Auf der Tribüne: In den Siebzigern waren die Tage noch nicht gezählt.
Seine Frau Margot, er heiratete sie 1953, blieb bis zum Schluss Ministerin für Volksbildung. Bekannt wurde sie durch eher rigide Erziehungsgrundsätze und ihre bemerkenswerte bläuliche Frisur.
Anerkennung und Repression
In Honeckers lange Regierungszeit fallen die völkerrechtliche Anerkennung der DDR durch fast alle Staaten der Welt, das Vierseitige Abkommen zum Status von Westberlin, der enorme Ausbau der Staatssicherheit und die KSZE-Verhandlungen von Helsinki. Doch die außenpolitischen Erfolge erwiesen sich bald als Augenauswischerei, da ihr Fundament immer morscher wurde.
Wer zu spät kommt...
Das Ende nahte mit dem Machtantritt Michail Gorbatschows in Moskau. Anfang 1987 distanziert sich Honecker eindeutig von Gorbatschows Reformkonzepten. Im September des gleichen Jahres besucht der SED-Chef die Bundesrepublik und auch - für kurze Zeit - seinen saarländischen Geburtsort.
Honecker verteidigt noch 1989, bei einem Moskau-Besuch, die Mauer. Immer häufigere Demonstrationen der Bevölkerung, Ausreisewelle und wirtschaftliche Misere bringen das Regime in Druck. Am 7. Oktober 1989 zelebriert die SED den 40. Jahrestag der DDR-Gründung. Staatsgast Gorbatschow ärgert mit seinem Spruch "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben".
Sturz und Flucht
Das Leben beginnt seine Bestrafung Honeckers mit dessen Sturz am 18. Oktober. Sein Nachfolger wird Egon Krenz (Demo-Sprechchor: "Großmutter, warum hast du so lange Zähne?"). 1991 flieht Honecker vor (west-)deutscher Strafverfolgung nach Moskau. Vorangehende Untersuchungshaft (Margot: "Erich, das ist wie 1935.") wird wegen Honeckers schlechtem Gesundheitszustand ausgesetzt. Sein Asyl in der
Er hat alles überstanden, ganz anders als sein Generalsekretär.
Leben im Asyl
Justizquerelen folgen der Rückkehr nach Deutschland. Im Januar 1993 reist Honecker nach Chile, wo ihn ehemalige Emigranten, denen er in der DDR vormals Asyl gewährte, warm empfangen. Erich Honecker stirbt am 29. Mai 1994 in der chilenischen Hauptstadt. Seine Hobbys waren das Abnehmen von Massen-Kundgebungen und die Jagd aus dem fahrenden Landrover; seine Lieblingsspeise: Kassler mit Kartoffeln und Sauerkraut.
Michael Schmittbetz (07.10.2003)
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