Wie es begann
Der Erste Weltkrieg machte das Korps der Flieger zur Waffengattung: als Aufklärer zuerst, wenig später als Jagdpiloten. Um die Anfänge, um klapprige Kisten und um eine bahnbrechende Erfindung geht es hier.Aufklärung von weit oben: Luftaufnahme einer türkischen Stadt an den Dardanellen während der Schlacht von Gallipoli, 1915.
Visionäre, wie der italienische General Giulio Douhet, hatten schon um die Jahrhundertwende die Möglichkeiten des Kampfes aus der Luft analysiert, Bombenabwürfe eingeschlossen. Doch konservative Militärbürokraten hielten die Visionäre bloß für Fantasten: Wenn es um Flugzeuge ging, standen anfangs nicht der Bombenangriff oder die Herrschaft über den Luftraum im Vordergrund, sondern eine Aufgabe, welche traditionell der Kavallerie oblag: "Auge der Armee" zu sein.
Aufklärer, meist zweisitzige, stoffbespannte Dreidecker-Maschinen, sollten den Stäben jenen Überblick wiederverschaffen, der auf dem größer und unübersichtlicher werdenden Schlachtfeld vom Boden aus nicht mehr zu haben war. Per Luftbild ließen sich auch dort noch Informationen gewinnen, wo die Kommunikation am Boden unter dem Trommelfeuer der Artillerie versagte.
Vom Reiter zum Piloten
Ehemalige Kavalleristen dienten als erste als Beobachter und Piloten in den zunächst schwerfälligen Maschinen. Zumal ihre alte Waffengattung im Grabenkrieg zwecklos geworden war. Die militärische Biografie Manfred Freiherr von Richthofens, ursprünglich Kavallerist, dann Beobachter im Aufklärungsflugzeug, später erfolgreichster Jagdflieger des Krieges, ist typisch für Tausende dieser mehr und mehr spezialisierten Offiziere. Wie aber wurden aus den anfangs reichlich klapprigen Kisten richtige Jäger?
Oswald Boelcke im Cockpit einer Fokker E.IV. Sichtbar ist das starr eingebaute, in Flugrichtung feuernde Maschinengewehr.
So entstand die Idee, die anfangs unbewaffneten Luftaufklärer mit Handfeuerwaffen auszustatten, auch zum Bekämpfen von Kollegen der anderen Seite. Der Gedanke des Jagdflugzeugs war geboren!
Ein technisches Problem
Um echte Jagdflugzeuge im heutigen Sinn handelte es sich erstmal allerdings eher nicht. Angriffsweise und Kampftaktik wirkten beinahe rührend komisch: In den Biografien von Fliegerassen (auf deutscher Seite zum Beispiel Ernst Udet und Hermann Göring) ist etwa von Pistolenduellen zwischen Beobachtern die Rede, notfalls bewarf man sich auch mal mit Gegenständen.
Den Schritt hin zum echten Jagdflugzeug, dem schnellen, wendigen, mit einem Maschinengewehr ausgestatteten Einsitzer, bei dem ein einziger Mann Steuerknüppel, Motor, Landeklappen und Waffe bedient, blockierte nämlich ein technisches Problem: Um das Maschinengewehr während des Fluges handhabbar zu machen, musste es starr installiert sein und vom Cockpit aus entlang der Längsachse des Flugzeugs feuern. Der Pilot, schon voll ausgelastet mit halsbrecherischen Manövern, konnte einfach nur mit der Flugzeugnase zielen.
Zwangsläufig flogen die Projektile dann aber durch den Kreis des an der Spitze angebrachten Propellers. Erst nach der Erfindung des Unterbrechergetriebes wurde das möglich, ohne die Rotorblätter zu rasieren (siehe Infobox). Ein technisches Kunststück, das wirkte wie Zauberei, hob die Jagdfliegerei aus der Wiege!
Mit dem Bau echter Jagdflugzeuge, den bald alle am Krieg beteiligten Parteien begannen, ging eifriges Streben nach Luftüberlegenheit einher. Erfahrene Flieger entwarfen nun Luftkampftaktiken und -doktrinen, wie etwa die berühmte Dicta Boelcke (siehe Infobox). Jagdstaffeln, Squadrons und Geschwader erhielten den Status militärischer Einheiten, vergleichbar den Regimentern und Bataillonen am Boden.
Lieutenant Colonel Bishop, Fliegerass auf britischer Seite, posiert vor einer Nieuport 17 Scout. Als Einsitzer mit starrem MG ist das Modell schon echtes Jagdflugzeug.
Damit war die Luftwaffe als Waffengattung etabliert. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und ein paar Jahre darüber hinaus verbesserte die Industrie nur noch die kampftechnische Ausstattung der Maschinen, Tempo, Wendigkeit, Flughöhe und Waffenstärke. Das Prinzip blieb gleich.
Das Ende vom Anfang der Jagdfliegerei liegt in den Luftkämpfen des Spanischen Bürgerkriegs (1936 bis 1939): Hölzerne Doppeldecker wichen Eindeckern in Ganzmetallbauart mit mehreren Maschinengewehren und Kanonen. Luftüberlegenheit wurde strategischer, kriegsentscheidender Faktor - und hat sich als solcher erhalten.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 14.05.2012)
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Infobox
Das Unterbrechergetriebe...
ist die Kopplung zwischen Propellerwelle und Maschinengewehr des Jagdflugzeugs, die das Feuer des Maschinengewehrs unterbricht, wenn ein Geschoss ein vor der Mündung vorbeiziehendes Propellerblatt treffen würde. Propellerwelle und Maschinengewehr wurden damit synchronisiert, um eine unbeabsichtigte Selbstzerstörung zu verhindern.
Anfängliche Versuche, die Rotorblätter mit Geschossabweisern aus Stahlblech vor dem MG-Feuer des eigenen Piloten zu schützen, schlugen fehl. Sogar ein französischer Entwurf, der schon auf der Synchronisation von Propellerwelle und Maschinengewehr beruhte, erwies sich als weitgehend kampfuntauglich. Da schuf der Fokker-Ingenieur Heinrich Lübbe 1915 die erste überzeugende Konstruktion.
Perfekter wurde die Lösung in den 1930er Jahren, als anstelle der reinen Mechanik elektrisch gezündete Munition Verwendung fand, die den Zündimpuls von den Zündmagneten des Motors erhielt.
Bedeutungslos wurde das Unterbrechergetriebe erst mit dem Aufkommen von Strahltriebwerken. Es hat als technische Idee das Entstehen der Jagdfliegerei möglich gemacht. Von da an konnte der einzelne Pilot Avionik und Waffe gleichzeitig handhaben.
ist die Kopplung zwischen Propellerwelle und Maschinengewehr des Jagdflugzeugs, die das Feuer des Maschinengewehrs unterbricht, wenn ein Geschoss ein vor der Mündung vorbeiziehendes Propellerblatt treffen würde. Propellerwelle und Maschinengewehr wurden damit synchronisiert, um eine unbeabsichtigte Selbstzerstörung zu verhindern.
Anfängliche Versuche, die Rotorblätter mit Geschossabweisern aus Stahlblech vor dem MG-Feuer des eigenen Piloten zu schützen, schlugen fehl. Sogar ein französischer Entwurf, der schon auf der Synchronisation von Propellerwelle und Maschinengewehr beruhte, erwies sich als weitgehend kampfuntauglich. Da schuf der Fokker-Ingenieur Heinrich Lübbe 1915 die erste überzeugende Konstruktion.
Perfekter wurde die Lösung in den 1930er Jahren, als anstelle der reinen Mechanik elektrisch gezündete Munition Verwendung fand, die den Zündimpuls von den Zündmagneten des Motors erhielt.
Bedeutungslos wurde das Unterbrechergetriebe erst mit dem Aufkommen von Strahltriebwerken. Es hat als technische Idee das Entstehen der Jagdfliegerei möglich gemacht. Von da an konnte der einzelne Pilot Avionik und Waffe gleichzeitig handhaben.
Infobox
Oswald Boelcke (1891 bis 1916)...
gilt neben Max Immelmann als "Senior" der deutschen Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Der zu den ersten deutschen Fliegerassen zählende Pilot stellte ein Regelwerk für den Luftkampf auf, die Dicta Boelcke.
Eine Kostprobe: "Regel 1: Sichere Dir alle Vorteile (Geschwindigkeit, dazu Höhe und zahlenmäßige Überlegenheit) bevor Du angreifst. Greife immer aus der Sonne an... Regel 5: In jeglicher Form des Angriffs ist eine Annäherung an deinen Gegner von hinten erforderlich... Regel 6: Wenn Dich der Gegner im Sturzflug angreift, versuche nicht dem Angriff auszuweichen, sondern wende Dich dem Angreifer zu."
Experten bewundern noch heute die fast zeitlose Gültigkeit von Boelckes Dicta. Auch Manfred von Richthofen war bekannt für das äußerst präzise Befolgen der Regeln seines einstigen Lehrers.
Boelcke starb am 28. Oktober 1916, nachdem die Maschine eines Freundes versehentlich den rechten Flügel seines eigenen Flugzeugs touchiert hatte. Während des Ersten Weltkriegs gingen fast genauso viele Maschinen durch technische Defekte oder Pilotenfehler verloren wie durch Feindeinwirkung.
gilt neben Max Immelmann als "Senior" der deutschen Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Der zu den ersten deutschen Fliegerassen zählende Pilot stellte ein Regelwerk für den Luftkampf auf, die Dicta Boelcke.
Eine Kostprobe: "Regel 1: Sichere Dir alle Vorteile (Geschwindigkeit, dazu Höhe und zahlenmäßige Überlegenheit) bevor Du angreifst. Greife immer aus der Sonne an... Regel 5: In jeglicher Form des Angriffs ist eine Annäherung an deinen Gegner von hinten erforderlich... Regel 6: Wenn Dich der Gegner im Sturzflug angreift, versuche nicht dem Angriff auszuweichen, sondern wende Dich dem Angreifer zu."
Experten bewundern noch heute die fast zeitlose Gültigkeit von Boelckes Dicta. Auch Manfred von Richthofen war bekannt für das äußerst präzise Befolgen der Regeln seines einstigen Lehrers.
Boelcke starb am 28. Oktober 1916, nachdem die Maschine eines Freundes versehentlich den rechten Flügel seines eigenen Flugzeugs touchiert hatte. Während des Ersten Weltkriegs gingen fast genauso viele Maschinen durch technische Defekte oder Pilotenfehler verloren wie durch Feindeinwirkung.




