Attraktiv trotz Zensur
Bei manchem stapeln sich die Hefte noch heute im Bücherregal: Wer jung war in der DDR, las das Magazin Neues Leben. Auf breiter Front kämpfte die Führung der SED um Herzen und Hirne der unter 30jährigen.Jugendmedien in der DDR, das bedeutete mehr als bloß Propaganda: Die Zeitung Junge Welt gehörte zu den beliebteren Druckerzeugnissen am Kiosk, trotz massiver politischer Indoktrination. Fast immer ausverkauft war das Neue Leben, bei einer Auflage von mehr als fünfhunderttausend Exemplaren. Grund: der bunte Mix von Alltagsthemen, bis hin zur Berufs- und Sexualberatung. Das Jugendradio DT64 hörten Millionen. Auch Fernsehformate wie Klick oder - ab September 1989 - Elf99 stießen auf große Resonanz. LexiTV hat zwei Macher von damals und den Experten befragt: Wie balancierte man auf dem schmalen Grat zwischen Linientreue und Publikumserfolg?
Interview mit Ingeborg Dittmann, früher Redakteurin des Magazins Neues Leben: Konflikt zwischen Vorgaben und Realität.
Was erwarteten DDR-Jugendliche von den Medien, die nicht ganz absichtslos für sie hergestellt wurden? Den Maßstab setzten Musiksendungen aus dem Westen, meint Medienforscher Professor Stiehler. Musik stand immer im Vordergrund. Allerdings: Wirklich mithalten konnten Fernsehen und Radio im Osten gerade auf diesem Gebiet nicht. Es mangelte an Angebotsbreite, mitunter auch an technischer Perfektion. Eher noch punkteten die Medienmacher mit Fragen des täglichen Lebens. Bindungen aufbauen, lautete die Devise. Und das schien manchmal zu gelingen. Aber keineswegs immer.
Gängeleien und dümmliche Vorgaben lassen sich schon mal unterlaufen. Was nicht heißen soll, dass sie nicht hinderlich sind. Im letzten Interview kommt ein Macher zu Wort: Knut Vietze, Produktionsleiter beim DDR-Fernsehen, unter anderem bei der unstrittig beliebten Jugendsendung Elf99. Auch dort schwebte den "Verantwortlichen" vor, politische Inhalte in gefälliger Form zu "verankern". Die Grenzen waren eng: Gelegentlich störte schon eine Musiker-Glatze. Welch kuriose Geschichte dabei herauskam, daran erinnert sich Knut Vietze genau...
Für die Interviewsequenzen: Fernsehautorin Katarina Werneburg. Für die Texte auf der Website: Michael Schmittbetz (23.02.2011)
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Die Junge Welt in der DDR
Das "Organ des Zentralrats der FDJ" (gegründet 1947) erschien ab März 1952 bis zur deutschen Vereinigung sechs Mal pro Woche. 1977 überschritt die Auflage erstmals die Millionengrenze. Damit war das Blatt auflagenstärkste Tageszeitung der DDR, noch vor dem Neuen Deutschland (ND).
Den größten Teil der Berichterstattung machten innen- und außenpolitische Themen sowie Wirtschaftsthemen aus. Typisch war, dass Beiträge aus dem ND mit stilistischen Abwandlungen übernommen wurden, neben eigenen Texten. Beeinflussung im staatskonformen Sinn und ideologische Erziehung der Jugend galten als erklärtes Ziel. Heute ist die Junge Welt eine linkssozialistische Zeitung, die sich im Eigentum der Mitarbeiter befindet.
Den größten Teil der Berichterstattung machten innen- und außenpolitische Themen sowie Wirtschaftsthemen aus. Typisch war, dass Beiträge aus dem ND mit stilistischen Abwandlungen übernommen wurden, neben eigenen Texten. Beeinflussung im staatskonformen Sinn und ideologische Erziehung der Jugend galten als erklärtes Ziel. Heute ist die Junge Welt eine linkssozialistische Zeitung, die sich im Eigentum der Mitarbeiter befindet.
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Das Neue Leben
Ebenso wie bei der Jungen Welt war der Zentralrat der FDJ Herausgeber des Jugendmagazins Neues Leben. Gegründet wurde die farbige Monatszeitschrift nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Ihr inhaltliches Spektrum war breit: politische Themen, aber auch Musik, Film, Mode und Sexualberatung. Kurzgeschichten sowie naturwissenschaftliche und technische Beiträge rundeten das Angebot ab.
Konzeptionell stand in mancher Hinsicht das bundesrepublikanische Magazin Bravo Pate. Die Popularität des Neuen Lebens war derart groß, dass es trotz einer Auflage von 540.000 Exemplaren am Kiosk schnell vergriffen war. Abonnements waren kaum zu bekommen. Anfang 1992 wurde die Zeitschrift, inzwischen privatisiert, eingestellt.
Konzeptionell stand in mancher Hinsicht das bundesrepublikanische Magazin Bravo Pate. Die Popularität des Neuen Lebens war derart groß, dass es trotz einer Auflage von 540.000 Exemplaren am Kiosk schnell vergriffen war. Abonnements waren kaum zu bekommen. Anfang 1992 wurde die Zeitschrift, inzwischen privatisiert, eingestellt.
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Jugendradio DT64
Ein von der FDJ organisiertes "Deutschlandtreffen der Jugend" 1964 in Ostberlin gab den Anstoß zur Gründung des Jugendradios DT64. Ausgestrahlt wurden die einzelnen Sendungen zunächst vom Berliner Rundfunk auf Mittelwelle und UKW. Musik, vor allem internationale Titel, lockten Hörer an. Im März 1986 entstand aus dem Radioformat ein eigener Sender, der täglich von 13 bis 24 Uhr, später ab 4 Uhr morgens, zu empfangen war.
Sonnabends brachte DT64 Charts aus der Bundesrepublik, Großbritannien und den USA. Angesagte Hits bildeten den Kern des Programms. Komplette Schallplatten wurden abgespielt, um das Mitschneiden zu erleichtern. Nachfolger von DT64 ist heute der MDR-Rundfunksender Sputnik.
Sonnabends brachte DT64 Charts aus der Bundesrepublik, Großbritannien und den USA. Angesagte Hits bildeten den Kern des Programms. Komplette Schallplatten wurden abgespielt, um das Mitschneiden zu erleichtern. Nachfolger von DT64 ist heute der MDR-Rundfunksender Sputnik.






