nachhilfeunterricht - allerdings nie, da ihm sogar grundlegende Kenntnisse des Deutschen fehlten.
Initiator des Schießbefehls
Kaum war Honecker wieder in Berlin, ernannte ihn Ulbricht 1956 zum Sekretär für Sicherheitsfragen, verantwortlich für Armee, Polizei und Staatssicherheit. Als solcher war Honecker am 13. August 1961 Leiter des Mauerbaus, später Initiator des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze sowie Erbauer und Gestalter des Todesstreifens. Sein verdeckter Konfrontationskurs gegen Ulbricht ab etwa 1963 gehört zu den interessanteren Kapiteln seiner Biografie: Vor allem steckte dahinter
Der große Freund: Leonid Breschnew verhalf Honecker zur Macht.
Honecker übernimmt
Chruschtschows Sturz im Jahr 1964 und sein Pakt mit Nachfolger Breschnew brachten Honecker langfristig auf den Weg zur vollen Macht. Am 27. April 1971 zwangen Mitglieder des Politbüros, darunter Honecker, Ulbricht zur Abdankung.
Honecker trat wenige Tage später an dessen Stelle als Parteichef und Staatslenker. Definitiv beendete er die Wirtschaftsreformen der sechziger Jahre mit ihren marktwirtschaftlichen Ansätzen. Versorgungskrisen beutelten das Land, so die "Kaffeekrise" 1977 oder der "Bettwäschekrieg". ...
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