Charles Lindbergh: allein mit Kompass und Karte gelang der Flug über den Ozean.
Der antijudaische Aspekt in Lindberghs pazifistischem Credo blieb unüberhörbar. Drei Gruppen, so befand er, trieben den Krieg voran: die Regierung des amtierenden Präsidenten Roosevelt, die Briten, und die Juden. Obwohl damals keineswegs einsam mit jener Meinung, war das Flieger-As politisch - spätestens mit Kriegsausbruch - endgültig weg vom Fenster.
Pikanter Zusammenhang
Professionell, hochbegabt und mit vertrackter romantischer Geste - das galt nicht nur für Lindbergh, den ungekrönten König im "Club der Flugpioniere" allein: Aus dem Blickfeld verdrängt sind heute passionierte Flieger wie Herrmann Göring, Ernst Udet, Benito Mussolini... Die Reihe ließe sich fortsetzen und stimmt nachdenklich: Fliegerei, Romantik, und Begeisterung für den europaweit wachsenden Faschismus, besteht da ein Zusammenhang? Der Flieger als Übermensch?
Gewiss ist die Verbindung nicht eindeutig und linear. Die hochaggressive Romantik des fliegenden Militärspezialisten, seine Weltverdrossenheit und elitäre Sehnsucht, hat Ende der 1930er Jahre der Schriftsteller Ernst Jünger meisterhaft in Worte gefasst. In seiner realistischfantastischen Novelle Auf den Marmorklippen schildert Jünger ein fiktives Trinkgelage unter "alten Kriegern".
Sekt und Asche
Die Textpassage verdient aufmerksames Lesen: "Damals wurde es mir deutlich, dass die Panik, deren Schatten immer über unseren großen Städten lagern, ihr Pendant im kühlen Übermut der wenigen besitzt, die gleich Adlern über dumpfem Leiden kreisen. Einmal, als wir mit dem Capitano tranken, blickte er in den betauten Kelch und meinte träumend: 'Kein Glas Sekt war köstlicher als jenes, das man uns an die Maschinen reichte in der Nacht, da wir Sagunt zu Asche brannten.' Und wir dachten: 'Lieber noch mit diesem stürzen, als mit jenen leben, die die Furcht im Staub zu kriechen zwingt.'" Der Fachmann, der kalte, mörderische und romantisch begeisterte Experte, fühlt sich in elitärer Weltanschauung gut aufgehoben.
Schweben im luftleeren Raum: Astronaut Bruce McCandless - mission specialist - einige Meter neben der Kabinenwand des Shuttles Challenger, im Februar 1984. (Bild: NASA)
Uns erscheint dieser faschistoid-romantische Expertentypus als vergangene Lebensform, freilich mit dem Potenzial zur Wiederkehr. Der heutige Typ des Volksheld-Fliegers hat das Expertentum seiner romantischen Vorgänger geerbt, schwebt aber, sowohl physikalisch als auch ideologisch, im luftleeren Raum: Es ist der Astronaut. Als Spezialist des Informationszeitalters gilt seine ganze Aufmerksamkeit der Technik; er selbst wird zur Verlängerung seiner Instrumente.
Rundum perfekt
Auf den Punkt brachte dies der Buchautor und Fernsehjournalist Wolfgang Venohr, indem er von "jenen amerikanischen Astronauten und sowjetischen Kosmonauten" sprach, "die munter, alert und rundum perfekt ihr Handwerk gleichsam blind ausüben, mit höchster Fachkenntnis und überwältigender Präzision; Befehlen gehorchend, die aus dem Nichts kommen könnten".
Kultivierte Bescheidenheit
So hat sich die Schraube also einmal gedreht: Romantik - gründlich diskreditiert - ist passé. Nüchternheit und Konzentration auf die Aufgabe zeichnen den Fliegerei-Experten aus, ob unter, in oder über der Stratosphäre. Selbst die gelegentlich gefeierten Weltall-"Eroberer" unserer Tage kultivieren Bescheidenheit. Reif für möglichen Missbrauch sind sie dennoch, nicht anders als der Fachmann für Atomraketen. Vielleicht weil ihnen die romantische Ader fehlt?
Michael Schmittbetz (aktualisiert 20.01.2010)
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Juri Gagarin
"Poechali" (los geht's) rief Juri Gagarin, als er 1961 als erster Mensch in den Weltraum flog. In kürzester Zeit stilisierte der Kreml ihn zum Nationalhelden. So setzte er ihn bei zahlreichen Auslandsreisen erfolgreich als sympathischen Gesandten der Sowjetunion ein.
Und Gagarin selbst war tatsächlich aus dem Stoff, aus dem Helden sind: er besaß natürliches Charisma und Bescheidenheit, und mit seinem fröhlichen bübischen Lächeln gewann er nicht nur die Herzen der eigenen Landsleute.
Nicht seiner technischen Qualifikation oder viel gepriesenen Ruhe wegen fiel die Wahl auf den Kandidaten Gagarin. Nein, am Ende des Entscheidungsverfahrens griff unvermeidlich die sozialistische Propaganda-Taktik. Das Arbeiterkind Juri Gagarin erhielt den Vorzug vor Mitkandidat German Titow, dem Lehrerkind.
Im März 1968 starb Gagarin beim Probeflug eines Kampfflugzeugs. Lange schon ranken sich um seinen frühen Tod Spekulationen. Er habe sich abgesetzt oder vegetiere in einer Psychiatrie. Andere behaupteten, Gagarin sei vom Kreml ermordet worden, weil er am Kommunismus gerüttelt habe. Ungeklärt ist die Absturzursache jedenfalls noch heute.
"Poechali" (los geht's) rief Juri Gagarin, als er 1961 als erster Mensch in den Weltraum flog. In kürzester Zeit stilisierte der Kreml ihn zum Nationalhelden. So setzte er ihn bei zahlreichen Auslandsreisen erfolgreich als sympathischen Gesandten der Sowjetunion ein.
Und Gagarin selbst war tatsächlich aus dem Stoff, aus dem Helden sind: er besaß natürliches Charisma und Bescheidenheit, und mit seinem fröhlichen bübischen Lächeln gewann er nicht nur die Herzen der eigenen Landsleute.
Nicht seiner technischen Qualifikation oder viel gepriesenen Ruhe wegen fiel die Wahl auf den Kandidaten Gagarin. Nein, am Ende des Entscheidungsverfahrens griff unvermeidlich die sozialistische Propaganda-Taktik. Das Arbeiterkind Juri Gagarin erhielt den Vorzug vor Mitkandidat German Titow, dem Lehrerkind.
Im März 1968 starb Gagarin beim Probeflug eines Kampfflugzeugs. Lange schon ranken sich um seinen frühen Tod Spekulationen. Er habe sich abgesetzt oder vegetiere in einer Psychiatrie. Andere behaupteten, Gagarin sei vom Kreml ermordet worden, weil er am Kommunismus gerüttelt habe. Ungeklärt ist die Absturzursache jedenfalls noch heute.



