Krieg nach Fahrplan
Rasch nach der Erfindung der Eisenbahn bezog auch das Militär das neue Verkehrsmittel in seine Erwägungen ein. Gezielt machten sich Befehlshaber Dynamik und Präzision der Erfindung zu Nutzen. Doch ähnlich wie im zivilen Bereich überwog zunächst Skepsis.Er erkannte den Wert der Eisenbahn für die Kriegsführung: Helmuth von Moltke.
Organisator mit Weitsicht
Die Rede ist vom preußischen Generalstabschef Helmuth von Moltke (1800 bis 1891) - dem äußeren Anschein nach ein stiller Bürooffizier, eher pedantischer Organisator denn charismatischer Truppenführer. Als Moltke 1857 Chef des Großen Generalstabs wird, ist das deutsche Eisenbahnnetz in den Händen privater Unternehmer, über die Bundesstaaten aufgesplittert. Moltke drängt auf Zentralisation, will, so schreibt er 1859, "einen zusammenhängenden Organismus bilden, abhängig vom ineinander greifenden Wirken seiner Teile". Die Gründe sind aus der Rückschau leicht verständlich; damals waren sie es - beim oft konservativen Denken der Militärs - nur eingeschränkt.
Gesteigerte Mobilität
Der Gedanke, Eisenbahnen für den militärischen Aufmarsch zu nutzen, lag freilich zu nahe, als dass ihn ein einzelner Mann vor allen anderen hätte fassen können: Frankreich, Preußen, Österreich, Russland - in den wichtigsten europäischen Militärmächten entwickeln hohe Offiziere ab den 1830er Jahren Visionen von gesteigerter Mobilität künftiger Armeen. 1842 veranstaltet Preußen erste Großversuche mit Kavallerie und Artillerie auf seinem Bahnnetz im Raum Berlin.
Bahnbrechendes Kalkül
Doch - ähnlich wie im zivilen Bereich - überwiegt zunächst Skepsis: Bedeutet es nicht ein unkalkulierbares Risiko, den Truppentransport von der Chaussee auf die Schiene zu verlagern? Ist dort nicht das Chaos programmiert, im Wirrwarr von Fahrplänen, Unfällen und technischen Unwägbarkeiten? Vor allem: Sollen stolze Stabsoffiziere denn zu Stationsvorstehern werden?
Moltke, der Über-Pedant, der das Unwägbare ins Kalkül einbezieht ("Kein Plan überlebt die erste Feindberührung!"), der Bahn-Enthusiast, der zum Verwaltungsrat der Berlin-Hamburger-Eisenbahn gehört, demonstriert sein Konzept im strategischen Aufmarsch des Jahres 1866 gegen Österreich...
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Helmuth Carl Bernhard von Moltke
Denkmäler wurden ihm zu Ehren errichtet, Straßen und Plätze tragen seinen Namen: Helmuth von Moltke, preußischer Generalfeldmarschall und Wegbereiter der Reichseinigung 1871. Durch seine Triumphe im Krieg gegen Dänemark (1864), vor allem aber im Bruderkrieg gegen Österreich und dessen Verbündete bei Königgrätz (1866) sowie schließlich im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war Moltke zu Lebzeiten nicht weniger populär als Kaiser Wilhelm I. oder Reichskanzler Bismarck. Doch im Laufe der Zeit verlor sich der Glanz, Moltke geriet in Vergessenheit. Dabei ist die Biografie des großen Militärs ebenso spannend wie die des berühmten Politikers:
Helmuth von Moltke wird am 26.Oktober 1800 auf einem Gut bei Parchim in Mecklenburg geboren. Die militärische Laufbahn schlägt er bereits im Alter von elf Jahren ein: Wie schon sein Vater und seine Brüder tritt Moltke in den Dienst des dänischen Heeres und besucht die Kadettenakademie in Kopenhagen. 1822 wechselt der junge Leutnant jedoch aufgrund besserer Karriereaussichten zur preußischen Armee. Von 1823 bis 1826 besucht Moltke die Allgemeine Kriegsschule in Berlin und wird 1833 in den Großen Generalstab versetzt. 1835 folgt die Beförderung zum Hauptmann.
1835 reist Moltke in den Südosten Europas. Zwischen 1836 und 1839 steht er als Instrukteur der türkischen Truppen in Diensten des Osmanischen Reichs. In dieser Zeit beteiligt er sich an mehreren Feldzügen Sultan Mahmuds II. Die aufgezeichneten Eindrücke und Erfahrungen seines Aufenthalts am Bosporus tragen den Titel Unter dem Halbmond. Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839.
Der "große Schweiger", wie Moltke auch genannt wird, ist erstaunlicherweise manchmal äußerst redselig: Schon als junger Leutnant veröffentlicht er Novellen, historische Abhandlungen und militärwissenschaftliche Werke. Und auch der spätere Feldherr bringt seine Erinnerungen nach dem Verstummen der Kanonen immer wieder zu Papier...
(Fortsetzung in Teil 2)
Denkmäler wurden ihm zu Ehren errichtet, Straßen und Plätze tragen seinen Namen: Helmuth von Moltke, preußischer Generalfeldmarschall und Wegbereiter der Reichseinigung 1871. Durch seine Triumphe im Krieg gegen Dänemark (1864), vor allem aber im Bruderkrieg gegen Österreich und dessen Verbündete bei Königgrätz (1866) sowie schließlich im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war Moltke zu Lebzeiten nicht weniger populär als Kaiser Wilhelm I. oder Reichskanzler Bismarck. Doch im Laufe der Zeit verlor sich der Glanz, Moltke geriet in Vergessenheit. Dabei ist die Biografie des großen Militärs ebenso spannend wie die des berühmten Politikers:
Helmuth von Moltke wird am 26.Oktober 1800 auf einem Gut bei Parchim in Mecklenburg geboren. Die militärische Laufbahn schlägt er bereits im Alter von elf Jahren ein: Wie schon sein Vater und seine Brüder tritt Moltke in den Dienst des dänischen Heeres und besucht die Kadettenakademie in Kopenhagen. 1822 wechselt der junge Leutnant jedoch aufgrund besserer Karriereaussichten zur preußischen Armee. Von 1823 bis 1826 besucht Moltke die Allgemeine Kriegsschule in Berlin und wird 1833 in den Großen Generalstab versetzt. 1835 folgt die Beförderung zum Hauptmann.
1835 reist Moltke in den Südosten Europas. Zwischen 1836 und 1839 steht er als Instrukteur der türkischen Truppen in Diensten des Osmanischen Reichs. In dieser Zeit beteiligt er sich an mehreren Feldzügen Sultan Mahmuds II. Die aufgezeichneten Eindrücke und Erfahrungen seines Aufenthalts am Bosporus tragen den Titel Unter dem Halbmond. Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839.
Der "große Schweiger", wie Moltke auch genannt wird, ist erstaunlicherweise manchmal äußerst redselig: Schon als junger Leutnant veröffentlicht er Novellen, historische Abhandlungen und militärwissenschaftliche Werke. Und auch der spätere Feldherr bringt seine Erinnerungen nach dem Verstummen der Kanonen immer wieder zu Papier...
(Fortsetzung in Teil 2)



