Der französische Außenminister Robert Schuman legte im Jahr 1950 einen Plan für die Zusammenarbeit in Europa vor.
Fatale Selbsttäuschung
Dieser selbstbezügliche Optimismus sollte sich in vielerlei Hinsicht als fatale Selbsttäuschung erweisen: Zunächst unterschätzten Europas Eliten die tiefen Wandlungen, die sich zu jener Zeit beispielsweise in den USA und in Japan abspielten. Dann erschütterte der Erste Weltkrieg, die Grundkatastrophe des Kontinents, Europa wirtschaftlich wie politisch in den Fundamenten, untergrub altes Selbstvertrauen, vernichtete große Teile der Eliten auch physisch - und schien so dem Weltherrschaftsanspruch ein Ende zu setzen.
Europäischer Bürgerkrieg
Das Resultat war der Nährboden für die zwei großen politischen Tendenzen, die im "europäischen Bürgerkrieg" (Ernst Nolte) des 20. Jahrhunderts einander gegenüber standen: Faschismus und Bolschewismus. Ersterer transformierte den ursprünglichen Nationalismus auf oft wenig schlüssige Weise in einen antibolschewistischen, europäischen Internationalismus, teils unter Rückgriff auf die alten Vorstellungen vom Bollwerk von Zivilisation und Kultur. Auf besonders dramatische Weise spiegelt sich im Antisemitismus und Rassismus der Nazis jener Europa konstituierende Dualismus des Überlegenen und des Minderwertigen wider.
"Schicksalsgemeinschaft"
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs überlagerte eine schier unüberwindliche politische Grenze die geografischen Grenzen - der so genannte Eiserne Vorhang. Europa zerfiel in zwei Machtblöcke - das Denken der Europäer in zwei konkurrierende Weltanschauungen. Der Westen des Kontinents verstand sich als "Schicksalsgemeinschaft". Dieses Europa war nun Westeuropa - und die USA neuer kultureller Bezugspunkt.
"Europa ist Geschichte"
Seit dem Ende des Kalten Krieges steht die Überwindung der alten Ost-West-Polarität auf dem Programm. An deren Stelle trat ein Nord-Süd-Gefälle - die europäische Identität konstituiert sich erneut in Opposition zur islamischen und zur so genannten Dritten Welt. Von einer Festung Europa ist sogar die Rede. Ist das also Europa? Oder liegt der US-Amerikaner Marvin Minsky, ein Pionier des Cyberspace, vielleicht näher an der Wahrheit, wenn er behauptet: "Europa ist Geschichte"?
Ulrike Wolf (06.03.2007)
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