Per Bahn in den Krieg: die Herzogin von Hessen verabschiedet sich 1914 von einer Mannschaft der Hessischen Infanterie.
Der (Fahr-)Plan geht auf
An jenem 3. Juli von Königgrätz diktiert Moltkes Konzept den Verlauf der Schlacht: Spät, doch noch rechtzeitig, eigentlich exakt zur rechten Zeit, kommt die zweite Armee der Preußen der hart bedrängten ersten zu Hilfe, fällt den Österreichern in Flanke und Rücken. Moltkes Fahrplan hat funktioniert! Gesiegt haben kühle Pedanterie und geistige Überlegenheit - das rechnerische Kalkül des Bahnbeamten. Bei großen Berliner Paraden reitet der Generalstabschef Moltke nun, mit gezogenem Säbel, an der Spitze eines Eisenbahnbataillons an seinem König vorbei.
Strategisches Instrument
Fortan sind Fahrpläne aus den Berechnungen der Militärs nicht mehr wegzudenken. Nach 1914 bestimmt die Bahn nicht nur den Verlauf einzelner Schlachten, sie prägt das Gesicht des gesamten Krieges: Die anhaltende Überlegenheit der Verteidigung gegenüber dem Angriff, die zum wechselseitigen Abschlachten in starren Frontensystemen führt, ist auch ein Bahnphänomen. Vermag doch die jeweils verteidigende Seite, mit dem Bahnnetz im Hinterland, Lücken immer schneller zu stopfen, als der Angreifer, zu Fuß oder zu Pferd, durch sie hindurch stoßen kann. Der Erste Weltkrieg - der Krieg der Eisenbahnen!
Eisenbahner in Generalsuniform
Noch ein wichtiger Umstand kommt hinzu: Ebenso, wie sie fast allen Kriegen bis ins atomare Zeitalter hinein den Stempel aufdrückte, formte die Bahn, ihr Geist der Dynamik und Präzision, den Typ des modernen Offiziers. Im Stil von Fahrplänen denkende, an Technik und Logistik interessierte Berufsmilitärs machten die "Haudegen" der alten Schule rasch überflüssig. Helmuth von Moltke verkörperte diesen Typus erstmals par excellence - ein Eisenbahner in Generalsuniform.
Michael Schmittbetz (24.11.2005)
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Helmuth Carl Bernhard von Moltke (Teil 2)
Nach seiner Rückkehr wechselt Moltke zwischen verschiedenen Stabs- und Adjutantendiensten innerhalb der preußischen Armee. So ist er von 1849 bis 1855 Chef des Generalstabes des VI. Armeekorps und ab 1856 Adjutant des späteren Kaisers Friedrich III. Im Jahr 1857 erreicht Moltke den Höhepunkt seiner Karriere, als man ihn mit der Führung des Großen Generalstabs betraut - eine Aufgabe, die er mehr als dreißig Jahre lang erfüllen wird. In dieser Funktion leitet Moltke fortan die wichtigsten militärischen Operationen Preußens.
Nach seiner Rückkehr wechselt Moltke zwischen verschiedenen Stabs- und Adjutantendiensten innerhalb der preußischen Armee. So ist er von 1849 bis 1855 Chef des Generalstabes des VI. Armeekorps und ab 1856 Adjutant des späteren Kaisers Friedrich III. Im Jahr 1857 erreicht Moltke den Höhepunkt seiner Karriere, als man ihn mit der Führung des Großen Generalstabs betraut - eine Aufgabe, die er mehr als dreißig Jahre lang erfüllen wird. In dieser Funktion leitet Moltke fortan die wichtigsten militärischen Operationen Preußens.
Der geniale Stratege verfolgt aufmerksam die wirtschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit. Früh erkennt Moltke die Bedeutung moderner Transport- und Kommunikationsmittel für die Kriegsführung. So widmet sich der neue Generalstabschef, privat mit 10.000 Talern an der Berlin-Hamburger Eisenbahn beteiligt und Mitglied deren Verwaltungsrates, zuallererst dem Eisenbahnwesen. Und die Welt staunt kurz darauf über einen Feldherrn, dem es gelingt, weit verstreut operierende Armeen wie auf Kommandoruf blitzschnell zusammenzufassen. "Getrennt marschieren - vereint schlagen" lautet Moltkes Devise, die er von Napoleon I. übernahm.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg erhebt Kaiser Wilhelm I. Moltke in den Grafenstand und ernennt ihn zum Feldmarschall. Aus dem aktiven "Kriegsgeschäft" zieht sich der inzwischen rüstige Militär zurück. Stattdessen wird Moltke Mitglied des Reichstags, besucht alle Sitzungen mit bemerkenswerter Pünktlichkeit und hält kurze, aber präzise Reden. Thema seiner letzten Rede ist übrigens die "Einführung der Reichseinheitszeit in der Eisenbahnverwaltung". Moltke, neben Alexander dem Großen einziger Feldherr der Geschichte, der nie eine Schlacht verlor, stirbt am 24. April 1891 friedlich beim Kartenspiel.



