Zwei Kulturen
Die Popularität des genialen Wissenschaftlers Albert Einstein ist unübertroffen. Auf allen Kontinenten begeisterte der bescheidene Mann Millionen. Aber warum?Chaplin und Einstein: am 30. Januar 1931 im Los Angeles Theatre, bei der Premiere des Films Lichter der Großstadt.
"Hochstapler" ohne Antwort?
Treffender kann man es kaum formulieren, das Rätsel um Einsteins Berühmtheit - eine Berühmtheit, in deren Glanz er sich selbst oft als "Hochstapler" empfand: Auf welche Frage, die ein Masseninteresse berührt, hätte er denn Antwort geben können, der "Überwinder Newtons", der "neue Kopernikus"?
Kometengleicher Aufstieg
Zum kometengleichen Aufstieg des eigenwilligen Wissenschaftlers in der Gunst des Publikums trug vieles bei: Basis ist jene Reputation, die Einstein schon 1905 unter Fachkollegen erwarb, im Jahr der Veröffentlichung der Speziellen Relativitätstheorie. Ab 1916, nach Vollendung der Allgemeinen Relativitätstheorie, durfte seine führende Position im erlesenen Kreis als gesichert gelten. Das hätte - zumal Einsteins Rolle in der Physik von den Zwanzigern an langsam ins Randständige geriet - der Höhepunkt sein können.
"Größe der Weltgeschichte"
Im Dezember 1919 aber stieg die Presse ein, allen voran die Berliner Illustrierte: "Albert Einstein, die neue Größe der Weltgeschichte!" Diverse Zeitungen, auch in den ehemals mit Deutschland verfeindeten Ländern, fingen den Ball auf: Einstein, der deutsche Forscher mit Renommee - ein Lichtblick, wo doch der Hass auf alles Deutsche seit dem großen Krieg noch weltweit lebte. Und: Einstein, der Forscher, dem man weltweit zujubeln konnte, der Mittler, weil er eben doch nicht ganz und total in Deutschland verwurzelt schien, mit seinem Schweizer Pass, und - als Jude.
Einstein im Berner Patentamt, um 1903: Die Theorie reift heran, das Image noch nicht.
Am wichtigsten jedoch: Da war der Einstein, über den in Deutschland die Leute auf der Straße stritten, pro oder kontra Relativitätstheorie, je nach politischer Haltung: Wer Pazifist war, "links" war oder liberal, schwang meist das Fähnchen des "gekrümmten Raumes". Wer kontra argumentierte, stand wahrscheinlich im nationalistischen, im "rechten" Lager: Physik als Ideologieersatz, gar als Ersatzreligion? Für uns ist Ähnliches heute kaum vorstellbar. Ende 1920, kaum mehr als zwölf Monate waren vergangen, lastete Weltruhm auf den Schultern des großen Wissenschaftlers.
Tief und dunkel
Der Prophet des neuen Weltbilds, Einstein, er hatte, was Propheten zu Propheten macht: Seine Worte, jedenfalls auf physikalischem Gebiet, waren tief, und blieben der breiten Masse, trotz aller bemühten Klarheit, dunkel. Sogar Alfred Döblin, Schriftsteller, und ganz und gar kein "Rechter", verzweifelte vor dem grandiosen Ungetüm unter dem Namen Relativitätstheorie: Kopernikus, Kepler, Galilei könne er begreifen. Die neue Theorie aber schließe ihn "und die ungeheure Menge aller Menschen, auch der denkenden, auch der gebildeten, von ihrer Erkenntnis aus"...
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Infobox
Feldtheorie
Wo lag das Interesse Einsteins nach der Relativitätstheorie? Sein Ziel war eindeutig - und sollte sich als unerreichbar erweisen: Quantentheorie und Relativitätstheorie sind die beiden großen Erfolge der Physik des Zwanzigsten Jahrhunderts. Objekt der ersten Theorie sind elektromagnetische Wellen.
Es geht um Prozesse, die in der Atomhülle, in der Welt der Elektronen und der Photonen spielen. Hingegen hat die Relativitätstheorie die von Newton entdeckte Gravitation zum Gegenstand, ebenfalls ein, wie Einstein fand, wellenartiges Phänomen. Was lag näher, als beide Theorien in einer neuen, einheitlichen Feldtheorie auf den gemeinsamen Nenner zu bringen?
Einstein verrannte sich bei diesem Versuch, während jüngere Kollegen an den Prozessen im Atomkern forschten, was zur Entdeckung der Kernspaltung führte. Doch: Es ist Einsteins Frage, die auf den Bauplan des Universums zielt.
Wo lag das Interesse Einsteins nach der Relativitätstheorie? Sein Ziel war eindeutig - und sollte sich als unerreichbar erweisen: Quantentheorie und Relativitätstheorie sind die beiden großen Erfolge der Physik des Zwanzigsten Jahrhunderts. Objekt der ersten Theorie sind elektromagnetische Wellen.
Es geht um Prozesse, die in der Atomhülle, in der Welt der Elektronen und der Photonen spielen. Hingegen hat die Relativitätstheorie die von Newton entdeckte Gravitation zum Gegenstand, ebenfalls ein, wie Einstein fand, wellenartiges Phänomen. Was lag näher, als beide Theorien in einer neuen, einheitlichen Feldtheorie auf den gemeinsamen Nenner zu bringen?
Einstein verrannte sich bei diesem Versuch, während jüngere Kollegen an den Prozessen im Atomkern forschten, was zur Entdeckung der Kernspaltung führte. Doch: Es ist Einsteins Frage, die auf den Bauplan des Universums zielt.


