"Weltpolitik"
Kolonialbesitz musste haben, wer im globalen Spiel der Kräfte mithalten wollte. Von Macht träumte mancher; auf Gewinn spekulierten andere. Ein Verlustgeschäft waren die deutschen Kolonien immer.Für die wenigen deutschen Siedler war das Leben rau. Auch wenn man sich, wie hier in Togo 1885, über weite Strecken tragen ließ.
"Deutsch-Südwestafrika", heute Namibia und einst wirtschaftlich bedeutsamstes deutsches "Schutzgebiet", hält hier als gutes Beispiel her: Mit rund einem halben Prozent Anteil am deutschen Außenhandel machte es das "Mutterland" nicht reich - im Jahr 1913, nach fast drei Jahrzehnten kolonialer Aktivität.
Ein paar Diamanten
Ein wenig Kupfer, ein paar Diamanten, damit hatte es sich schon. Knapp 14.000 Weiße siedelten in der Kolonie - weniger als manche bayerische Kleinstadt Einwohner hat -, etwa 3.000 davon Beamte, Polizisten, Soldaten. Das Verlustgeschäft finanzierte der deutsche Steuerzahler. Man hätte es lassen sollen.
Geistige Strömung
Warum nur strebte das Deutsche Reich nach Kolonien? Noch Bismarck, der große Kanzler, warnte ja bis in die späten 1880er Jahre vor solchen Abenteuern. Dem neuen Einheitsstaat in Europa Geltung verschaffen, gut. Doch in Afrika, China, auf Südseeinseln? Die genauen Ursachen für Bismarcks Kurswechsel während seiner letzten Periode im Amt, und für die kolonialbegeisterte Politik unter Wilhelm II. ab den neunziger Jahren, sind noch heute Thema von Dissertationen. Im Allgemeinen allerdings ist kein Geheimnis mehr um die Gründe: Sie liegen in den geistigen Strömungen der Zeit, in der Art, Machtverhältnisse zwischen Großmächten zu deuten - im Wort "Weltpolitik".
Wie ein Naturgesetz
"Weltpolitik" treiben wollten natürlich alle: Briten, Franzosen, Belgier, Russen, US-Amerikaner... - und eben auch Deutsche. Natürlich - weil globale Konkurrenz wie ein Naturgesetz erschien: Nur wer ein gutes Stück Erde beherrsche, so ging die Rede, könne unter den wirklich wichtigen Mächten der Zukunft sein. Alle anderen müssten in Bedeutungslosigkeit versinken. Europäisches Sendungsbewusstsein, sprich: Rassismus, kam hinzu.
Macht und Erfolg
Das galt, wie schon gesagt, keinesfalls für die Deutschen allein; für sie galt es gerade erst ziemlich spät. Die Methoden der deutschen Kolonisatoren waren abgeschaut, vom englischen Vorbild in erster Linie. Wer auf sich hielt im deutschen Bildungsbürgertum an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, hatte die Werke Rudyard Kiplings im Bücherregal; bei Wilhelm II. hing Kiplings "hohes Lied der Macht und des Erfolges" sogar über dem Arbeitstisch. Heute kennen wir den Autor und lesenswerten Verherrlicher kolonialer Kämpfe bloß noch als Verfasser des Dschungelbuchs...
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Paul von Lettow-Vorbeck (geboren 1870 in Saarlouis) war ein Held - als an Helden gerade Mangel bestand. 1919, im Moment der tiefsten deutschen Niederlage, reitet der Mann doch mit 155 überlebenden Getreuen durchs Brandenburger Tor, begeistert gefeiert vom Volk. Irgendwie genial muss Lettow-Vorbeck in der Tat gewesen sein: von 1914 bis 1918 hielt er die deutsche Kolonie in Ost-Afrika gegen britische Kolonialeinheiten trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit von zuletzt 1 zu 10. Strandverteidigung, Guerillataktiken, lange Märsche, am Ende - im Gegenschlag - bis nach Rhodesien auf britisches Gebiet: Lettow-Vorbeck zog alle Register.
Treu an der Seite seiner deutschen Truppe, nie mehr als einige hundert Mann, kämpften Tausende Askaris, afrikanische Eingeborenensoldaten. Lettow-Vorbeck sicherte sich Loyalität. Die Führungsqualitäten des Generals sind noch heute Gegenstand von Managementstudien. Im Nachkriegsberlin aber fühlte der Afrikaheld sich unterfordert: 1920 nahm er am Kapp-Putsch teil - und beanspruchte dabei zeitweise die Herrschaft über Mecklenburg. Später schrieb er eifrig gelesene Bücher. Lettow-Vorbeck starb 1964 in Hamburg.
Treu an der Seite seiner deutschen Truppe, nie mehr als einige hundert Mann, kämpften Tausende Askaris, afrikanische Eingeborenensoldaten. Lettow-Vorbeck sicherte sich Loyalität. Die Führungsqualitäten des Generals sind noch heute Gegenstand von Managementstudien. Im Nachkriegsberlin aber fühlte der Afrikaheld sich unterfordert: 1920 nahm er am Kapp-Putsch teil - und beanspruchte dabei zeitweise die Herrschaft über Mecklenburg. Später schrieb er eifrig gelesene Bücher. Lettow-Vorbeck starb 1964 in Hamburg.



