Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Kolonien

Infobox

Paul von Lettow-Vorbeck (geboren 1870 in Saarlouis) war ein Held - als an Helden gerade Mangel bestand. 1919, im Moment der tiefsten deutschen Niederlage, reitet der Mann doch mit 155 überlebenden Getreuen durchs Brandenburger Tor, begeistert gefeiert vom Volk. Irgendwie genial muss Lettow-Vorbeck in der Tat gewesen sein: von 1914 bis 1918 hielt er die deutsche Kolonie in Ost-Afrika gegen britische Kolonialeinheiten trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit von zuletzt 1 zu 10. Strandverteidigung, Guerillataktiken, lange Märsche, am Ende - im Gegenschlag - bis nach Rhodesien auf britisches Gebiet: Lettow-Vorbeck zog alle Register.

Treu an der Seite seiner deutschen Truppe, nie mehr als einige hundert Mann, kämpften Tausende Askaris, afrikanische Eingeborenensoldaten. Lettow-Vorbeck sicherte sich Loyalität. Die Führungsqualitäten des Generals sind noch heute Gegenstand von Managementstudien. Im Nachkriegsberlin aber fühlte der Afrikaheld sich unterfordert: 1920 nahm er am Kapp-Putsch teil - und beanspruchte dabei zeitweise die Herrschaft über Mecklenburg. Später schrieb er eifrig gelesene Bücher. Lettow-Vorbeck starb 1964 in Hamburg.