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Guantanamo

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Theorie des Lagers
Der Italiener Giorgio Agamben (geboren 1942) zählt zu den meistdiskutierten Philosophen unserer Tage. Agamben beschäftigt sich in seinen Hauptwerken mit der Gefahr des totalitären Zugriffs auf den Einzelnen, wovor auch Demokratien nicht gefeit seien. Hintergrund ist die seiner Ansicht nach bereits beobachtbare Aufhebung rechtsstaatlicher westlicher Ordnungen unter dem Zeichen des "War on Terror". "Wo es angeblich um Sicherheit geht, geht es in Wirklichkeit um Kontrolle und Macht", behauptet der Globalisierungsgegner, dessen Buch Ausnahmezustand kürzlich auf Deutsch erschien.

In Agambens Philosophie rechtsfreier Räume ist Guantanamo das zentrale Symbol. Guantanamo versinnbildlicht das Lager schlechthin, in dem die Legalität aufgehoben ist und der permanente Ausnahmezustand herrscht. Über den Ausnahmezustand jenseits der geltenden Rechtsordnung entscheiden zu können, betrachtet Agamben als eigentliche Grundlage souveräner staatlicher Macht. Mehr noch, der Philosoph sieht im Leben unter dem Ausnahmezustand, also unter administrativer Willkür, die künftige Existenzform von Abermillionen Menschen, von Flüchtlingen, politischen Feinden, Verdächtigen.

Kennzeichnend für die Gegenwart ist aus Agambens Sicht eine Auflösung der klassischen Strukturen des Nationalstaats mit seinen drei Elementen Rechtsordnung, Territorium und Staatsbürger. Der einstige Staatsbürger, von Rechtsordnung und Territorium getrennt, wird zum Flüchtling, zum gefährlichen Subjekt und damit zum Insassen des Lagers, in dem der Ausnahmezustand die andauernde Regel ist. Guantanamo ist für Agamben als Modell eine negative Utopie, die in Abstufungen und unzähligen Variationen mehr und mehr Realität wird.