"O weh!"
Albert Einstein - auch als Pazifist hat er Weltruhm erworben. Der Brief, in dem die Entwicklung der Atombombe gefordert wird, stammt trotzdem aus seiner Feder.Einstein und die Violine: Können, doch nicht Meisterschaft.
Überraschender Bericht
Der Sechzigjährige, obwohl ungebrochen populär, steht damals bereits fern von neuesten wissenschaftlichen Trends. Was ihm sein Besucher im Feriendomizil, Mitte Juli 1939, berichtet, kommt daher überraschend: Leo Szilard, Physiker, gebürtiger Ungar und Emigrant wie Einstein, wird an jenem heißen Sommertag von einer Schreckensvision getrieben, die ihm allzu begründet scheint.
E=mc²
Anders als Einstein glaubt der Jüngere fest an die Möglichkeit atomarer Kettenreaktionen, an die baldige technische Machbarkeit der Freisetzung von Energie nach der Einstein-Formel E=mc². Szilard ist zudem überzeugt, deutsche Forscher hätten bei der Spaltung des Uranatoms längst wichtige Fortschritte erzielt.
Der ideale Ausweg
Im engen Kreis der Eingeweihten - Einstein gehört nicht dazu - sieht man das Dilemma: Alarm schlagen, vor eventuellen furchtbaren Waffen auf der Gegenseite warnen - und sich vielleicht gründlich blamieren, oder: die Sache auf sich beruhen lassen, um den Preis eines deutschen Vorsprungs, der im künftigen Krieg entscheidend sein könnte. Da bietet sich mit Einstein, dessen Reputation unangreifbar ist, der ideale Ausweg an.
Einstein unterschreibt
Am Ende des Gesprächs zwischen Einstein und Szilard steht der Entschluss: Einen Brief gilt es zu entwerfen - an den belgischen Botschafter in Washington, mit Einsteins Unterschrift. Warum ist gerade die belgische Regierung der erste, in Aussicht genommene Adressat?
Nachdem sie 1933 in die USA emigrierten, bewohnten Einstein und seine Frau dieses Holzhaus in Princeton.
Im Sommer 1939 spekulieren Beobachter, dass die Anfangsphase des erwarteten neuen Krieges der des Ersten Weltkriegs ähneln werde: Damals hatte Deutschland sehr rasch Belgien überrannt und, im Oktober 1914 im Hafen von Amsterdam, riesige Vorräte an Salpeter erbeutet. Ohne diesen Zufallserfolg hätte das deutsche Heer bei den unerwartet intensiven Materialschlachten schnell sein Pulver verschossen. So aber gelang es, die Zeit zu überbrücken, bis gerade errichtete Fabriken ausreichend synthetisches Salpeter liefern konnten.
Aus der Geschichte gelernt?
Vergleichbares scheint auch dieses Mal zu drohen: Belgisch-Kongo ist ein Hauptstandort der Uranförderung; von dort aus gelangt der für die Kernspaltung unverzichtbare Rohstoff nach Europa. Wiederholt sich die Geschichte? In diesem Fall nicht.
Forschungen im großen Stil
Bald überzeugen Freunde den prominenten Briefschreiber, dass doch eher das Weiße Haus der richtige Adressat seiner Warnungen sei. Auf jene Weise entsteht Einsteins später heftig umstrittener Brief an den Präsidenten der USA, Franklin D. Roosevelt...
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Infobox
Warum führen Menschen Kriege?
Welchen Weg gibt es, Kriege zu vermeiden? Dies ist der Brocken, den Einstein auf den Tisch wirft - im Fragespiel mit Sigmund Freud. Anlass war: Ein Internationales Institut für geistige Zusammenarbeit in Paris hatte den Physiker gebeten, mit einer Person seiner Wahl in Gedankenaustausch über Kriegsursachen und Kriegsverhütung zu treten.
Im Juli 1932 schrieb Einstein an Freud; Ende September kam die Antwort aus Wien. Wie kaum anders zu erwarten, zieht Freud zur Erklärung von Krieg und Gewalt den von ihm festgestellten allgemeinen menschlichen Destruktionstrieb heran.
Lediglich im Gegenspieler dieses Triebes, im Eros, liege die Chance: "Alles, was Gefühlsbindungen unter den Menschen herstellt, muss dem Krieg entgegenwirken." Brisanter: Für praktische Zwecke hat Freud die Idee der Erziehung "einer Oberschicht selbstständig denkender... Menschen, denen die Lenkung der unselbstständigen Massen zufallen würde".
Ein Gedanke, der in jeweils spezifischer Form wohl Lenin, Mussolini und Hitler auch schon gekommen war. Brief und Antwortbrief wurden Anfang 1934 publiziert. Doch viel war inzwischen in Deutschland geschehen. Das wohlgemeinte Büchlein blieb ohne Wirkung und unbeachtet.
Welchen Weg gibt es, Kriege zu vermeiden? Dies ist der Brocken, den Einstein auf den Tisch wirft - im Fragespiel mit Sigmund Freud. Anlass war: Ein Internationales Institut für geistige Zusammenarbeit in Paris hatte den Physiker gebeten, mit einer Person seiner Wahl in Gedankenaustausch über Kriegsursachen und Kriegsverhütung zu treten.
Im Juli 1932 schrieb Einstein an Freud; Ende September kam die Antwort aus Wien. Wie kaum anders zu erwarten, zieht Freud zur Erklärung von Krieg und Gewalt den von ihm festgestellten allgemeinen menschlichen Destruktionstrieb heran.
Lediglich im Gegenspieler dieses Triebes, im Eros, liege die Chance: "Alles, was Gefühlsbindungen unter den Menschen herstellt, muss dem Krieg entgegenwirken." Brisanter: Für praktische Zwecke hat Freud die Idee der Erziehung "einer Oberschicht selbstständig denkender... Menschen, denen die Lenkung der unselbstständigen Massen zufallen würde".
Ein Gedanke, der in jeweils spezifischer Form wohl Lenin, Mussolini und Hitler auch schon gekommen war. Brief und Antwortbrief wurden Anfang 1934 publiziert. Doch viel war inzwischen in Deutschland geschehen. Das wohlgemeinte Büchlein blieb ohne Wirkung und unbeachtet.



