Kohlenstaub und Propaganda
Der Westen bietet Hilfe an. Der Osten vermutet nur geheucheltes Mitleid. Schließlich schaltet sich die Stasi ein. Die Hintergründe des Grubenunglücks vom 22. Februar 1960 in Zwickau sind mysteriös.In der DDR verharrten die Menschen am 27. Februar 1960 in stillem Gedenken an die toten Kumpel von Zwickau. Auch die Bundesrepublik trauerte. (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Lizenz: Creative Commons)
Rückblick
Fünf Tage zuvor: Gerade ist die Frühschicht in den ersten Schacht des VEB Steinkohlenwerk Karl Marx eingefahren, als um 8:20 Uhr zwei schwere Explosionen kurz hintereinander die unterirdischen Gänge erschüttern. Luft schießt aus dem Schacht; bald steigt dicker Qualm herauf. In 1.100 Metern Tiefe beginnt für 178 Kumpel der Kampf ums Überleben.
Tod nach drei Atemzügen
Wer nicht sofort der Druckwelle oder der folgenden Feuersbrunst zum Opfer fällt, versucht sich zu retten. Die Bergleute greifen nach Gasmasken, so genannten Selbstrettern. Solche Masken filtern durch Aktivkohle Brandgase und Kohlenmonoxid aus der Luft. Dabei wird die Atemluft so heiß, dass Verbrennungen an Schleimhäuten drohen. Um den Schmerz in Mund und Rachen zu stoppen, reißen sich einige der Männer die Masken vom Kopf. In den mit giftigen Gasen gefüllten Stollen sind sie nach drei Atemzügen tot. Viele der Kumpel, die Explosion und Feuersbrunst überlebt haben, finden so den Tod.
Elf Stunden Schweigen
Übertage eilen Rettungskräfte herbei. Bereits 8:45 Uhr fährt die 1. Zwickauer Grubenwehr in den Unglücksstollen ein. Die Nachricht von einem schweren Unfall im Steinkohlenwerk macht in der Stadt die Runde. Elf Stunden versuchen die DDR-Behörden die Katastrophe zu verbergen. Dann endlich gibt der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst, die Nachrichtenagentur der DDR, eine Meldung über das Zwickauer Grubenunglück heraus. Die Nachricht dringt bis in den Westen und ruft Karl vom Hoff, Leiter der Hauptstelle für Grubenrettungswesen, auf den Plan. Von Essen aus bietet er der DDR Hilfe an.
Tschechoslowakische Bergleute treffen am 24. Februar 1960 in Zwickau ein und helfen beim Löschen und Bergen. (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Lizenz: Creative Commons)
Bei Ministerpräsident Otto Grotewohl stößt vom Hoff auf taube Ohren, obwohl der DDR spezielles Löschgerät nicht zur Verfügung steht. Statt Hilfe vom "Kapitalistischen Ausland" gibt die DDR-Führung lieber sozialistischer Solidarität den Vorrang: Spezialisten aus der Tschechoslowakischen Republik eilen nach Zwickau. Mit dabei haben die Kumpel dieselbe Technik aus BRD-Produktion, wie sie auch die Helfer aus dem Ruhrgebiet genutzt hätten: Latex wird auf die Grubenwände aufgebracht und erstickt die Glut. Schnell ist eines von mehreren Feuern untertage gelöscht, ein paar Bergleute werden in Sicherheit gebracht. Fieberhaft arbeiten die Einsatzkräfte weiter.
Steinernes Grab
Zwei Tage nach dem Unglück erklärt Grotewohl an der Unglücksstelle: "Wir möchten, dass wir darin einig sind, solange wir noch einen Atemzug da unten für möglich halten, solange werden wir unsere Arbeit um die Rettung des letzten Mannes fortsetzen." Bis dahin haben die mehr als fünfhundert Helfer 55 Kumpel gerettet und 51 Tote geborgen. Am 28. Februar flammt ein unterirdischer Brand erneut auf. Löschen lässt er sich nicht. Für die Kumpel, die jetzt noch in den Schächten sind, kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jede Hilfe zu spät. Die Einsatzleitung entscheidet, den brennenden Abschnitt zuzumauern, um das Feuer zu ersticken. Es ist das steinerne Grab für die Körper von 72 Männern...
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Unglücke im Bergbau
Der Begriff Schlagwetter oder auch schlagende Wetter stammt aus der Bergmannssprache und bezeichnet eine explosive Mischung aus Luft und Methan. Das auch Grubengas genannte Methan entsteht bei der Bildung von Kohle und wird beim Abbau von Steinkohle frei. Schon bei einem Anteil von fünf bis fünfzehn Prozent Grubengas in der Luft kommt es durch Funkenschlag oder offenes Feuer zu einer Schlagwetterexplosion.
Anfangs wusste niemand, was die Explosionen auslöste. Bergleute leuchteten untertage weiter mit offenem Feuer. Erst im 19. Jahrhundert verbannten Techniker mögliche Zündquellen aus den Bergwerken. Offenes Feuer wich Sicherheitslampen, deren Flammen von einem Drahtkäfig ummantelt waren, der Funkenschlag verhindern sollte. Zu Explosionen kam es trotzdem, da manche Bergleute leichtsinnig weiter mit offenem Feuer leuchteten. Ausschließen lässt sich das Risiko einer Grubengasexplosion erst, wenn Methan sich nicht ansammeln kann. Ab 1881 gab es in Deutschland erste Verordnungen, die eine ordnungsgemäße Grubenbelüftung vorschrieben.
Als Folge schlagender Wetter treten häufig Kohlenstaubexplosionen auf. Sie kommen vor allem in Steinkohle-, selten in Braunkohlewerken vor. Dabei verwirbeln feine Kohlepartikel mit Luft und entzünden sich. Je kleiner die Partikel sind, desto leichter sind sie wegen der großen Oberfläche entzündlich. Minimale, kaum erkennbare Glutnester lösen eine Kettenreaktion aus. Um das zu verhindern, wird Kohlenstaub zum Beispiel durch Besprengen mit Wasser gebunden.
Oft übertreffen Kohlenstaubexplosionen die zerstörerische Wirkung von Schlagwetter-Explosionen. Die Wucht von Sprengungen untertage verursacht häufig Gebirgsschläge, das Einstürzen von Stollen. Herabfallende Balken oder Gesteinsbrocken erschlagen die Kumpel oder schließen sie untertage ein.
Der Begriff Schlagwetter oder auch schlagende Wetter stammt aus der Bergmannssprache und bezeichnet eine explosive Mischung aus Luft und Methan. Das auch Grubengas genannte Methan entsteht bei der Bildung von Kohle und wird beim Abbau von Steinkohle frei. Schon bei einem Anteil von fünf bis fünfzehn Prozent Grubengas in der Luft kommt es durch Funkenschlag oder offenes Feuer zu einer Schlagwetterexplosion.
Anfangs wusste niemand, was die Explosionen auslöste. Bergleute leuchteten untertage weiter mit offenem Feuer. Erst im 19. Jahrhundert verbannten Techniker mögliche Zündquellen aus den Bergwerken. Offenes Feuer wich Sicherheitslampen, deren Flammen von einem Drahtkäfig ummantelt waren, der Funkenschlag verhindern sollte. Zu Explosionen kam es trotzdem, da manche Bergleute leichtsinnig weiter mit offenem Feuer leuchteten. Ausschließen lässt sich das Risiko einer Grubengasexplosion erst, wenn Methan sich nicht ansammeln kann. Ab 1881 gab es in Deutschland erste Verordnungen, die eine ordnungsgemäße Grubenbelüftung vorschrieben.
Als Folge schlagender Wetter treten häufig Kohlenstaubexplosionen auf. Sie kommen vor allem in Steinkohle-, selten in Braunkohlewerken vor. Dabei verwirbeln feine Kohlepartikel mit Luft und entzünden sich. Je kleiner die Partikel sind, desto leichter sind sie wegen der großen Oberfläche entzündlich. Minimale, kaum erkennbare Glutnester lösen eine Kettenreaktion aus. Um das zu verhindern, wird Kohlenstaub zum Beispiel durch Besprengen mit Wasser gebunden.
Oft übertreffen Kohlenstaubexplosionen die zerstörerische Wirkung von Schlagwetter-Explosionen. Die Wucht von Sprengungen untertage verursacht häufig Gebirgsschläge, das Einstürzen von Stollen. Herabfallende Balken oder Gesteinsbrocken erschlagen die Kumpel oder schließen sie untertage ein.



